Horst Seehofer auf dem CSU-Parteitag | Bildquelle: AP

CSU-Parteitag Seehofers sanfte Töne

Stand: 04.11.2016 20:32 Uhr

Auf dem CSU-Parteitag haben viele Delegierte nach der Rede von Horst Seehofer eine Pause eingelegt. Der schwarze Pausen-Kaffee war dabei ein Sinnbild für Seehofers Botschaft: Die CSU ist die Partei fürs Konservative.

Eine Analyse von Martin Mair, MDR

"Mit uns bekommen die Menschen in dieser komplexen, unübersichtlichen Welt Orientierung und Ordnung", sagte Seehofer während seiner Auftaktrede. Überhaupt bediente sich der Parteichef eher der leisen Töne - es war keine kämpferische, sondern eine weitgehend nachdenkliche Rede. Der CSU-Chef schlug einen großen Bogen über die großen Themen: Europa in der Krise, der Terror in Deutschland angekommen, Millionen Menschen auf der Flucht: "Die Flüchtlingsfrage hat große Emotionen ausgelöst, die Gesellschaft polarisiert und gespalten."

Seehofer auf Versöhnungskurs mit Merkel

Dass Seehofer selbst seinen Teil dazu beigetragen hat, das verschwieg er in seiner Rede. Er wollte das laute Getrommel für eine Obergrenze vergessen machen - beim Parteitag im vergangenen Jahr führte das zum Eklat auf offener Bühne mit der Kanzlerin. Der Anfang eines monatelangen Streits, bei dem viel Porzellan zerschlagen wurde. Jetzt versuchte Seehofer zu kitten und schlug versöhnliche Töne an: "Einen Dissens auf offener Bühne auszutragen, die Verhandlungen, die hinter verschlossenen Türen erfolgen müssen, hier auf der Bühne durchzuführen, wäre auch ein grober politischer Fehler. Ich habe da so meine Erfahrungen." Und fügte hinzu: Es sei auch nicht verkehrt, wenn man in höherem Alter klüger werde. Das bringt ein paar Lacher bei den Delegierten, aber nur höflichen Applaus.

Versöhnungsklausur von CDU und CSU in Potsdam. | Bildquelle: dpa
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CSU-Chef Seehofer und Kanzlerin Merkel versuchten sich vergangenen Monat in Versöhnung.

Es scheint, als ob Horst Seehofer ernsthaft den öffentlichen Dauerstreit mit der Kanzlerin beenden will. Ja, er stehe weiterhin zur Obergrenze. Nein, er werde die Seele der CSU nicht verkaufen. Trotzdem: "Es ist manchmal im Leben besser, wenn man die Dinge stehen lässt, falls man sich nicht verständigt. Ich schließe eine Verständigung nicht aus und wir bemühen uns darum. Aber manchmal ist es eben besser, wenn man dann diese Dinge nebeneinander stellt und mit der gebotenen Sachlichkeit vertritt." Das klingt ganz anders als noch vor wenigen Wochen. Seehofers Wut ist abgekühlt - doch damit hat er sich von seiner Parteibasis entfernt.

Langer Applaus für Kurz

Denn donnernden Applaus bekam nicht Seehofer für seine versöhnlichen Töne, sondern Sebastian Kurz. Der österreichische Außenminister wurde beinahe frenetisch gefeiert, als er für eine Obergrenze warb. Seehofer lächelte da zurückhaltend. Überhaupt: Sein Auftritt wirkte eine gute Stunde lang wie ein Fremdkörper in der durchchoreografierten Parteitag-Show.

Horst Seehofer | Bildquelle: AFP
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Horst Seehofer wirkte eher zurückhaltend...

Der österreichische Außenminister Sebastian Kurz | Bildquelle: AP
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...während Sebastian Kurz selbstbewusst auftrat.

Generalsekretär Andreas Scheuer etwa war kein Superlativ zu klein: Er sprach von der besten Mitmach-Partei, dem größten Bayerngefühl dank CSU, die digital ganz vorn dabei ist - sein Auftritt zwischen bunten Werbefilmen mit bayerischem Postkartenidyll erinnert an die Präsentation eines neuen Apple-Produkts.

"Linksrutsch" verhindern

Der CSU-Chef dagegen überlässt das Loben anderen - zitiert dazu lieber den "Stern", der jüngst feststellte: "Die CSU ist die letzte Volkspartei Deutschlands." Und diese Partei, erklärte es Seehofer, müsse einen "Linksrutsch" in Deutschland verhindern.

Rot-rot-grün als neues, altes Schreckgespenst für die Christsozialen: "Ich möchte nach 40 Jahren im politischen Geschäft nicht noch erleben müssen, dass die Enkel der SED wieder Regierungsverantwortung in Deutschland übernehmen." Es ist das erste Mal, dass die Delegierten Seehofer lautstark beklatschten. Auf den politischen Gegner also kann Horst Seehofer seine CSU einschwören, ob ihm das mit seinem neuen Kurs in der Flüchtlingspolitik ähnlich überzeugend gelingt, muss sich noch zeigen.

Sanfte Töne: Horst Seehofers Eröffnungsrede des CSU-Parteitags
Martin Mair, ARD Berlin
04.11.2016 19:35 Uhr

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Über dieses Thema berichtete das nachtmagazin am 05. November 2016 um 00:57 Uhr.

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