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Die SPD steht nach dem Superwahljahr 2011 geschlossen da wie lange nicht. "Jetzt geht's nach vorn" in Richtung Regierungsübernahme 2013 heißt die Devise und der Bundesparteitag soll dafür den Startschuss geben. Doch in Sachen Rente und Steuern könnte die Parteilinke für Unruhe sorgen. Und dann stellt sich noch die K-Frage.
Von Robert Kiendl, RB, ARD-Hauptstadtstudio
So richtig berauschend sind die deutschlandweiten Umfragewerte für die SPD nach wie vor nicht, und trotzdem wittern die Genossen Morgenluft. Zwei Jahre nach ihrem bislang schlechtesten Bundestagswahlergebnis heißt ihr ambitioniertes Ziel: Regierungsübernahme 2013 - dafür soll der Parteitag der Startschuss sein.
[Bildunterschrift: SPD-Generalsekretärin Nahles: "Jetzt geht es nach vorn." ]
Kurzum: Die Sozialdemokraten sind wieder da, verkündet Generalsekretärin Andrea Nahles strahlend. Und in ihren Augen ist der ehemalige Dresdener Bahnhof in Berlin-Kreuzberg auch genau der richtige Veranstaltungsort für den Parteitag, obwohl es dort beim letzten Mal, vor einem Jahr, noch ziemliche Probleme gab: "Es tropfte durchs Dach, es gab überall noch Renovierungsbedarf. Jetzt ist das Dach dicht. Ich fand das sehr passend, denn die SPD hatte ja auch Renovierungsbedarf. Doch jetzt geht es nach vorn."
Das Wasser kommt also nicht mehr von oben, dafür haben die Sozialdemokraten Oberwasser. Das Superwahljahr 2011 ist für sie viel besser gelaufen als erwartet. Die grüne Konkurrenz hat ihren Höhenflug beendet, und die schwarz-gelbe Bundesregierung zerfleischt sich mit Vorliebe selbst, während die SPD - zumindest nach außen - so geschlossen daherkommt wie lange nicht mehr.
"Ja, wir sind schon selbstbewusster geworden, weil wir merken, dass die Menschen uns wieder zuhören", meint Nahles. Da fehle noch ein bisschen Vertrauen, manche seien noch skeptisch. Deshalb gebe es noch etwas zu tun. "Aber wir gehen das jetzt mit Schwung an", zeigt sich Nahles optimistisch. "Und jetzt haben wir auch noch eine Parteireform, die schließen wir auf diesem Parteitag ab, wo wir auch sagen: Die alte Tante SPD ist nicht mehr 148 Jahre alt, weil sie sich nie verändert hat, sondern weil sie sich immer wieder verändert."
Wirklich kontroverse Debatten erwartet Nahles auf dem Parteitag eigentlich nur in Sachen Rente und Steuern. Insbesondere die SPD-Linke hatte zuletzt für Unruhe gesorgt, weil sie die sogenannte Reichensteuer beibehalten will, was die Parteispitze wiederum ablehnt.
Am liebsten ganz ausblenden möchten die Chefgenossen die Frage, wer denn nun Kanzlerkandidat wird: Frank-Walter Steinmeier, Sigmar Gabriel oder Peer Steinbrück.
[Bildunterschrift: Peer Steinbrück und Helmut Schmidt bei Günter Jauch ]
Allerdings erweist sich die SPD hier möglicherweise selbst einen Bärendienst. Als ersten lässt sie nämlich ausgerechnet Helmut Schmidt ans Rednerpult. Dabei weiß mittlerweile jedes Kind, dass der fast 93-jährige Altkanzler seinen Ziehsohn, Ex-Finanzminister Steinbrück, als Herausforderer von Angela Merkel sehen möchte.
Für Steinmeier angeblich kein Problem - im Gegenteil: Der SPD-Fraktionschef glaubt, Schmidts erste Parteitagsrede seit über einem Jahrzehnt werde dem Treffen eine "besondere Note" verleihen: "Ich nehme Helmut Schmidt nicht übel, dass er sich für Peer Steinbrück ausspricht, ich selbst schätze Peer Steinbrück. Ich weiß, was er kann. Warum sollte ich darüber traurig sein, dass es in der SPD mehrere gibt, von denen die Öffentlichkeit der Meinung ist, dass sie das Zeug haben, dieses Land zu regieren?", versichert Steinmeier.
Neben den beiden Umfragelieblingen Steinmeier und Steinbrück gehört auch Sigmar Gabriel dazu. Der bullige SPD-Parteichef will am Montag wiedergewählt werden. Andrea Nahles kündigt an, dass er die längste und vielleicht auch beste Rede des Parteitags halten wird.
Ob nun wegen Helmut Schmidt oder der drei möglichen Kanzlerkandidaten, wegen der Sachdebatten, oder einfach nur, weil die SPD wieder so schwer angesagt ist: Insgesamt haben sich rund 7500 Gäste im alten Dresdener Bahnhof angemeldet - bisher absoluter Rekord, frohlockt Generalsekretärin Nahles: "Wir haben doppelt so viele Besucher wie sonst. Wir wissen kaum, wie wir das bewältigen sollen. Aber das ist ein Luxusproblem."
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