Söder würde Seehofer gerne beerben | Bildquelle: dpa

Seehofer erhöht Druck auf Söder Der Meister des Ungefähren legt nach

Stand: 24.10.2016 16:27 Uhr

Salami-Taktik à la Seehofer: Er würde bei einem Erfolg der CSU bei der Bundestagswahl auf den Parteivorsitz verzichten, sagte er im ZDF. Die CSU müsse in Berlin mehr Durchschlagskraft bekommen. Damit erhöht Seehofer den Druck auf seinen Möchtegern-Nachfolger Söder.

Horst Seehofer, der Stratege? Auf jeden Fall ist der CSU-Chef ein ausgebuffter Polit-Profi und ein Meister des Ungefähren. Zwei Wochen nach seinem ersten Testballon in der "Bild am Sonntag" legte er jetzt im ZDF nach. Salami-Taktik à la Seehofer: "Ich wäre bereit, mein Amt als Parteivorsitzender im nächsten Jahr zur Verfügung zu stellen", sagte er bei der Aufzeichnung der ZDF-Sendung "Was nun Herr Seehofer?" Der Zweck sei, mit seinem Amtsnachfolger in Berlin mehr "Durchschlagskraft" in der Bundesregierung zu gewinnen. Der CSU-Chef gehöre für ihn in Zukunft in Berlin mit in die Bundesregierung.

"Da müsste schon der Himmel über Bayern einstürzen"

Unter Umständen sei er auch bereit, noch vor dem Parteitag 2017 den Posten abzugeben. Selbst wolle er nicht nach Berlin wechseln. "Ich persönlich strebe das Amt des Spitzenkandidaten nicht an", unterstrich der 67-Jährige. Nur für den Fall, dass er keine ordentliche Mannschaft für Berlin gewinnen könnte, müsste er die Pläne nochmals überdenken. Ministerpräsident im Freistaat will er bis zur Wahl 2018 bleiben. "Da müsste schon der Himmel über Bayern einstürzen!", sagte Seehofer.

Bayerns Ministerpräsident und CSU-CHef Horst Seehofer | Bildquelle: dpa
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Ministerpräsident in Bayern will Seehofer bis 2018 bleiben.

Der Libero kommt in die Jahre

Vor zwei Wochen hatte Seehofer nur gesagt, eines seiner zwei Spitzenämter aufzugeben. Er könne für die CSU nicht ewig den Libero machen. Eine Ämtertrennung habe es schon früher gegeben. Dies habe gut funktioniert, etwa zwischen Alfons Goppel und Franz Josef Strauß oder zwischen Edmund Stoiber und Theo Waigel. "Wenn wir in der Bundeshauptstadt stark sind, haben wir auch in München die besten Chancen - und umgekehrt."

Schachzug gegen Söder

Die Äußerungen waren schon damals als Schachzug gegen die Ambitionen seines Möchtegern-Nachfolgers Markus Söder verstanden worden. Nun erhöht Seehofer den Druck auf Bayerns Finanzminister erneut, der bekanntlich nicht nach Berlin wechseln und auch das Amt von Ministerpräsident und Parteichef weiter in einer Person vereinigt sehen will. Das Amt des Parteichefs sei "das Ur-Amt von Franz Josef Strauß", argumentierte Söder schon vor zwei Wochen. "Das ist das schwierigste und wichtigste Amt zugleich, das so große Namen wie Edmund Stoiber, Theo Waigel oder Horst Seehofer selbst innehatten. Das sind die Titanen der CSU", so Söder. Das Amt des Parteivorsitzenden werde nur demjenigen anvertraut, der die Unterstützung der Parteibasis hat. "Von daher ist es falsch, jetzt über dieses Amt Personaldebatten zu führen."

Mit seinen Ambitionen auf Seehofers Nachfolge in beiden Positionen kokettiert der ehrgeizige 49-jährige Söder immer wieder. Tatsächlich hat er parteiintern kaum mehr Rivalen zu fürchten. Wirtschaftsministerin Ilse Aigner, die Seehofer eigens aus Berlin zurückholte, macht sich in der Öffentlichkeit rar und kann sich allenfalls Außenseiterchancen ausrechnen.

Markus Söder | Bildquelle: dpa
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Mit seinen Ambitionen auf Seehofers Nachfolge in beiden Positionen kokettiert der ehrgeizige 49-jährige Söder immer wieder. Nach Berlin will er aber unter keinen Umständen.

Neue Geschlossenheit? Horst Seehofer im ZDF-Interview
K. Remme, DLF
24.10.2016 19:46 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 24. Oktober 2016 um 23:38 Uhr.

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