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29.05.2012

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"Slutwalks"-Märsche in Deutschland
"Slutwalks" in Deutschland

Aufstand der selbsternannten "Schlampen"

Die Frauen tragen absichtlich besonders kurze Röcken und tiefe Dekolletés. Mit ihrer Kleidung unterstreichen sie ihren Protest gegen Sexismus, die Verharmlosung von sexueller Gewalt und Schuldzuweisung an die Opfer. In 13 deutschen Städten waren Frauen heute aufgerufen, an den "Slutwalks" (Schlampenmärschen) teilzunehmen.

"Slutwalk" (Foto: dpa) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Demos für mehr Selbstbestimmung: In zahlreichen deutschen Städten gingen heute Frauen auf die Straße. ]

In Berlin demonstrierten etwa 1000 Teilnehmerinnen für ihr "Recht auf Selbstbestimmung hinsichtlich Körper, Geschlecht und sexuellem Begehren", wie es in dem im Internet veröffentlichten Aufruf zu der Demonstration heißt. In Frankfurt am Main kamen rund 200 selbst ernannte Schlampen zusammen. Beim "Slutwalk" durch das Frankfurter Bahnhofsviertel trugen sie Transparente, unter anderem mit der Aufschrift "Die Würde der Schlampe ist unantastbar" und "Hübsch, sinnlich, sexy - aber ich will keinen Sex". In Hamburg und Frankfurt gingen gut je 250 Menschen auf die Straße. Auf Plakaten stand etwa: "Sag nein zu Gewalt gegen Frauen" oder "Mein Rock hat nichts mit dir zu tun".

"Vergewaltigungsmythos Teil des gesellschaftlichen Sexismus"

In der Hauptstadt zogen auch zahlreiche Männer mit den Frauen durch die Stadt. Die Grüne Jugend Berlin etwa zeigte sich solidarisch mit den Demonstrantinnen. Dass Frauen durch sexy Kleidung sexuelle Gewalt provozierten, sei ein "Vergewaltigungsmythos" und Ausdruck eines "in unserer Gesellschaft bestehenden Sexismus", sagte der genderpolitische Sprecher, Jan Schnorrenberg. Er nannte die positive Besetzung des Wortes "Schlampe", wie sie die Slutwalks anstrebten, ein "lobenswertes Ziel".

Stein des Anstoßes - Äußerung eines kanadischen Polizisten

Auslöser der Bewegung, die sich von Kanada über die USA mittlerweile weltweit ausgebreitet hat, war die Äußerung eines kanadischen Polizisten. Vor gut vier Monaten riet er bei einer Universitätsveranstaltung: "Frauen sollten sich nicht wie 'Schlampen' anziehen, wenn sie nicht Opfer sexueller Gewalt werden wollen".

Slutwalks:

Der erste Slutwalk weltweit in Toronto (Foto: dpa)
Der erste Slutwalk fand am 3. April dieses Jahres im kanadischen Toronto statt. Auslöser war zuvor eine Veranstaltung an der juristischen Fakultät zur Sicherheit auf dem Campus. Torontoer Polizeibeamte gaben den Studenten und Studentinnen "Sicherheitstipps". Einer davon war, dass die jungen Frauen sich nicht wie "Schlampen" kleiden sollen - so könnten sie sexuelle Belästigung vermeiden. Grundgedanke des daraufhin als Protest organisierten Slutwalks war, dass an Vergewaltigung und anderen sexuellen Übergriffen nie das Opfer Schuld trägt - auch nicht durch die Art der Kleidung, den Aufenthaltsort oder die Uhrzeit. Den Protesten haben sich mittlerweile Frauen und Männer weltweit angeschlossen. "Slutwalks" fanden bisher unter anderem in Brasilien, Indien, Südkorea, Australien und vielen anderen Ländern statt.
 
Stand: 13.08.2011 18:06 Uhr
 

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