Sigmar Gabriel | Bildquelle: REUTERS

SPD-Chef Gabriel vor Wiederwahl Diesmal mehr als 83,6 Prozent?

Stand: 11.12.2015 02:02 Uhr

Beim Tonfall liegt Sigmar Gabriel schon mal daneben - und in Meinungsumfragen liegt er klar hinter Frank-Walter Steinmeier. Trotzdem gehen auch seine Kritiker davon aus, dass Gabriel heute mit einem guten Ergebnis zum SPD-Chef wiedergewählt wird.

Von Angela Ulrich, rbb, ARD-Hauptstadtstudio

Sigmar Gabriel kann ein richtiger Raufbold sein - vor allem in Interviews: "Ich finde Ihre Frage total merkwürdig. Nichts von dem, was Sie sagen, ist richtig, Frau Schausten - entschuldigen Sie, dass ich das in voller Klarheit sage!" Volle Breitseite gegen die ZDF-Frau, so geschehen Mitte Oktober.

Der SPD-Parteichef scheint das manchmal zu genießen. Unbeherrscht, klagen hingegen sogar Parteifreunde. Sie rechnen Gabriel hoch an, die Partei geeint und die Mitglieder begeistert zu haben, als es 2013 darum ging: rein in die Große Koalition oder nicht. Aber dann immer wieder diese Rauflust.

Gabriel tut einiges dafür, sein Bild zu verändern

Und doch werde Gabriel viel Rückhalt bekommen bei der Vorstandswahl auf dem Bundesparteitag, sagt der Berliner Landesvorsitzende Jan Stöß - als Parteilinker ein häufiger Kritiker des SPD-Chefs. "Angesichts der großen Schwierigkeiten, die wir in unserem Land haben und die wir weltweit haben, führt das dazu, dass der Parteitag in großer Geschlossenheit auch die Personalentscheidungen treffen wird - ich rechne mit einem guten Ergebnis für den Parteichef."

Dass Herausforderungen und Bedrohungen von außen zusammenschweißen, ist das eine. Aber seit ein paar Monaten tut Sigmar Gabriel auch einiges dafür, sein Bild zu verändern, weicher zu werden. Nach den Terroranschlägen von Paris reiste er mit Familie zu Präsident François Hollande in den Elysée-Palast, um Deutschlands Mitgefühl zu übermitteln. "Ich habe meine Frau und meine Tochter mitgebracht, auch um zu zeigen, dass es nicht nur eine politische Angelegenheit ist, sondern dass es uns Deutsche auch ganz persönlich bewegt, was hier passiert ist und dass wir zusammenstehen wollen", so der SPD-Chef damals.

Eine klare Rollenverteilung

Gabriel und Steinmeier | Bildquelle: REUTERS
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In Meinungsumfragen führt Außenminister Steinmeier, was Gabriel lächelnd ignoriert.

Gabriel lädt Journalisten zu sich nach Goslar ein, wo er weiter versucht, die kleine Tochter mittwochs von der Kita abzuholen. Er ignoriert lächelnd, dass in den Meinungsumfragen ein anderer Sozialdemokrat ganz oben steht: Frank-Walter Steinmeier, der Bundesaußenminister.

Richtig so, kein Grund zur Panik für Gabriel, meint SPD-Vorstand Stöß. Die Rollenverteilung in der SPD sei klar. "Es ist doch gut, dass wir einen großartigen Außenminister haben, der in dieser schwierigen Zeit für Deutschland eine richtig gute Rolle spielt. Aber es ist auch klar, dass wir einen Parteivorsitzenden Sigmar Gabriel haben, der ganz klar die Nummer Eins ist."

Die Jungsozialisten stänkern jedoch gegen den Parteichef, der sich auf ihrem Kongress vor einer Woche nicht blicken ließ. Höchstens ein "ausreichend" will Juso-Chefin Johanna Ueckermann Gabriel geben, bei dem sie einiges vermisst. "Wir müssen als SPD mehr Haltung zeigen, und Mut voranzugehen, gerade in der Asyl- und Migrationspolitik", sagt Ueckermann.

Bundesparteitag: SPD will Profil schärfen
nachtmagazin 00:00 Uhr, 11.12.2015, Jan Koch, ARD Berlin

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"Die Union macht Angst, was Flüchtlingspolitik angeht"

Bereits gestern hatte die SPD auf ihrem Parteitag ein Konzept zur Integrations- und Flüchtlingspolitik beschlossen. Dabei pocht sie auf ein Einwanderungsgesetz, was der Koalitionspartner Union skeptisch sieht. Schutz und Hilfe müssen sein, darauf versucht Gabriel seine Partei einzuschwören - individuelles Recht auf Asyl einerseits und kontrollierte Einwanderung auch durch Kontingente.

Wenn man jetzt zusammenstehe, gehe es auch in den Umfragen wieder hoch, ist SPD-Vize Ralf Stegner überzeugt. "Die Union macht Angst, was das Thema Flüchtlingspolitik angeht. Wir werben dafür, welche Chancen in der Integrationspolitik liegen. Da müssen wir präsent sein, und der Wahlkampf kommt dann früh genug. Die SPD wird kämpfen und dann wird sie es auch tun!“ Und zwar mit einem Sigmar Gabriel an der Spitze.

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