Olaf Scholz | Bildquelle: HAYOUNG JEON/EPA-EFE/REX/Shutter

Neuer Finanzminister Scholz Zwischen Monotonie und Strategie

Stand: 09.03.2018 16:27 Uhr

Ein kühler Stratege, in der Tonlage oft monoton, in der Sache pragmatisch: Olaf Scholz geht als neuer starker Mann der SPD ins Kabinett. An Selbstbewusstsein mangelt es dem 59-Jährigen nicht.

"Ich sage tschüss - und Sie wissen, das heißt bei uns auf Wiedersehen." Mit diesen Worten verabschiedet sich der Erste Bürgermeister Olaf Scholz von den Hamburgern. Sein Weg führt ihn weg von der politischen Spitze der Hansestadt und als Mitglied der neuen Großen Koalition rauf auf den Chefposten des Bundesfinanzministeriums.

Seine Pläne hätten diesen Wechsel nicht vorgesehen, betont Scholz in seinem offiziellen Abschiedsschreiben, doch "die Weltenläufe sind, wie sie sind" und er drücke sich nicht davor, Verantwortung zu übernehmen.

Kein Mann der großen Worte

Dass er dem neuen Amt gewachsen ist, daran zweifeln weder die eigenen Genossen, noch gegnerische Parteien. Im zähen Ringen um die Neuauflage der GroKo saß Scholz mit am Tisch, als es um Finanzen und Steuern ging - und untermauerte seinen Ruf als klarer, zielstrebiger Verhandler: organisiert, fokussiert, ohne Umschweife.

Ein Mann der ausführlichen Worte geschweige denn der öffentlichen Emotionen war Scholz nie - manch einer mag darin das kühl-norddeutsche vermuten. Schon die Großeltern des heute 59-Jährigen stammten aus dem Hamburger Stadtteil-Altona und auch, wenn Scholz in Osnabrück geboren wurde - groß wurde er ebenfalls in der Hansestadt. Scholz wird nie müde, zu betonen, hier lägen seine Wurzeln, dass er Hamburger durch und durch sei. Hier ging er zur Schule, hier studierte er Rechtswissenschaften, arbeitete später jahrelang als Anwalt für Arbeitsrecht.

Als Gymnasiast in die SPD

Und hier - in Hamburg - mit 17 Jahren trat er in die SPD ein. Er engagiert sich bei den Jusos, wird 1982 deren stellvertretender Bundesvorsitzender. 1994 steigt Scholz dann in den Parteivorstand der Hamburger SPD auf und vier Jahre wird später wird er in den Bundestag gewählt.

Im Jahr 2000 wird Scholz SPD-Landeschef in Hamburg. Für wenige Monate übernimmt er ab Mai 2001 auch die Nachfolge des zurückgetretenen Hamburger Innensenators Hartmuth Wrocklage. Im Amt setzt sich Scholz für harte Schritte gegen Jugend- und Drogenkriminalität ein und beendet den Personalabbau bei der Polizei.

Doch dann kommt der September 2001 - und mit der Bürgerschaftswahl fällt die rote Hochburg Hamburg: Ole von Beust bringt die CDU an die Spitze und sich selbst ins Bürgermeisteramt.

Der "Scholzomat" an Schröders Seite

Scholz hat zu diesem Zeitpunkt längst auch auf Bundesebene festen Fuß gefasst. Unter Bundeskanzler Gerhard Schröder ist er von 2002 bis 2004 Generalsekretär, stärkt Schröder bei der "Agenda 2010" den Rücken.

Scholz Müntefering und Schröder
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Der Parteichef und sein Generalsekretär: Schröder (r.) und Scholz (li.).

Auch hier kann sich Scholz als analytischer Stratege beweisen, doch es ist vor allem der Spitzname "Scholzomat", der aus diesen Jahren haften bleibt. Tritt Scholz vor die Kameras oder ans Rednerpult stimmt zwar die Rhetorik, witzeln die Kritiker des Hanseaten, doch die Worte blieben inhaltsleer und kämen in monotoner Kühle daher. Es fehle das Charisma und der Draht zur Basis der eigenen Partei.

2007 folgt im damaligen Bündnis aus Union und SPD erstmals ein Ministeramt für Scholz - im Arbeitsressort. Und vier Jahre später kann Scholz im Wettbewerb um das Bürgermeisteramt in Hamburg vielleicht gerade mit seiner Unaufgeregtheit punkten, keine Floskeln, keine übertriebene Show. 48,4 Prozent der Stimmen holt Scholz - die absolute Mehrheit für die SPD. Auch 2015 holt Scholz mit der SPD den Wahlsieg, die absolute Mehrheit kann er aber nicht verteidigen. Die Grünen werden Regierungspartner.

G20-Gipfel bringt Scholz ins Kreuzfeuer

Erst der von Gewalt überschattete G20-Gipfel im Juli 2017 warf auch einen Schatten auf den Macher Scholz. Schnell werden Stimmen laut, die ihn auffordern, die Verantwortung für die Krawalle und damit seinen Hut zu übernehmen. Doch Scholz weigert sich. Zwar entschuldigt sich Scholz - doch sein Amt aufgeben? Nur, wenn es bei den Krawallen einen Toten gegeben hätte, ein Zitat, dass Monate nach dem Gipfel die Empörung noch einmal neu hochkochen lässt.

Von der Parteibasis abgestraft

Und auch in der Bundes-SPD bekommt das Scholz Image deftige Dämper ab: Lange wurde er unter der Hand als möglicher Kanzlerkandidat gehandelt und noch immer munkeln Genossen, die langfristigen Pläne des Hamburgers zielen auf Angela Merkels Fußstapfen - Stichwort "Olaf21". Doch bei der vergangenen Bundestagswahl ging schließlich Martin Schulz ins Rennen - und schon während des Wahlkampfes konnte sich Scholz nicht verkneifen, gegen den Kanzlerkandidaten der eigenen Partei zu sticheln. Vor zwei Monaten kam von der Parteibasis die deutliche Abmahnung: Scholz wurde mit gerade einmal 59,2 Prozent der Stimmen als Parteivize bestätigt - der schlechteste Wert aller Parteivizes.

Doch nun steht das Neue an: Vizekanzler, Bundesfinanzminister. Mit "einem weinenden Auge" blickt Scholz noch kurz auf seine Bürgermeister-Zeiten zurück, mit Selbstvertrauen auf die kommende Arbeit im Kabinett. Ohne große Gefühlsduselei, ohne viele Worte - ganz Scholz halt.

Quelle: dpa, NDR

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 09. März 2018 um 14:25 Uhr.

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