Der frühere UN-Generalsekretär Kofi Annan spricht bei der Sicherheitskonferenz in München. | Bildquelle: dpa

Letzter Konferenztag in München Afrika interessiert kaum jemanden

Stand: 14.02.2016 14:13 Uhr

Die Konflikte in Afrika und der Golfregion sowie die Flüchtlingskrise stehen zum Abschluss der Münchner Sicherheitskonferenz im Mittelpunkt. Doch bei der Sitzung im großen Saal sind nur wenige Stühle besetzt.

Von Christina Nagel, ARD-Hauptstadtstudio, z.zt. München

Wenn in Berlin im Kanzleramt und im Parlament über die Flüchtlingskrise gesprochen wird, dann fällt mit schöner Regelmäßigkeit ein Satz: Wir müssen die Fluchtursachen bekämpfen. Auch und vor allem in den krisengeschüttelten Staaten Afrikas.

Saal beim Thema Afrika fast leer

Wenn in München bei der Sicherheitskonferenz im großen Saal über Fluchtgründe in Afrika gesprochen wird, dann interessiert das allerdings kaum jemanden. Nur wenige Stühle sind besetzt - ein Fehler aus Sicht der Podiumsteilnehmer. Keines der globalen Probleme, sagt Smail Chergui von der Afrikanischen Union, könne ohne Afrika gelöst werden. Das gelte für den Klimawandel, den Kampf gegen den internationalen Terrorismus, sowie gegen Hunger und Armut. Gerade letzteres treibe viele junge Menschen in die Arme der Terrororganisationen.

"Viele Kämpfer der al-Shabaab-Miliz sind nicht aus ideologischen Gründen dort, sondern aus wirtschaftlichen", betont der somalische Präsident Hassan Sheikh Mohamud. Sie bekämen 50 bis 100 Dollar im Monat, um ihre Familien zu ernähren.

Annan sorgt sich um Perspektiven der Jugend

Genauso sieht es der frühere UN-Generalsekretär Kofi Annan. Ihn treibt vor allem die Perspektivlosigkeit der Jugend auf dem afrikanischen Kontinent um. Hier müsse dringend etwas getan werden. "Die Wahrheit ist, dass das beeindruckende Wirtschaftswachstum in den vergangenen 15 Jahren weder ausreichend noch inklusiv war. Ein Großteil des Wachstums ist bei einer kleinen Elite angekommen, es wurde nicht investiert in Infrastruktur, Gesundheit, Bildung und nachhaltige Entwicklung." Ein Appell, der sich an die afrikanischen Eliten richtet.

Aber auch der Westen ist und bleibt gefragt - nicht nur im Bereich Entwicklungszusammenarbeit. Wer es ernst meint mit der Bekämpfung von Fluchtursachen, kommt um ein Umdenken in der Wirtschafts- und Handelspolitik nicht herum. Und auch nicht darum, dem afrikanischen Kontinent mehr Aufmerksamkeit zu schenken. 

Sicherheitskonferenz: Kaum Interesse an Afrikas Konflikten
Christina Nagel, ARD Berlin
14.02.2016 13:03 Uhr

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Dieser Beitrag lief am 14. Februar 2016 um 15:04 Uhr auf NDR Info.

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