Seitenueberschrift
SPD und das Steinbrück-Problem
"Nützt ja nix"
Vorwärts mit Steinbrück - irgendwie: Die SPD will keine Zweifel aufkommen lassen, dass sie den Bundestagswahlkampf mit Steinbrück durchziehen wird. Doch in Umfragen geht es für Steinbrück und die SPD eher rückwärts. Bei der Fraktionsklausur gab sich der Kandidat einsichtig.
Von Georg Schwarte, NDR, ARD-Hauptstadtstudio
Ende einer Fraktionsklausur. Der Kanzlerkandidat ist da schon unterwegs Richtung Niedersachsen - zum Wahlkampf machen. Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier muss ran. Und ausgerechnet er, der ehemalige Außenminister, muss erklären, warum Peer Steinbrück jetzt schon laut ARD-Deutschlandtrend unbeliebter ist als der amtierende Außenminister Guido Westerwelle. "Das ist ein Umstand des Tages und zugleich Auftrag, die Dinge zu ändern", sagt Steinmeier.
Die Dinge zu ändern. Gemeint ist die ziemlich miese Stimmung in der Bevölkerung, was den SPD-Kanzlerkandidaten angeht. Warum zieht Steinbrück nicht mehr? Steinmeiers lakonische Antwort Richtung Journalisten: "Das haben Sie uns ja jetzt die ganze Zeit erklärt. Das muss ich Ihnen ja nicht erklären. Wir haben Wahlen in Niedersachsen, die stehen vor der Tür."
Der Problem-Peer? Ende einer SPD-Fraktionsklausur
11.01.2013 16:27 Uhr
Steinbrück - die richtige Wahl?
Zweifellos richtig. Trotzdem, Kanzlerkandidat Steinbrück verfängt bisher nicht. Im Gegenteil. In der Partei sorgen sich bereits manche, ob er der Richtige war. "Gemach", sagt Steinmeier. Gewählt werde ja erstmal in Niedersachsen: "Die Bundestagswahlen sind noch eine Weile hin, und bis dahin haben wir noch einiges zu tun, um uns entsprechend zu präsentieren und um auch dort mit guten Chancen in die Wahlauseinandersetzung der letzten Tage zu gehen."
Hinter verschlossenen Türen hatte zuvor der Kandidat geredet und seine Wahlkampfthemen vorgestellt. Zum Beispiel die Mietpreise. Steinbrück sei einsichtig gewesen, berichtet SPD-Bundestagsabgeordnete Karl Lauterbach. "Er hat anerkannt, dass er Fehler gemacht hat. Das wurde nicht beschönigt. Das sind aber keine großen Fehler gewesen. An der Substanz hat sich ja nichts geändert. Er hat große Kompetenz."
Diese Kompetenz wollen ihm allerdings in den aktuellen Umfragen die Bürger nicht mehr bescheinigen. "Trotzdem schließt die SPD jetzt die Reihen", sagt Lauterbach. Steinbrück sei gesetzt. "Ich fand gut, dass er keine Trefferwirkung gezeigt hat." Er sei bereit, den Kampf aufzunehmen. "Der Wind bläst von vorn, aber da muss man eben ein bisschen mehr Schub geben - und das war seine Einstellung heute", fügte Lauterbach hinzu.
Schub geben - das wollen die Genossen jetzt. Und ist Steinbrück gern Kanzlerkandidat? Steinmeier hätte auch Kanzlerkandidat werden können. Doch Steinmeier zögert nicht mit der Antwort: "Ja."
Eher durch die Blume sagt Steinmeier, dass Steinbrück in einigen Interviews fahrlässig formulierte. "Naja, er hat ja selbst das eine oder andere Mal zu erkennen gegeben, dass im Umgang mit Interviews vorsichtiger zu hantieren ist, um nicht in entsprechende Fallen zu geraten."
Die SPD-Wagenburg ist geschlossen
Nun aber sitzt er erst einmal in der Umfragefalle. Noch stützen ihn alle in der Partei. Die Wagenburg ist geschlossen. Nützt ja nix, so die Haltung von Steinmeier. "Das was jetzt hinter uns liegt, auch was an Berichterstattung hinter uns liegt, kann man nicht rückblickend korrigieren, sondern die Aufgabe ist jetzt, nach vorne hin die Präsentation der SPD deutlich zu verbessern."
Wer wollte, konnte da Unmut heraushören. Aber an der Präsentation der Partei wollen sie jetzt ja arbeiten in der SPD. Im Mai übrigens mit einem Kongress in Hamburg zum Wahlkampfthema: Wohnen.
Steinbrücks Stolpersteine sind das Glück der anderen Parteien
nachtmagazin 00:45 Uhr, 12.01.2013, Lisa Schurr, ARD Berlin
Stand: 11.01.2013 17:45 Uhr
