Martin Schulz, designierter Kanzlerkandidat | Bildquelle: dpa

Union zum SPD-Umfragehoch "Auf den Rausch wird ein Kater folgen"

Stand: 03.02.2017 16:36 Uhr

"Heiße Luft", "Strohfeuer", "eine Schwalbe macht noch keinen Sommer" - die Union teilt nach den guten Umfragewerten der SPD ordentlich in Richtung Sozialdemokraten aus. Schulz habe noch gar nichts Konkretes gesagt, werde aber schon "als Messias gefeiert".

Die Union betrachtet die gestiegenen Umfragewerte für die Sozialdemokraten nach der Nominierung von Martin Schulz als SPD-Kanzlerkandidat als Momentaufnahme. "Der Kandidat Schulz hat noch überhaupt nichts Konkretes gesagt", sagte CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer dem "Spiegel". "Wenn er konkret werden muss, wird auf den Rausch schnell ein ernüchternder Kater folgen." Schulz sei das "Gesicht einer rot-rot-grünen Linksfront".

Auch die stellvertretende CDU-Vorsitzende Julia Klöckner reagierte gelassen. "Nicht jeder, der als Messias gefeiert wird, ist dann auch einer. Ich bin sicher, dass Herr Schulz noch auf dem Boden der Tatsachen ankommen wird", sagte sie dem SWR.

"Eine andere Platte auflegen"

CSU-Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt sagte, es seien noch acht Monate bis zur Bundestagswahl: "Das ist eine lange Wegstrecke. Da muss Herr Schulz schon noch eine andere Platte auflegen und vor allem klar sagen, was er will." Dies gelte gerade beim Thema innere Sicherheit. Von Schulz seien vor allem Widersprüche zu hören, sagte Hasselfeldt. Einerseits kritisiere er hohe Manager-Boni, andererseits billigten seine eigenen Leute in Niedersachsen eine üppige Abfindung der Volkswagen -Managerin Hohmann-Dennhardt. Ebenso wolle Schulz hart arbeitende Menschen in den Mittelpunkt stellen, spreche sich aber gleichzeitig gegen Steuersenkungen aus. "Ich bin mir sicher: Das Strohfeuer erlischt, wenn es um konkrete Antworten geht."

Schulz, das "Überraschungsei"

CDU-Vize Thomas Strobl sagte: "Für die Menschen im Land ist Schulz ein Überraschungsei - man weiß nicht so recht, was drinnen ist." Der "Schulz-Hype" sei weniger Begeisterung darüber, dass er es mache, sondern vor allem Erleichterung, dass der scheidende SPD-Chef Sigmar Gabriel es nicht mache. CDU-Chefin Angela Merkel sei besonnen, erfahren und klug, und habe damit ein anderes Format als Schulz. "Und das braucht man gerade in diesen Zeiten auf so rauer See", so Strobl. Die wahre Leistung zeige sich nicht im 50-Meter-Sprint, sondern im Dauerlauf.

Zuvor hatte CDU-Generalsekretär Peter Tauber bereits im Berliner "Tagesspiegel" erklärt, dass es nicht ungewöhnlich sei, dass der Kandidat Schulz erst einmal Neugier und Interesse wecke. "Inhaltlich hat er sich bislang nicht festgelegt, zeigt also auch noch keine Angriffsfläche", sagte Tauber der Zeitung. "Das wird er bis zur Wahl aber nicht durchhalten können."

ARD-DeutschlandTrend: Schulz deutlich vor Merkel

Die Nominierung von Schulz als Kanzlerkandidat bescherte der SPD einen Schub in den Umfragen. Im ARD-DeutschlandTrend kamen die Sozialdemokraten auf 28 Prozent - ein Plus von acht Prozentpunkten im Vergleich zum Vormonat. Die Union büßt mit 34 Prozent drei Prozentpunkte ein. Im direkten Vergleich lässt Schulz die Kanzlerin deutlich hinter sich: 50 Prozent würden sich für den SPD-Kandidaten entscheiden, wenn der Bundeskanzler direkt gewählt würde. Dagegen würden nur 34 Prozent für Merkel stimmen.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 02. Februar 2017 um 22:15 Uhr und Inforadio am 03. Februar 2017 um 07:41 Uhr.

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