Diese Flüchtlingskinder sind im ehemaligen Flughafen Berlin Tempelhof untergebracht.  | Bildquelle: dpa

Städtetag zu Flüchtlingsfragen Mehr bauen, besser integrieren

Stand: 29.12.2015 13:15 Uhr

Wie sollen Hunderttausende Flüchtlinge untergebracht werden? Diese Frage bewegt die Bürger und Bürgermeister. Die Städte fordern Unterstützung, um Wohnungsraum für die Neuankömmlinge und für Einheimische zu bieten. Hoffnung macht den Kommunen die Hilfsbereitschaft der Bevölkerung.

Eva Lohse ist Präsidentin des Deutschen Städtetages - und Oberbürgermeisterin von Ludwigshafen. "Wir müssen gegenwärtig davon ausgehen, dass in Ludwigshafen im März 2016 alle derzeit vorhandenen Unterbringungskapazitäten für Asylsuchende erschöpft sein werden", sagt sie. Damit benennt Lohse eine wesentliche Frage, mit der sich viele Bürgermeister aktuell beschäftigen: Wie sollen die Flüchtlinge künftig untergebracht werden? Der Städtetag hat Bürgermeister größerer Mitgliedsstädte zur Flüchtlingssituation befragt. Bezahlbarer Wohnraum ist ein Hauptthema.

Ludwigshafens Oberbürgermeisterin Eva Lohse  fordert bezahlbaren Wohnraum. | Bildquelle: dpa
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Ludwigshafens Oberbürgermeisterin Eva Lohse fordert bezahlbaren Wohnraum.

Für Ludwigshafen hofft Lohse auf einen Zuweisungsstopp des Landes. Dank der Pause könnte dann die Zeit bis Mai 2016 überbrückt werden. Dann sollen in ihrer Stadt feste Unterkünfte fertiggestellt sein. Ähnlich sieht das auch Burkhard Jung, Oberbürgermeister von Leipzig: "Eine Atempause täte wohl allen Städten gut. Es ist nicht so sehr das Problem der großen Zahl an Menschen, die kommen. Es ist die Geschwindigkeit, mit der sie kommen. Wir brauchen längere Vorlaufzeiten, um die Unterbringung menschlich und auch im Einklang mit den Nachbarn und der Stadtgesellschaft organisieren zu können."

Bezahlbarer Wohnraum für alle

Für die Finanzierung solcher Wohnungen hoffen die Städte auf Unterstützung von Bund und Ländern. Nur so könne bezahlbarer Wohnungsbau schnell entstehen. Und das sei wichtig, um sowohl Flüchtlingen als auch Einheimischen bezahlbaren Wohnraum zur Verfügung zu stellen und die positive Grundstimmung in der Bevölkerung zu erhalten und zu fördern.

Der Städtetag lobt, dass die Bürger die Flüchtlinge weiterhin willkommen heißen. Es seien aber auch wachsende Sorgen und Ängste spürbar. Städtetags-Vizepräsident Ulrich Maly, Oberbürgermeister von Nürnberg, wirbt dafür "aus dem Krisenmodus in einen geordneten Regelbetrieb zurückzufinden". Wichtig sei dafür auch die Integration der Flüchtlinge.

Musikunterricht an einer Schule in Bayern im Dezember 2015 | Bildquelle: dpa
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Für Flüchtlingskinder ist der Schulunterricht die Chance, im neuen Umfeld Fuß zu fassen.

Integrations- und Sprachkurse

Dazu gehört für den Städtetag ist ein breites Angebot an Sprach- und Integrationskursen für Erwachsene und die gezielte Förderung von Kindern und Jugendlichen in Kindertagesstätten und Schulen. Dadurch könnten die Flüchtlinge dann auch leichter Arbeit finden.

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Wie sehen die Flüchtlingsunterkünfte aus? (Stand: November 2015)

Flüchtlingsunterkünfte: Flüchtlinge warten in Wegscheid auf Grenzübertritt

Ein Bild vom vom 21. November 2015: Flüchtlinge leiden unter Schnee, Sturm und Kälte - hier am Übergang Wegscheid an der bayerisch-österreichischen Grenze. Auch wenn sie in Deutschland angekommen sind, müssen sie oft bei Sturm und Kälte in Zelten ausharren. | Bildquelle: dpa

Dieser Beitrag lief am 29. Dezember 2015 um 18:09 Uhr auf NDR Info.

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