Luftloser Luftballon mit SPD-Aufdruck | Bildquelle: dpa

SPD präsentiert Wahlanalyse Was lief schief bei den Genossen?

Stand: 11.06.2018 02:21 Uhr

Nach dem desaströsen Ergebnis bei der Bundestagswahl hatte die SPD-Spitze ein Team mit der Ursachenforschung beauftragt. Was lief schief bei den Genossen? Heute werden die Erkenntnisse präsentiert.

Von Angela Ulrich, ARD-Hauptstadtstudio

Es ist der Tag nach der großen Wahlklatsche. Martin Schulz, damals noch SPD-Chef, lässt am 25. September 2017 keinen Zweifel, dass es so nicht weitergeht: "Wir werden nicht so einfach zur Tagesordnung übergehen", verspricht er. "Eine herbe Wahlniederlage wie die gestrige braucht eine umfassende Aufarbeitung. Wir haben dazu in der Parteiführung die ersten notwendigen Schritte vereinbart."

Die Parteispitze beauftragt ein kleines Team - fünf Leute - mit der Ursachenforschung. Darunter der frühere Spiegel-Journalist Horand Knaup, der Wahlkampf-Stratege Frank Stauss und der SPD-Europawahlkampfleiter Michael Rüther. "Wir haben bisher nie richtig nachgebohrt, was schief gelaufen ist", gibt Schulz damals zu:

"Die Niederlagen, die wir sowohl 2009 als auch 2013 erlitten haben, haben wir nicht ausreichend aufgearbeitet. Wir dürfen die Fehler, die gemacht worden sind, nicht wiederholen."

Martin Schulz tritt ab | Bildquelle: AFP
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13.2.2018: Martin Schulz gibt auch den SPD-Vorsitz ab.

Die Sturzgeburt des Kanzlerkandidaten

Ein Fehler ist sofort ziemlich klar: Die Sturzgeburt des Kanzlerkandidaten. Spät, und dann völlig überraschend, überlässt der damalige SPD-Chef Sigmar Gabriel die Spitzenkandidatur dem in Deutschland nur mittelmäßig bekannten Europapolitiker Schulz. Die Öffentlichkeit, auch die SPD-Fraktion, erfährt das aus einem "Stern"-Interview. Sogar Fraktionschef Thomas Oppermann ist perplex und ringt um Worte gegenüber den Abgeordneten und Journalisten: "Ich bitte um Verständnis, dass ich zu Beginn der Fraktionssitzung Ihnen nicht mehr sagen konnte."

Gabriel selbst erklärt unter der Figur des Willy Brandt in der SPD-Parteizentrale zwar, das ihm der Verzicht schwer gefallen sei: "Natürlich gibt es Ambitionen und Leidenschaften bei jedem Politiker, auch bei mir. Und natürlich ist das keine einfache Entscheidung gewesen." Aber Martin Schulz habe einfach die besseren Chancen.

Das Ergebnis wird nicht lustig für die Partei

Damals vielleicht - doch der Schulz-Hype katapultiert die SPD nur sehr kurzfristig auf sagenhafte 30 Prozent in den Umfragen. Dann geht es wieder steil bergab. Es gab keine maßgeschneiderte Kampagne für Schulz, keine echte Botschaft der SPD - das könnten einige der Ergebnisse der parteiinternen Aufarbeitung werden. Der Parteivorstand bekommt die Analyse heute erstmals zu Gesicht, dann auch die Öffentlichkeit.

Was noch falsch lief und was die SPD dann damit macht? Noch unklar. Wir konnten völlig frei arbeiten und das Ergebnis wird nicht lustig für die Partei, hieß es aus dem Aufarbeitungs-Team. Dass die Erneuerung nun her muss, macht SPD-Parteichefin Andrea Nahles immer wieder klar:

"Wir sind mitten am Beginn eines Weges. Ich möchte, dass die SPD wieder die Kraft wird für den solidarischen Zusammenhalt unseres Landes. Dafür müssen wir auch Positionen klären."

Kevin Kühnert | Bildquelle: REUTERS
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Kühnert kämpft für eine Erneuerung der Partei.

Dazu hat Nahles auch den SPD-Senkrechtstarter, Juso-Chef Kevin Kühnert, in eine der Arbeitsgruppen eingebunden. Kühnert sieht das als Chance: "Wenn wir es gut machen, dann haben wir die Möglichkeit, die SPD in die nächste Epoche hineinzuführen. Viel schöner kann ich mir politische Arbeit nicht vorstellen."

Aber noch ist die Partei weit entfernt davon. In den Umfragen ist sie sogar noch deutlich unter das letzte Wahlergebnis gerutscht. Das kann ein Grund zur Resignation sein - genauso aber auch ein Ansporn, aus der Fehleranalyse etwas zu lernen.

SPD arbeitet Wahlschlappen auf - parteiinterne Fehler-Analyse
Angela Ulrich, ARD Berlin
10.06.2018 23:54 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 11. Juni 2018 um 06:15 Uhr.

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Angela Ulrich, RBB

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