Braunbär Bruno, der 2006 in Bayern erlegt wurde. | Bildquelle: picture-alliance / Reinhard Kung

Seehofer-Pläne für Heimat-Fauna Der Bär gehört hierher

Stand: 01.04.2018 04:54 Uhr

Sein Ressort wurde um die Kompetenz für das Thema Heimat erweitert - jetzt zeigt Innenminister Seehofer, dass er sich in dieser Funktion nicht nur um die Menschen, sondern auch die Flora und Fauna im Land kümmern will.

Vor fast 200 Jahren ist Deutschlands letzter Braunbär im bayerischen Ruhpolding erlegt worden. Im Gegensatz zu anderen zwischenzeitlich ausgestorbenen Tierarten wie Wolf und Elch ist er nicht wieder zurückgekehrt - wenn man einmal vom "Problembären" Bruno alias JJ1 absieht, der 2006 erschossen wurde.

Horst Seehofer spricht im Bundestag | Bildquelle: CLEMENS BILAN/EPA-EFE/REX/Shutte
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Heimatminister Seehofer sorgt sich um indigene Menschen, Tiere und Pflanzen in Deutschland.

Das will Heimatminister Horst Seehofer nun ändern und das Raubtier in Deutschland wieder ansiedeln: "Der Braunbär gehört zu Deutschland wie Wolf, Wisent und Elch. Nicht umsonst ist er auf vielen Wappen und Flaggen zu finden", erklärt er gegenüber tagesschau.de.

Heimat auch für Tiere und Pflanzen

Heimat brauche auch eine starke indigene Flora und Fauna, meint Seehofer. Das zeige zum Beispiel die Situation in Großbritannien, wo das heimische rote Eichhörnchen durch die eingeschleppte graue Variante weitgehend verdrängt wurde. "Das Tier steht auf der EU-Liste der unerwünschten Arten - ihm ist aber kaum noch beizukommen."

Auf der Liste ist auch der Waschbär zu finden, der im 20. Jahrhundert nach Deutschland kam. "Die Tiere brechen in Dachböden und Gartenhäuser ein, wühlen im Müll, töten sogar deutsche Haustiere - aber gegen einen deutschen Braunbären hätten sie keine Chance", glaubt Seehofer.

Gefährder observieren und ausweisen

Auch durch die vorsichtig gesagt, gemischten Erfahrungen mit der Neuansiedelung des Wolfes in einigen Teilen Deutschlands hält ihn vom seinem Vorhaben nicht ab: "Wenn man sich im Wald und Flur ordentlich verhält, dann benehmen sich auch Bär und Wolf." Wenn es Gefährder unter den neuangesiedelten Raubtieren geben sollte, müssten diese beobachtet und gegebenenfalls zurückgeschickt werden.

Solidarität mit Problembär

Problembär Bruno
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Der erschossene Bär Bruno steht jetzt ausgestopft im Museum - neben dem vorletzten in freier Wildbahn erlegten Artgenossen, der 1835 getötet wurde.

Bei Naturschutzorganisationen stößt Seehofers Projekt auf Zustimmung, aber auch auf Skepsis, war es doch ausgerechnet die Bayerische Staatsregierung, die Bruno als "Problembär" eingestuft hatte und trotz massiver Proteste zum Abschuss freigab.

Seehofer fühlt sich daran jedoch unschuldig: "Ich war damals Minister für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz in der Bundesregierung, hatte mit dieser Entscheidung nichts zu tun", erklärt er. Die Abschussgenehmigung habe im Kompetenzbereich der Landesregierung gelegen. Er selbst fühle sich mit Bruno solidarisch: "Schließlich wurde ich in den Medien oft genug selbst als Problembär bezeichnet."

Doch woher nehmen?

Schwierig wird es jedoch, geeignete Kandidaten für die Übersiedlung nach Deutschland zu finden: Zwar gilt der Braunbär nicht mehr als gefährdete Art, in Europa befinden sich die meisten Tiere in Russland. "Ein Import ist wegen der aktuellen politischen Lage schwierig", fürchtet Seehofer. US-amerikanische Bären kämen für ihn jedoch nicht in Frage: Diese gehörten schließlich anderen Unterarten an - und damit nicht zu Deutschland.

Weitere Informationen zu dem Projekt finden Sie hier.

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