Zwei Jugendliche springen ins Schwimmbecken | Bildquelle: dpa

Shell-Studie zu jungen Deutschen Optimistisch und politisch engagiert

Stand: 13.10.2015 17:31 Uhr

Sie interessieren sich immer mehr für Weltgeschehen und Politik und sie sind optimistisch. Junge Deutsche haben zudem laut der repräsentativen Shell-Studie mehr Angst vor Fremdenfeindlichkeit als vor steigendem Zuzug von Ausländern.

Von Peter Mücke, NDR, ARD-Hauptstadtstudio

Desinteressiert, unideologisch, bestenfalls pragmatisch. So sahen die Forscher die deutsche Jugend in den vergangen Jahren. 2002 sprachen die Autoren der Shell-Studie noch von einer Generation der "Ego-Taktiker". Doch diese Zeiten sind vorbei, sagt Mathias Albert von der Uni Bielefeld: "Wir reden ganz bewusst von einer pragmatischen Generation im Aufbruch."

Es ist die erste Generation, die komplett im wiedervereinigten Deutschland groß geworden ist: Befragt wurden rund 2500 Jugendliche und junge Erwachsene im Alter zwischen 12 und 25 Jahren. "Sie interessieren sich wieder mehr für gesellschaftliche und politische Themen. Sie interessieren sich für das, was in der Welt vor sich geht. Sie sind verwurzelt, sie schätzen allerdings Gestaltungsmöglichkeiten", sagt Mathias Albert.

Jugendliche | Bildquelle: ARD-aktuell
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Shell-Studie: Die Jugendlichen verlassen sich eher auf Menschenrechts- oder Umweltschutzgruppen, wenn es um ihr steigendes politisches Interesse geht.

Allerdings nicht in den politischen Parteien: Nur vier Prozent gaben an, sich in Gruppen oder Parteien zu engagieren. Das Vertrauen in sie ist so gering wie in den Jahren zuvor. Die Jugendlichen verlassen sich eher auf Menschenrechts- oder Umweltschutzgruppen, wenn es um ihr steigendes politisches Interesse geht: "41 Prozent sagen, dass sie sich für Politik interessieren, 2010 waren es noch 36 Prozent. Der historische Tiefstand 2002 lag bei 30 Prozent. Jungs sind weiterhin stärker als Mädchen interessiert. Und das Interesse bleibt eindeutig nach sozialer Schicht gestaffelt."

Da ist selbst der Wissenschaftler überrascht

Die starken Zuwächse sind in den unteren Schichten zu beobachten, sagt Albert. Insgesamt blickt die Jugend optimistisch in die Zukunft. Und zwar in ihre persönliche und auch die Zukunft der Gesellschaft. Und da ist selbst der Wissenschaftler überrascht: "Da reibt man sich natürlich erst einmal verwundert die Augen. Islamischer Staat, Eurokrise, Ukrainekonflikt usw. - und der Optimismus hinsichtlich der gesellschaftlichen Zukunft nimmt zu."

Das sei kein Ausdruck von Weltfremdheit und Naivität, so Albers, es sei auch nur teilweise der Ausdruck davon, dass es den Jugendlichen in der Bundesrepublik Deutschland im Vergleich zu anderen Jugendlichen in anderen europäischen Ländern materiell vergleichsweise gut gehe. "Es ist auch und vor allem der Ausdruck einer weiterhin pragmatischen Grundhaltung", lautet sein Fazit.

Shell-Jugendstudie zu Fremdenfeindlichkeit
nachtmagazin 00:00 Uhr, 14.10.2015, Florian Gediehn, SWR

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"Ich finde, diese Studie macht Mut"

Manuela Schwesig | Bildquelle: dpa
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Ministerin Schwesig: "Eine Generation der Zukunft, die anpacken will."

Das sind Ergebnisse, die Familienministerin Manuela Schwesig freuen. Viel zu oft werde im Zusammenhang mit Jugendlichen nur von Komasaufen und Schulabbrechern berichtet, sagt sie: "Deswegen wird die Jugend oft zu Unrecht gescholten, sie wäre zu bequem, sie würde sich nicht mehr für Politik interessieren. Sie wäre egoistisch und desinteressiert." Die Shell-Studie widerlege diese Vorurteile. "Ich finde, diese Studie macht Mut", so die Ministerin. "Sie zeigt, wir haben eine Generation der Zukunft, die anpacken will, die mitgestalten will, die aufgeschlossen ist, sich Gedanken macht um ihre eigene Zukunft, aber auch um die Zukunft anderer auf dieser Welt."

Das zeigte sich nach ihrer Ansicht etwa beim Thema Flüchtlinge. Nur gut jeder dritte Jugendliche sagt in der aktuellen Umfrage, dass Deutschland die Zuwanderung drosseln sollte. Vor neun Jahren waren es noch fast sechs von zehn. "Junge Menschen heute sagen, sie sehen die Zuwanderung weniger als Problem an, aber sie sehen die Fremdenfeindlichkeit als größeres Problem an", so Schwesig. Und das zeigt sich vor allem im Osten.

Studie vor Flüchtlingskrise erhoben

Die Flüchtlingskrise der vergangenen Wochen wird in der Shell-Studie allerdings noch nicht abgebildet. Die Befragung fand Anfang des Jahres statt. Trotzdem, sagt Ministerin Schwesig, solle man sich die Jugend von heute ruhig zum Vorbild nehmen: "Viele, die derzeit über die Fragen Flüchtlinge, Zuwanderung diskutieren, können sich von dem Optimismus dieser jungen Generation eine Scheibe abschneiden."

Shell-Jugendstudie 2015
P. Mücke, ARD Berlin
13.10.2015 13:28 Uhr

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