SPD Parteitag in Berlin | Bildquelle: REUTERS

Wiederwahl der SPD-Spitze Gabriel abgestraft, Stellvertreter gestärkt

Stand: 11.12.2015 17:29 Uhr

Bei seiner Wiederwahl zum SPD-Chef hat Sigmar Gabriel sein schlechtestes Ergebnis hinnehmen müssen: Lediglich 74,3 Prozent der Delegierten stimmten für ihn. Anders bei der Wahl der stellvertretenden Vorsitzenden und der Generalsekretärin, die allesamt höhere Zustimmungswerte erzielten.

Da musste Sigmar Gabriel kurz innehalten: Als verkündet wurde, 139 Delegierte hätten gegen ihn gestimmt, war klar, es ist ein schlechtes Ergebnis. Bei der Verkündung der Prozentzahl war klar: Es ist sein schlechtestes Ergebnis. Lediglich 74,3 Prozent der Delegierten stimmten für den SPD-Chef, der sich ohne Gegenkandidat zur Wahl stellte. Bei seiner letzten Wahl 2013 war Gabriel noch auf 83,6 Prozent der Delegiertenstimmen gekommen. 2011 waren es noch 91,6 Prozent und 2009 sogar noch 94,2 Prozent.

In der Reaktion auf seine Wahl sagte er, sein Ergebnis werde klar als Abstrafung gewertet werden. "So ist es ja auch", fügte er hinzu. Er verstehe das Ergebnis so: "Jedem ist klar was ich will. Es gibt in der Partei 25 Prozent, die das nicht wollen." Allerdings hätten drei Viertel der Delegierten entschieden, "wo es lang geht - und deshalb nehme ich die Wahl auch an".

Nahles zur Gabriel-Wahl

"Ein bisschen Wind wirft dich nicht um."
(Andrea Nahles zu SPD-Chef Sigmar Gabriel und dessen schwachem Wahlergebnis auf dem Parteitag.)

Gabriel hatte sich in seiner Rede am Vormittag sehr sachlich gezeigt: Mit gedämpftem, zurückgenommenem Ton hatte er die Delegierten des SPD-Parteitags in Berlin angesprochen, es seien schließlich "ernste Zeiten". Angesichts des Ukraine-Konfliktes, der Euro-Krise und vor allem des Krieges in Syrien rief er seine Partei auf, "lieber etwas nachdenklicher zu sein als zu laut".

SPD-Parteitag wählt Gabriel zum neuen alten Chef
tagesthemen 21:45 Uhr, 11.12.2015, Kristin Joachim, ARD Berlin

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Gute Ergebnisse der Stellvertreter

Ganz anders fiel dagegen das Ergebnis für die stellvertretenden Vorsitzenden aus: Fast alle bekamen mehr Zuspruch als noch vor zwei Jahren. Für die Familienministerin Manuela Schwesig sprachen sich 92,2 Prozent der Delegierten aus (2013: 80,1 Prozent). Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft kam auf 91,4 Prozent (2013: 85,5 Prozent) der Delegiertenstimmen und der Landes- und Fraktionschef der hessischen SPD, Thorsten Schäfer-Gümbel, erhielt 88 Prozent (2013: 88,9 Prozent).

Die Migrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özgüz, steigerte ihren Zustimmungswert von 79,9 Prozent im Jahr 2013 auf nun 83,6 Prozent. Olaf Scholz, Hamburgs Erster Bürgermeister, wurde mit 80,2 Prozent als stellvertretender SPD-Vorsitzender wiedergewählt - und damit ebenfalls mit einem besseren Ergebnis als noch vor zwei Jahren (2013: 67,3 Prozent). Der schleswig-holsteinische SPD-Landesvorsitzende Ralf Stegner kam aktuell auf 77,3 Prozent der Delegiertenstimmen (2013: 78,3 Prozent).

Und obwohl SPD-Chef Gabriel die Juristin Katarina Barley als neue Generalsekretärin ausgeguckt hatte, musste sie kein schlechtes Ergebnis einstecken, bekam stattdessen einen Vertrauensvorschuss: Für Barley stimmten 93,0 Prozent der Delegierten. Sie folgt damit auf Yasmin Fahimi, die nicht wieder antrat. Barley sitzt erst seit 2013 im Bundestag und war bislang Justiziarin der SPD-Fraktion.

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Das SPD-Spitzenpersonal

Sigmar Gabriel

Die SPD hat bei ihrem Parteitag in Berlin ihre Führungsmannschaft neu gewählt und dabei nur ihrem Vorsitzenden Sigmar Gabriel einen Denkzettel verpasst. Alle sechs Vize-Vorsitzenden erreichten bessere Ergebnisse als Gabriel, der nur 74,3 Prozent der Stimmen bekam. Wer was ist und bleiben will - eine Übersicht. | Bildquelle: REUTERS

Zurück im analogen Zeitalter

Vor der Wahl der Parteispitze mussten zunächst ganz andere Hürden beseitigt werden: Schließlich wollte sich die SPD - passend zum Parteiprogramm - auch selbst auf dem Parteitag schon ganz modernund digital darstellen und die Abstimmung per Tablet durchführen. Versuch Nummer eins bei der Abstimmung über den Parteivorsitz war allerdings trotz vieler Versuche wegen technischer Probleme gescheitert. Die Rückkehr zum analogen Stimmzettel war aber für den Notfall offenbar eingeplant, die Zettel waren zur Sicherheit vorbereitet.

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