Zur Haupt-Navigation der ARD.
Zum Inhalt.
[Bildunterschrift: In Stasi-Akten fanden sich Hinweise auf die gestohlenen Identitäten. ]
Nach Recherchen des ARD-Politikmagazins Kontraste und des rbb-Politikmagazins Klartext belegen rekonstruierte Akten aus der Bundesbehörde für die Stasi-Unterlagen, dass die DDR-Staatssicherheit jahrzehntelang an der deutsch-deutschen Grenze heimlich Pässe von Bundesbürgern abfotografiert hat. Danach war jeder zehnte Bundesbürger oder Westberliner davon betroffen. Insgesamt soll die Stasi aus dieser Vielzahl von Fotos Tausende gefälschte West-Pässe produziert haben.
[Bildunterschrift: Der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Roland Jahn, bestätigte die Recherchen. ]
Mit diesen falschen Pässen reisten dann inoffizielle Mitarbeiter der Stasi als Bundesbürger getarnt in westliche Länder, um für den Geheimdienst der DDR zu spionieren. Die wahren Inhaber der Pässe wurden, ohne es zu wissen, währenddessen ständig von der Stasi observiert. Damit sollte eine zufällige Enttarnung der Spione vermieden werden. "Es wurden Dossiers angelegt über ahnungslose Westberliner und westdeutsche Bürger", bestätigt der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Roland Jahn.
Der rbb hat die Geschichte eines ahnungslosen Ehepaares aus Westberlin recherchiert, das Opfer eines solchen "Identitätsraubes" wurde. Erst durch Kontraste erfuhr die Ehefrau, dass ihre Familie jahrelang von der Stasi überwacht wurde. Mit der gestohlenen Identität des Ehemannes reiste ein Inoffizieller Mitarbeiter aus Jena für die Stasi durch Europa.
Der Wissenschaftler, der heute als Professor an der Universität Jena tätig ist, knüpfte im Auftrag der DDR-Staatssicherheit Kontakte. Er instruierte einen Kollegen aus Finnland, der dann ebenfalls als IM für die DDR-Staatssicherheit arbeitete. Beide besorgten später jahrelang für die DDR wissenschaftliche Dokumente und Forschungsarbeiten aus dem westlichen Ausland und sammelten persönliche Daten von Wissenschaftlern. Beide IM haben gegenüber dem rbb ihre Stasi-Tätigkeit eingeräumt. Der ehemalige finnische IM ist heute ein angesehener Professor in Helsinki.
Das Eingeständnis des finnischen IM ist deshalb so brisant, weil die Regierung Finnlands bis heute behauptet, keine DDR-Agenten im Land gehabt zu haben. Die beiden im Kontraste-Bericht gezeigten Inoffiziellen Mitarbeiter agierten nach Erkenntnissen des Magazins auch in Schweden. Die Unterlagen zu diesen Operationen lagerten 20 Jahre lang zerrissen in 16.000 Müllsäcken, die die Stasi nicht mehr rechtzeitig vernichten konnte. 500 dieser Müllsäcke konnten bislang in der Jahn-Behörde bearbeitet und die Akten rekonstruiert werden, das sind rund eine Million Dokumente.
Mehr darüber heute um 21.45 Uhr im ARD-Politikmagazin Kontraste im Ersten. Eine ausführliche Reportage mit dem Titel "Ostspione im Hohen Norden" läuft am 25.1.2012 um 22.15 Uhr im rbb-Fernsehen.
Anmerkung der Redaktion: Kontraste hatte zunächst von 60.000 gefälschten West-Pässen gesprochen; inzwischen korrigierte das Magazin seine Angaben auf "Tausende".
Die Landesrundfunkanstalten der ARD: BR, HR, MDR, NDR, Radio Bremen, RBB, SR, SWR, WDR,
Weitere Einrichtungen und Kooperationen: ARD Digital, ARTE, PHOENIX, 3sat, KI.KA, DLF/ DKultur, DW