Die neue Bundesfamilienministerin Franziska Giffey | Bildquelle: dpa

Franziska Giffey Von Neukölln ins Ministerium

Stand: 09.03.2018 10:33 Uhr

Er dürfte für Franziska Giffey selbst eine Überraschung gewesen sein - der Sprung von der Berliner Bezirksbürgermeisterin zur Bundesfamilienministerin. Doch die SPD hat sie überzeugt - mit Zielstrebigkeit und Offenheit.

Von Nina Amin, ARD-Hauptstadtstudio

Von ihrem Amtssitz im Neuköllner Rathaus hat Franziska Giffey einen weiten Blick über ihren Bezirk, viel wichtiger ist es der 39-jährigen Berliner Bezirksbürgermeisterin aber, mit den Neuköllnern ins Gespräch zu kommen.

"Das bedeutet, dass man eben nicht nur am Schreibtisch arbeiten kann, sondern man muss vor Ort sein, man muss mit den Menschen reden und die Leute müssen merken, dass man sich um ihre Probleme kümmert. Das ist der Anspruch, den ich habe. Wenn man das schafft, ist schon viel erreicht."

Mit Überraschungseffekt gegen Vorurteile

Seit mehr als 15 Jahren ist die SPD-Politikern in Neukölln unterwegs: Erst als Europabeauftragte, dann als Bezirksstadträtin für Bildung und schließlich seit knapp drei Jahren als Bezirksbürgermeisterin.

Für Giffey, die in Frankfurt/Oder geboren wurde und im brandenburgischen Fürstenwalde das Abitur machte, ist Neukölln mit seinen mehr als 300.000 Einwohnern viel mehr als der oft beschriebene Problembezirk: "Ich beschreibe meinen Bezirk nicht als Ghetto, wie er manchmal gesehen wird. Manche Gäste, die nach Berlin kommen, haben so ein Bild von Neukölln im Kopf und dann ist es meine Aufgabe, die auch zu überraschen und ihnen die Seiten von Neukölln zu zeigen, mit denen sie gar nicht gerechnet haben."

1/9

Die SPD-Ministerinnen und Minister im GroKo-Kabinett

Minister SPD

Die SPD-Ministerinnen und Minister im neuen Kabinett im Überblick | Bildquelle: tagesschau

Klare Methoden, ehrliche Worte

Trotzdem: Probleme in ihrem Bezirk klar zu benennen, gehört auch zu der stets optimistisch wirkenden Giffey. Bildung so früh wie möglich, dafür setzt sich die Mutter eines Grundschulkindes, die eigentlich Lehrerin werden wollte, zielstrebig ein. Kommt das Kind nicht zur Schule, kommt das Kindergeld nicht aufs Konto - das sei ihrer Meinung nach der richtige Umgang mit Eltern, die ihre Kinder nicht in die Schule schicken.

Auch beim Thema Kriminalität bezieht sie als Bezirksbürgermeisterin klare Positionen: "Wir müssen bestimmte Dinge sagen. Wir müssen sagen, dass leider ein großer Teil unserer Intensivtäter, ob das im Jugend- oder im Erwachsenenbereich liegt, doch aus dem arabischen Milieu kommen. Da kann man sagen, das darf man nicht sagen - und ich sage Ihnen, wir müssen es sagen, und wir müssen uns darum kümmern."

Giffey sucht Nähe zu den Menschen

Kümmern heißt für Giffey eben auch immer nah bei den Menschen sein. Seit vergangenem Herbst hat Neukölln als erster Berliner Bezirk einen Staatsanwalt vor Ort. Ein Pilotprojekt, auf das die junge Politikerin mit einem Diplom in Verwaltungswirtschaft, einem Master für Europäisches Verwaltungsmanagement und einem Doktortitel in Politikwissenschaft stolz ist: "Ein Staatsanwalt, der mit uns unterwegs ist, mit den Leuten vom Abschnitt, mit dem Ordnungsamt, mit unserem Jugendamt, mit der Jugendgerichtshilfe. Der Bescheid weiß, wo die schwierigen Stellen im Bezirk sind, der sich vor Ort auskennt und auch mal eine Nachttour mitmacht und sieht, was problematisch ist."

"Neukölln ist überall" - so heißt der Titel eines Bestsellers von Giffeys Amtsvorgänger Heinz Buschkowsky. Wenn der Titel auch nur annähernd stimmt, wäre Giffey für einen Posten als Ministerin bestens vorbereitet.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 09. März 2018 um 08:28 Uhr.

Darstellung: