Polizisten am Kölner Hauptbahnhof | Bildquelle: dpa

Silvester-Übergriffe in Köln Polizei sucht weiter nach Tätern

Stand: 07.01.2016 05:45 Uhr

Mehr als 100 Anzeigen in Köln, 53 in Hamburg, mehrere Tatverdächtige, zwei Männer in U-Haft: Das sind die aktuellen Zahlen zu den Übergriffen in der Silvesternacht. Außerdem: Erste Touristen stornieren ihre Reise nach Köln und die Politik diskutiert über Ausweisungen.

Nach den Übergriffen auf Frauen vor dem Kölner Bahnhof in der Silvesternacht sucht die in der Kritik stehende Kölner Polizei dringend erste Fahndungserfolge. Sie ruft Zeugen und Geschädigte auf, sich zu melden. Nach Angaben des nordrhein-westfälischen Innenministers Ralf Jäger sind bislang drei Tatverdächtige identifiziert, die direkt etwas mit den Übergriffen zu tun haben sollen.

Zuvor hatte die Kölner Polizei darauf hingewiesen, dass sie insgesamt mehrere mutmaßliche Taschendiebe dahingehend überprüfe, ob sie ebenfalls an den Übergriffen beteiligt waren. Zwei von ihnen sitzen in Untersuchungshaft. Festgenommen waren diese Verdächtigen jedoch völlig unabhängig von den Vorfällen vor dem Bahnhof. Möglicherweise geschädigte Frauen hätten sich entfernt und seien nun gebeten, sich zu melden.

Vorfälle in der Silvesternacht
tagesthemen 22:30 Uhr, 06.01.2016, Demian von Osten, WDR

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Die Zahl der Strafanzeigen in Köln stieg unterdessen auf 106. Etwa drei Viertel der Anzeigen wiesen eine sexuelle Komponente auf, sagte ein Sprecher der Polizei dem Evangelischen Pressedienst. Oft berichteten Geschädigte, die etwa den Diebstahl ihres Handys anzeigten, erst auf Nachfrage von sexualisierter Gewalt. In Hamburg lagen 53 Anzeigen von Opfern sexueller Übergriffe oder Diebstählen vor. In Düsseldorf gingen elf Anzeigen ein.

Die zuständige Ermittlungskommission in Köln wurde verstärkt. Bei der Kölner Staatsanwaltschaft hat inzwischen die Abteilung für Organisierte Kriminalität die Ermittlungen übernommen, da Absprachen für ein gemeinsames Vorgehen der Täter nicht ausgeschlossen werden.

Polizeipräsident schließt Rücktritt aus

In der Silvesternacht hatten sich Gruppen von Männern alkoholisiert und aggressiv am Hauptbahnhof aufgehalten und laut Zeugenaussagen zahlreiche Frauen umringt, bedrängt und teils massiv sexuell belästigt und bestohlen. Kölns Polizeipräsident Rainer Albers steht seitdem in der Kritik - unter anderem wegen der Pressemeldung vom Neujahrstag, in der die Polizei erklärt hatte, die Nacht sei weitgehend friedlich verlaufen. Einen Rücktritt lehnt Albers ab. Auf die Frage, ob er im Amt bleibe, sagte er dem WDR: "Aber natürlich. Gerade jetzt bin ich, glaube ich, hier gefragt."

Köln sorgt sich um Tourismus

Die Stadt Köln macht sich derweil Sorgen wegen drohender Schäden für den Tourismus. "Das Image Kölns hat einen Knacks erlitten", sagte Köln-Tourismus-Geschäftsführer Josef Sommer dem "Kölner Stadt-Anzeiger". Wie die Zeitung berichtet, haben erste Touristen ihre Reise in die Domstadt storniert. So habe eine Gruppe aus dem Erzgebirge erklärt, ihre geplante Sommerreise nach Köln abzusagen. Der Hotel- und Gaststättenverband Köln mit rund 1500 Mitgliedsbetrieben berichtete ebenfalls von einer großen Unsicherheit, auch bei Geschäftsreisenden.

Angesichts von Zeugenaussagen, dass die aggressive Menge in Köln vor allem aus Männern nordafrikanischer Herkunft bestand, geht auch die Debatte über die Abschiebung straffälliger Ausländer weiter. Maas vertrat die Auffassung, falls Asylsuchende unter den Tätern gewesen sein sollten, so könnten sie ausgewiesen werden. Das erlaube das Gesetz bei Verurteilungen zu mehr als einem Jahr, die bei Sexualdelikten durchaus möglich seien.

Auch Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) sagte der "Neuen Osnabrücker Zeitung", diese Möglichkeit müsse gegebenenfalls geprüft werden. Eine Erleichterung von Abschiebungen hatte Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) ins Gespräch gebracht. Dazu meinte SPD-Vize Ralf Stegner allerdings in der "Welt": "Ständig Stimmungen nachzulaufen ist kein verantwortliches Regierungshandeln, sondern das beharrliche Umsetzen der getroffenen Vereinbarungen, wie die Aufstockung der Bundespolizei." Zu deren Zuständigkeit gehört - auch an Silvester in Köln - die Sicherheit auf den Bahnhöfen.

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