SPD-Konvent: Klartext - von Gertrud Steinbrück

Gertrud Steinbrück und ihr Mann Peer beim Parteikonvent in Berlin (Bildquelle: dpa)

Die SPD im Wahlkampf

Klartext - von Gertrud Steinbrück

Keine 100 Tage sind es noch bis zur Bundestagswahl. Höchste Zeit für die SPD, endlich zum Endspurt im Wahlkampf anzusetzen. Ein Parteikonvent in Berlin sollte das Signal dafür geben. Hier wollten die Genossen öffentlichkeitswirksam ihre Pläne in der Familien-, Arbeits- und Sozialpolitik festzurren. Auch einen gemeinsamen Auftritt von Kanzlerkandidat Peer Steinbrück und seiner Frau Gertrud sollte es geben.

Sigmar Gabriel und Peer Steinbrück beim Parteikonvent in Berlin. (Bildquelle: dpa)
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Zwei, die sich verstehen: Parteichef Gabriel und K-Kandidat Steinbrück in Berlin.

Doch dann wurden die Spannungen zwischen Parteichef Sigmar Gabriel und Steinbrück öffentlich und durchkreuzten die Choreografie der Parteistrategen. Gabriel musste also zunächst erklären, dass alles gar nicht so dramatisch sei zwischen ihm und Steinbrück. Ihre "politische Ehe" sei "sehr lebendig und meistens fröhlich." Zwar gebe es gelegentlich auch Reibereien und auch mal eine Debatte, aber dies sei normal. Wichtig sei jedoch: "Es gibt zwischen uns keine Streitereien", betonte der Parteichef.

Gertrud Steinbrück spricht Klartext

Dann kam der Auftritt von Gertrud Steinbrück. Es war das erste Mal seit der Kanzlerkandidatur ihres Mannes, dass sie im Rampenlicht stand. In dem Podiumsgespräch sprach sie in großer Offenheit über Stärken und Schwächen ihres Mannes. So warf sie ihm vor, von der Entscheidung für seine Kanzlerkandidatur aus den Nachrichten erfahren zu haben. Heute stehe sie aber loyal zu ihm und dieser Kandidatur, auch wenn für sie selbst weiter ihr eigenes Leben und ihr Beruf als Gymnasiallehrerin im Vordergrund stünden.

Steinbrück und Gabriel - "wie in einer Ehe"
A. Fünffinger, ARD Berlin
16.06.2013 16:25 Uhr

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Die Frau des Kanzlerkandidaten beklagte aber auch ihrer Meinung nach unfaire Attacken auf ihren Mann. "Ich halte es nicht aus, wenn ich sehe, dass eigentlich nur das herausgefiltert werden soll aus ihm, was negative Gefühle auslöst." Ihr Mann werde als hart, kantig, unwirsch dargestellt. Oft gehe es nur darum, "wo kann man ihn erwischen". Wie ihr Mann öffentlich beschrieben werde, das sei nicht der Mann, den sie kenne. "Das finde ich schwer zu ertragen." Schließlich müsse man sich mal überlegen, welches Leben er aufgegeben habe.

Eine emotionalere Wahlrede auf ihren Mann wurde wahrscheinlich bislang nicht gehalten. Parteichef Gabriel brachte es hinterher auf den Punkt, als er spaßeshalber zu Gertrud Steinbrück sagte: "Gut, dass Du nicht auf dem Nominierungsparteitag gewesen bist. Dann wärst Du es selbst geworden."

Steinbrück selbst war nach dem Auftritt seiner Frau zeitweise sprachlos und zu Tränen gerührt. Der Kandidat schwieg - minutenlang.

Interne Querelen überschatten SPD-Parteitag
tagesthemen 23:25 Uhr, 16.06.2013, Jochen Graebert, ARD Berlin

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Kostenlose Kitas und flächendeckender Mindestlohn

Über politische Inhalte wurde dann beim Konvent auch noch gesprochen. Einmütig beschlossen wurden Forderungen nach der Abschaffung von Kita-Gebühren zur Entlastung von Eltern sowie nach Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns. Durch die Einführung der Gebührenfreiheit für Kitas sollen Familien nach dem Willen der SPD durchschnittlich 1900 Euro im Jahr einsparen. Insgesamt wollen die Sozialdemokraten schrittweise jährlich 20 Milliarden Euro mehr in Bildung investieren.

Finanzieren will die SPD ihre Pläne über Einsparungen und Mehreinnahmen aus Steuererhöhungen für Vermögende, was insgesamt 35 Milliarden Euro einbringen soll. Der betreffende Antrag, der nach den Worten von Parteichef Gabriel Forderungen des Wahlprogramms "zuspitzt", wurde einmütig beschlossen. Er hob hervor, die SPD und Steinbrück stünden "für eine Ökonomie der Gerechtigkeit".

Kanzlerpräferenz: Merkel vs. Steinbrück im Zeitverlauf
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Bekräftigt wurden die Forderungen nach gesetzlichem Mindestlohn, abschlagsfreier Rente nach 45 Beitragsjahren und gleichem Lohn für Männer und für Frauen. "Wir brauchen einen gesetzlichen Mindestlohn in allen Branchen, ohne Wenn und Aber", sagte der Gewerkschafter Klaus Wiesehügel, der im Kompetenzteam Steinbrücks für Arbeit und Soziales zuständig ist.

In Umfragen kommt die SPD derzeit nur auf 24 bis 27 Prozent - das würde nur für die Juniorrolle in der Großen Koalition reichen. Steinbrück hatte erklärt, dafür nicht zur Verfügung zu stehen. Sein erklärtes Wahlziel ist ein Bündnis von SPD und Grünen.

Stand: 16.06.2013 17:10 Uhr

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