Lothar Späth | Bildquelle: imago/Martin Wagenhan

Trauer um CDU-Politiker Lothar Späth ist tot

Stand: 18.03.2016 13:21 Uhr

Der baden-württembergische Ex-Ministerpräsident Lothar Späth ist im Alter von 78 Jahren gestorben. Als Regierungschef hatte er das Bundesland auf wirtschaftlichen Erfolgskurs geführt. Das brachte ihm den Spitznamen "Cleverle" ein. Wegen einer Korruptionsaffäre musste er 1991 zurücktreten.

Der baden-württembergische Ex-Ministerpräsident Lothar Späth ist tot. Er starb im Alter von 78 Jahren. Das bestätigte die Landesregierung in Stuttgart.

Späth lebte nach Angaben seiner Familie in einem Pflegeheim und war dort vor einigen Tagen erkrankt.

Lothar Späth im Alter von 78 Jahren gestorben
tagesschau 20:00 Uhr, 18.03.2016, Martin Schmidt, SWR

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Spitzname "Cleverle"

Der CDU-Politiker trat 1978 die Nachfolge von Hans Filbinger als Ministerpräsident von Baden-Württemberg an. Der Schwabe war damals der jüngste Regierungschef. Sein Vorgänger Filbinger war über seine Vergangenheit als NS-Marinerichter gestolpert. Bei den Landtagswahlen 1980, 1984 und 1988 konnte Späth dann die absolute Mehrheit der CDU im Südwesten verteidigen. In Baden-Württemberg trieb er den Strukturwandel des Bundeslandes voran, nahm dafür aber eine hohe Verschuldung in Kauf. Nicht zuletzt der wirtschaftliche Aufschwung brachte ihm den Spitznamen "Cleverle" ein.

Widersacher Helmut Kohls

Späth war während seiner Amtszeit als Regierungschef auch immer wieder auf der bundespolitischen Bühne aktiv. Er wurde in der Union damals auch als mögliche Alternative zu Kanzler Helmut Kohl gehandelt und galt als Anführer der parteiinternen Opposition. 1989 wurde er dafür beim Bundesparteitag abgestraft und schaffte nicht den Wiedereinzug in das CDU-Präsidium.

1991 musste Späth dann im Zuge der sogenannten "Traumschiff-Affäre" als Ministerpräsident zurücktreten. Der Vorwurf: Er habe sich Urlaubsreisen und Flüge von Unternehmen bezahlen lassen. Im anschließenden Untersuchungsausschuss wies er einen Zusammenhang zwischen etwa 500 Reisen auf Firmenkosten und möglichen politischen Gefälligkeiten zurück.

Lothar Späth (rechts) 1979 als Ministerpräsident von Baden-Württemberg | Bildquelle: dpa
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Lothar Späth (rechts) 1979 als Ministerpräsident von Baden-Württemberg

Auch nach seinem Ausscheiden aus der Politik war er in der Öffentlichkeit und der Wirtschaft aktiv. In Thüringen hatte Späth sich mit dem Umbau und der Sanierung von Jenoptik befasst. Auch mit einer eigenen Talksendung blieb er in den Schlagzeilen. Seit einigen Jahren äußerte er sich nicht mehr öffentlich und zog sich ins Privatleben zurück.

Politiker würdigen Späth

Politiker mehrerer Parteien würdigten die Verdienste von Späth. Unionsfraktionschef Kauder sagte, seine Kreativität und seine Ideen hätten die Wirtschaft beflügelt und damit dem Wohl aller Menschen gedient. Der frühere baden-württembergische Ministerpräsident und jetzige EU-Kommissar Günther Oettinger, teilte auf Twitter mit: "Lothar Späth war in meinem Leben einer meiner wichtigsten Ratgeber. Deutschland verliert eine herausragende Persönlichkeit."

Auch die Landesspitzen von SPD und FDP drückten ihre Trauer aus. SPD-Landeschef Nils Schmid, der auch Wirtschaftsminister ist, sagte, Späth habe die Weichen dafür gestellt, dass Baden-Württemberg zum Innovationsland Nummer eins werden konnte.

Bundesrat erinnert an Verstorbenen

Der Bundesrat gedachte Späth in seiner aktuellen Sitzung. Dieser habe sich "großartige Verdienste" um sein Bundesland erworben, sagte Bundesratspräsident Stanislaw Tillich. Auch beim Aufbau der ostdeutschen Bundesländer sei man ihm "zu großem Dank verpflichtet", das gelte für Sachsen, aber auch für Thüringen und das Unternehmen Jenoptik, sagte der CDU-Politiker. "Wir teilen die Trauer der Angehörigen um Lothar Späth." Er sei "ein großartiger Politiker der Bundesrepublik Deutschland" gewesen.

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