SPD-Wahlkampf: Steinbrück kritisiert Gabriel

Steinbrück Gabriel (Bildquelle: dpa)

Die SPD im Wahlkampf

Szenen einer Ehe

Die SPD ist im Wahlkampf zur Bundestagswahl weiterhin vor allem mit sich selbst beschäftigt: SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück hat von Parteichef Sigmar Gabriel öffentlich mehr Loyalität eingefordert. "Nur eine Bündelung aller Kräfte ermöglicht es der SPD, die Bundesregierung und Frau Merkel abzulösen", sagte Steinbrück dem "Spiegel". Er erwarte deshalb, "dass sich alle - auch der Parteivorsitzende - in den nächsten 100 Tagen konstruktiv und loyal hinter den Spitzenkandidaten und die Kampagne stellen".

Steinbrück kritisierte demnach besonders Gabriels Verhalten bei der Sitzung der Bundestagsfraktion am vergangenen Dienstag. Der Parteichef startete dort laut "Spiegel" eine kritische Diskussion über den Wahlkampf und stellte sich nach dem Empfinden Steinbrücks gegen den Kanzlerkandidaten. "Situationen wie am vergangenen Dienstag in der Fraktion dürfen sich nicht wiederholen", betonte Steinbrück.

Dem Bericht zufolge machte Gabriel in der Sitzung unabgesprochen seinem Unmut über den schleppenden Wahlkampf Luft und forderte die Anwesenden auf, mehr für einen Sieg am 22. September zu geben. In Umfragen liegt die SPD zwischen 24 und 28 Prozent.

"Sehr lebendige Ehe"

Die Spannungen zwischen Steinbrück und Gabriel dürften auch den Parteikonvent belasten, mit dem die SPD heute in die letzten hundert Tage des Wahlkampfs startet. SPD-Chef Gabriel ging in seiner Rede auf die Kritik Steinbrücks ein, wies aber offenen Streit zurück: Ihre "politische Ehe" sei "sehr lebendig und meistens fröhlich". Zwar gebe es "gelegentlich auch Reibereien" und "auch mal eine Debatte", aber dies sei "normal". Wichtig sei jedoch: "Es gibt zwischen uns keine Streitereien".

Häme für die SPD

Auf Twitter und in anderen sozialen Netzwerken wurde die Partei allerdings bereits mit Häme überzogen. Der Buchautor Jens König twitterte, Gabriels Hinweis auf das Wahlkampfmotto "Das Wir entscheidet" sei der Witz des Jahres.

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Der SPD-Bundestagsabgeordnete Lars Klingbeil schrieb in dem Kurznachrichtendienst: "Ich will übrigens die Wahl gewinnen. Nur mal zur Info." Und der SPD-Umweltpolitiker Ulrich Kelber kommentierte: "Frei nach Armageddon (der Film): Ich weiß ja nicht, was ihr macht, aber wir vor Ort sind dabei, einen Wahlkampf zu machen."

Treffen mit "Parteichef Steinberg"

Während die SPD weiter mit sich selbst ringt, steht auch das Treffen von Steinbrück mit US-Präsident Barack Obama kommende Woche in Berlin unter keinem guten Stern. Nach seiner Rede vor dem Brandenburger Tor am Mittwochnachmittag werde der US-Präsident den "Vorsitzenden der Sozialdemokratischen Partei, Mr. Steinberg" treffen, kündigte das Weiße Haus in einer Abschrift des Presse-Briefings vor der Europa-Reise des Präsidenten an.

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Stand: 16.06.2013 13:18 Uhr

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