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Neue Modedroge Spice auf dem Vormarsch
Neue Modedroge Spice

Mehr als eine harmlose Kräutermischung

Es wird ganz legal als harmlose Kräutermischung verkauft - ist aber in Wirklichkeit ganz und gar nicht harmlos: Spice, ein esoterischer Räucherduft, kann zu schweren Gesundheitsproblemen führen - wenn er denn wie Cannabis geraucht wird. Und genau das kommt derzeit in Mode.

Von Jasmin Klofta für tagesschau.de

Spice (Foto: dpa) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Spice: Die Kräutermischung ist ganz legal im Handel erhältlich. ]
Es soll den Geist entspannen. Spice heißt die Kräutermischung und steckt in kleinen, bunten Päckchen. Die Tütchen werden als esoterischer Räucherduft verkauft - jedenfalls offiziell.

Jugendliche allerdings interessieren sich aus ganz anderen Gründen dafür: Sie beräuchern damit nicht ihre Zimmer, sondern rauchen das Spice mit Tabak als Joint. Denn die enthaltenden Kräuter wie Blauer Lotus, Helmkraut und Marihuanilla wirken ähnlich wie Cannabis. "Es ist ein bisschen so, als wenn man sich dreht und ganz schnell anhält", sagt eine junge Frau. "Man sieht alles ein bisschen verschwommen und alles ruschelt."

Ein gutes Geschäft...

An Spice ranzukommen ist denkbar einfach. Denn als esoterischer Räucherduft verstößt es gegen kein Gesetz und ist ganz legal im Handel erhältlich - zum Beispiel in einem "Headshop" in Kiel, einem Spezialladen für Wasserpfeifen und Zubehör. Die Nachfrage ist hoch, rund um die Uhr rufen etwa 30 Kunden an. "Gestern hat mich jemand aus Hamburg, 70 Kilometer von uns weg, angerufen, weil Hamburg komplett ausverkauft war", sagt Verkäufer Mario Woywodt. "Er war glücklich zu hören, dass ich noch drei Tüten hier habe. Der hat sich ins Auto gesetzt und mir die letzten drei Tüten abgekauft, der Wahnsinn!" Für die Headshops und Internetanbieter ist es ein gutes Geschäft: Die Gewinnspanne liegt bei 100 Prozent. Die teuerste Variante von Spice wird in Kiel für über 40 Euro verkauft.

Spice ist zwar legal zu kaufen, doch entsteht bei den jungen Menschen dadurch oft das falsche Bild, dass es vorher geprüft wurde und entsprechend harmlos ist. Eine junge Frau aber berichtet von Nebenwirkungen wie Halluzinationen, Übelkeit oder Stimmungsschwankungen: "Man will nur noch schlafen, man will nichts mehr hören, man kriegt von jedem Pieps schon Kopfschmerzen", sagt sie. "Und alles stinkt einem eigentlich, man ist sehr aggressiv, auf alles."

Für andere Konsumenten endete der Spice-Rausch im Krankenhaus. Rettungssanitäter rätselten über die Symptome: Die Herzfrequenz wechselte von schnell zu niedrig, die Pupillen von weit zu eng und mal war der Patient ansprechbar, dann wieder schläfrig - alles im Wechsel, berichtet Tim Tiemann, Leiter des Rettungsdienst-Verbund Stormarn von einem Fall.

Audio: Spice - legale Kräutermischung und Modedroge

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AudioJasmin Klofta, NDR
 13.11.2008 17:23 | 2'58
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... mit einer unbekannten Mischung

Die Ursache dafür liegt in der Kräutermischung: Nach Angaben des Herstellers besteht Spice aus acht Kräutern. Doch trotz dieser überschaubaren Anzahl der Bestandteile wissen die Experten wenig über Spice, sagt Getrud Rochholz, Leiterin des toxikologischen Labors an der Universität Kiel: "Man weiß, dass es eine Mischung von verschiedenen Pflanzeninhaltsstoffen ist, die alle psychoaktive Wirkungen haben. Das heißt, sie lösen Halluzinationen und Empfindungsstörungen aus." Das Problem der Wissenschaftler: Nicht alle der exotischen Kräuter in Spice sind genau erforscht. Aussagen über die Mischung der Kräuter können dann erst recht nicht gemacht werden. Und Nebenwirkungen und Langzeitfolgen sind nicht abschätzbar.  

Spice ist in der Schweiz nicht unbekannt, schon 2006 rauchte dort die Jugend die Kräutermischung. Eine Untersuchung der Uni Zürich ergab, dass kein Wirkstoff von Cannabis enthalten war. Sie fanden aber auch heraus, dass nicht alle Kräuter im Tütchen steckten, die der englische Hersteller angegeben hatte. Spice ist in der Schweiz inzwischen verboten.

Suchtexperten fordern umfassende Aufklärung

In Deutschland dagegen setzt man auf Aufklärung: "Jugendliche kann man schützen, indem man sie darauf hinweist, welche Risiken, welche Gefahren sich in diesen Stoffen befinden", sagt Bernd Heinemann von der Landesstelle für Suchtfragen Schleswig Holstein. Doch wie aufklären, wie informieren, wenn auch die Verantwortlichen wenig wissen. "Von den Politikern fordere ich, anhand dieses Beispiels Spice, an zentraler Stelle schnellstmöglich eine umfassende toxikologische Analyse zu machen", sagt Heinemann. "Die muss verbreitet werden, systematisch."

Denn systematisch ist bislang nur die Produktion, der Vertrieb und der Verkauf von Spice. 13.000 Päckchen monatlich kommen nach Angaben des niederländischen Vertreibers nach Deutschland - mit steigender Tendenz.

Stand: 13.11.2008 19:53 Uhr
 

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