SPD-Chefin Andrea Nahles steht vor einem Boot | Bildquelle: dpa

SPD-Fehleranalyse "Es fehlte ein klarer Kurs"

Stand: 11.06.2018 12:01 Uhr

Die SPD will aus den Fehlern vergangener Wahlkämpfe lernen. Parteichefin Nahles kündigte klarere Positionen, etwa in der Flüchtlingsfrage an. Auch soll die Kanzlerkandidatenfrage früher geklärt werden.

Als eine Konsequenz aus den Debakeln bei den Bundestagswahlen seit 2009 will die SPD ihre Kanzlerkandidaten früher nominieren, um sich besser für den Wahlkampf aufzustellen. "Wir wollen die Spitzenkandidatur früher und geordneter klären als das bisher der Fall gewesen ist", sagte Parteichefin Andrea Nahles vor Journalisten in Berlin. Die SPD habe "mehr als einmal denselben Fehler gemacht".

SPD "nicht kampagnenfähig"

Die SPD hatte eine Beratergruppe mit einer Fehleranalyse beauftragt, die heute dem Vorstand vorgelegt wurde und zu der im Laufe des Tages eine Pressekonferenz stattfinden soll. In der Analyse heißt es, die lange offen gelassene Kandidatenfrage sei ein Kardinalfehler gewesen. Die SPD sei außerdem nicht kampagnenfähig und es sei nicht erkennbar gewesen, wofür die Partei stehe.

Nahles kündigte eine Klärung der sehr unterschiedlichen Positionen an, zum Beispiel in der Flüchtlingspolitik, wo Teile der Partei für weiterhin offene Grenzen sind und andere eine Begrenzung fordern, damit die AfD nicht noch mehr an Zulauf gewinnt. "Es fehlte ein klarer Kurs", so Nahles.

Schulz spät nominiert

Bei der Bundestagswahl im September 2017 war die SPD auf gut 20 Prozent abgestürzt. Die Kanzlerkandidatur von Martin Schulz war erst im Januar des Jahres knapp acht Monate vor dem Wahltermin durch den Verzicht von SPD-Chef Sigmar Gabriel geklärt worden.

Martin Schulz tritt ab | Bildquelle: AFP
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Martin Schulz nach seinem Rücktritt als SPD-Vorsitzender

Bei den Bundestagswahlen 2009 und 2013 wurde der Kanzlerkandidat etwa ein Jahr vor der Wahl ohne lange Vorbereitung des jeweiligen Spitzenkandidaten ausgerufen. Bisher hatte es in der SPD stets geheißen, wenn der Kanzlerkandidat zu früh benannt werde, werde er schon vor der heißen Phase des Wahlkampfes "verschlissen".

In Parteikreisen wurde zuletzt das Jahr 2019 für eine mögliche Klärung der Kandidatenfrage genannt - um einen Wahlkampf vernünftig vorzubereiten, womöglich auch ausgelagert aus dem Willy-Brandt-Haus. Neben Nahles gilt bisher vor allem Vizekanzler und Finanzminister Olaf Scholz als denkbare Option.

SPD: Eine Analyse des Wahlkampfs
Evi Seibert, ARD Berlin
11.06.2018 13:04 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 11. Juni 2018 um 06:15 Uhr.

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