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Peer Steinbrück im Porträt
Ein Freund der klaren Kante
Die Parteifreunde bezeichnete er als Heulsusen, der Schweiz drohte er mit der Kavallerie: Verbal ist Peer Steinbrück selten auf Kuschelkurs. Vielen aber ist die klare Kante Steinbrücks als Finanzminister in der Euro-Krise in guter Erinnerung.
Von Ute Welty, tagesschau.de
Er war so etwas wie der Fels in der Brandung. Als die Lehmann-Pleite den ersten Finanz-Tsunami in Richtung Europa schickte, trauten viele dem damaligen Finanzminister Peer Steinbrück zu, die "Fahrt auf Sicht" im sicheren Hafen enden zu lassen. Allerdings war nicht jedes Manöver erfolgreich. Als Steinbrück und Bundeskanzlerin Angela Merkel gemeinsam die Sicherheit der Sparguthaben betonten, wurde die Sogwirkung des Strudels erst richtig deutlich. Später sollte Steinbrück über diese Zeit sagen: "Ich habe in den Abgrund geblickt".
Porträt von Peer Steinbrück
tagesschau 15:00 Uhr, 28.09.2012, Tim Herden, ARD Berlin
Ein schlechter Schüler
Hanseat, Schachspieler, Rotweintrinker. Peer Steinbrück wird im Januar 1947 in Hamburg geboren. Sein Urgroßonkel Adelbert Delbrück ist einer der Mitbegründer der Deutschen Bank. Steinbrück selbst schließt das Studium der Volkswirtschaft 1974 ab. Seine schulische Laufbahn dauert etwas länger: Mehrfach muss der kleine Peer wegen schlechter Noten die Schule wechseln, zweimal eine Klasse wiederholen.
1969 tritt Steinbrück in die SPD ein, arbeitet für Hans Matthöfer, Helmut Schmidt, Johannes Rau. Erst in Schleswig-Holstein, dann in Nordrhein-Westfalen übernimmt Steinbrück das Amt des Wirtschaftsministers. 2002 wählt ihn der Düsseldorfer Landtag in der Nachfolge Wolfgang Clements zum Ministerpräsidenten. Die Landtagswahl drei Jahre später schließt Steinbrück mit dem schlechtesten SPD-Ergebnis seit 1954 ab. Er muss die Staatskanzlei dem CDU-Politiker Jürgen Rüttgers übergeben.
Kein einfacher Minister
Die nächste Chance lässt nicht lange auf sich warten: Im November 2005 beruft ihn Merkel als Bundesfinanzminister in ihr Kabinett. Der macht ihr das Leben zunächst nicht leicht. Mit der damaligen Familienministerin Ursula von der Leyen streitet Steinbrück leidenschaftlich über Elterngeld und Kindergartenausbau. Im Ausland macht er sich mit Äußerungen über Steuerflucht und Bankgeheimnis unbeliebt. Seine Aussage "Wir müssen nicht nur das Zuckerbrot benutzen, sondern auch die Peitsche" wurde in der deutschsprachigen Schweiz zum Satz des Jahres gewählt.
Steinbrücks späteres Image als Manager der Finanzkrise ist aber keins mit ganz weißer Weste. Zu Beginn der Krise gibt er sich nämlich völlig unbeeidruckt. Die amerikanische Immobilienblase hält er für ein amerikanisches Problem. Lange wehrt er sich gegen ein Konjunkturprogramm, was mancher Fachmann als "absurd" bezeichnet. Bis September 2008 vertritt er die Meinung, das deutsche Bankensystem sei sicher und habe keine Rettung nötig. Die Realität und ein Milliardenbetrag für den Immobilienfinanzierer HRE lassen ihn diese Ansicht revidieren.
"Er kann es"
Auch nach seinem Ausscheiden aus der Regierungsverantwortung 2009 bleibt Peer Steinbrück eine Person von hohem öffentlichen Interesse. Seine jüngsten Vorschläge zum Umbau des Bankensektors sorgen für Furore. Unter anderem sieht Steinbrück die Trennung von klassischem Kundengeschäft und riskantem Investmentbanking vor. Das würde vor allem die Deutsche Bank treffen und damit das Erbe seines Urgroßonkels.
Seit 2010 wird über Steinbrück als SPD-Kanzlerkandidaten spekuliert. Altkanzler Helmut Schmidt adelt den potenziellen Kandidaten mit dem Satz: "Er kann es". Bis heute hat Steinbrück dem nicht widersprochen.
Steinbrück offenbar vor Kanzlerkandidatur
L. Lenz, ARD Berlin
28.09.2012 10:55 Uhr
Stand: 28.09.2012 22:17 Uhr
