Martin Schulz und Olaf Scholz | Bildquelle: dpa

Wer wird was in der GroKo? Das Personalkarussell kommt in Gang

Stand: 25.01.2018 00:23 Uhr

Es geht um Martin Schulz, aber es geht auch um das Finanzministerium. In der SPD wird spekuliert, wer in einer neuen Regierung was werden könnte. Dabei fällt auch der Name Scholz.

Von Jörg Seisselberg, ARD-Hauptstadtstudio

Mit Beginn der Koalitionsverhandlungen wird es ernst. Wenn über die künftigen Inhalte in einzelnen Themenbereichen gerungen wird, spielt bei allen Parteien im Hinterkopf auch die Frage eine Rolle: Wer wird die entsprechenden Ressorts künftig leiten?

In der SPD diskutieren einige schon offen eine sehr prominente Personalie: die Frage, ob in der künftigen Regierung auch Martin Schulz mit am Tisch sitzen darf. Thüringens designierter SPD-Landeschef Wolfgang Tiefensee erinnert seinen Parteivorsitzenden daran, dass Glaubwürdigkeit im normalen Leben, aber auch für eine Partei "ein sehr hohes Gut" sei.

Das ist ein spitzer Hinweis auf Schulz' Ankündigung nach der Bundestagswahl, er werde nicht Minister einer Großen Koalition werden. Der SPD-Chef sagte damals: "Ganz klar, in eine Regierung von Angela Merkel werde ich nicht eintreten."

Martin Schulz vor einer Statue Willy Brandts | Bildquelle: dpa
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Am Tag nach der Wahl gab Schulz ein Versprechen ab, dass ihn nun einholt.

Beim Verzicht soll es bleiben

Dieses Wort, fordert Parteifreund Tiefensee, müsse gehalten werden. Er wünsche sich von Schulz, dass er diese Entscheidung "aufrecht erhält und glaubwürdig zum Ausdruck bringt: 'Ich stehe zu dieser Aussage'."

Auch Bundes-Vorstandsmitglieder haben Schulz unmittelbar vor dem Parteitag in Bonn gedrängt, seinen angekündigten Verzicht auf ein Ministeramt öffentlich zu bestätigen. Aus dem Umfeld des Parteichefs dagegen heißt es: Schulz werde sich jetzt nicht festlegen - auch weil dies automatisch die Schleusen für eine Diskussion öffnen würde, wer dann gegebenenfalls statt Schulz die starke SPD-Figur in der künftigen GroKo wäre.

Der Parteichef selbst sagt, derzeit gelte die ganze Konzentration der Frage, ob eine Regierung gebildet werden könne. Und: "Personalfragen entscheidet man in der Regel, wenn das Projekt steht."

Gabriel darf hoffen

Wieder im Spiel scheint Sigmar Gabriel, auch wenn er sich in den Fraktionssitzungen seit einiger Zeit demonstrativ demütig in die hinteren Reihen der niedersächsischen Landesgruppe setzt. Aber selbst von seinen notorischen Gegnern in der SPD - und davon gibt es viele - heißt es neuerdings: Man könne in einer neuen Großen Koalition den derzeit beliebtesten sozialdemokratischen Politiker nicht außen vorlassen.

Immerhin: Im Gegensatz zu den Sondierungen, darf Gabriel jetzt in den Koalitionsgesprächen wieder mit an den Verhandlungstisch - und von einer Weiterbeschäftigung als Außenminister träumen.

Sigmar Gabriel | Bildquelle: dpa
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Gabriel darf in den Koalitionsgesprächen wieder mit an den Verhandlungstisch.

Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz | Bildquelle: dpa
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Als erster Kandidat der SPD für den Job des Finanzministers gilt Olaf Scholz.

Es geht um das Finanzministerium

Der eigentliche Ressort-Skalp aber, den sich die Sozialdemokraten in den wahrscheinlich morgen beginnenden Koalitionsverhandlungen sichern wollen, ist das Finanzministerium. Eines der einflussreichsten Vorstandsmitglieder sagte am Rande des Parteitags in Bonn: Die SPD wolle eine andere Europapolitik, dafür sei kein anderes Ressort so wichtig wie das Finanzministerium.

Als erster Kandidat der SPD für diesen Job gilt der Mann, der seit Jahren die großen Finanzthemen für die SPD-Länder mit Angela Merkel verhandelt: Olaf Scholz. Als Zugabe könnte er noch den Titel Vize-Kanzler bekommen - das wäre ausreichend Grund, Hamburg den Rücken zu kehren.

Neue Gesichter gesucht

Wer sonst noch auf der Kabinett-Shortlist der Sozialdemokraten steht? Andrea Nahles hat verzichtet, Katharina Barley und Heiko Maas gelten als gesetzt. Weitere Frauen werden gesucht, gute Chancen hat die Innenexpertin Eva Högl. Für das Bildungsministerium wäre Hubertus Heil ein Kandidat.

Und neue Gesichter sollen her: Manch einer in der Partei bedauert, dass zwei der hoffnungsvollsten SPD-Talente, Lars Klingbeil und Carsten Schneider, von Schulz bereits auf andere Jobs gesetzt wurden. Vor der Ressortverteilung aber steht die Arbeit: Wohl alle SPD-Ministerkandidaten werden zum Verhandlungsteam gehören - das nach der heutigen Klausur dann in die Koalitionsgespräche mit der Union geht.

Wer in der SPD wird was in einer künftigen GroKo?
Jörg Seisselberg, ARD Berlin
25.01.2018 05:39 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 25. Januar 2018 um 06:30 Uhr.

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