Schwesig

Vorschlag für Familienarbeitszeit Schwesig blitzt bei Merkel ab

Stand: 11.01.2014 14:46 Uhr

Ihren Vorschlag, junge Eltern nur noch 32 Stunden pro Woche arbeiten zu lassen, muss Familienministerin Schwesig nach nur einem Tag wieder zu den Akten legen. Von einem persönlichen Debattenbeitrag Schwesigs sprach Regierungssprecher Seibert.

Von Martin Mair, MDR, ARD-Hauptstadtstudio

Der neue Vollzeit-Job für Eltern bedeutet weniger arbeiten - das ist im Kern die Idee von Familienministerin Manuela Schwesig. Statt 40 könnten Väter und Mütter zum Beispiel nur noch 32 Stunden im Job verbringen, der Staat stockt das Gehalt auf. Familienarbeitszeit nennt die SPD-Ministerin ihre Idee, die erstmal auch eine bleiben wird. Regierungssprecher Steffen Seibert hat klargestellt, dass der Vorstoß nicht auf der Tagesordnung der Bundesregierung steht. "Die Ministerin Schwesig hat einen persönlichen Debattenbeitrag gemacht, sie selber spricht ja von ihrer Vision."

Der Kern der Arbeit der Bundesregierung werde das ElterngeldPlus sein, so Seibert weiter. Dabei will die Regierung die Einkünfte von Eltern aufstocken, die Teilzeit arbeiten. Bis zu 28 Monate sollen sie unter bestimmten Voraussetzungen Geld bekommen. Die Summe ist etwa halb so hoch wie beim klassischen Elterngeld, also der Unterstützung für Mütter und Väter, die ganz zu Hause bleiben. Beim geplanten ElterngeldPlus sollen auch speziell Väter zur Teilzeit ermutigt werden. Wenn beide Partner in gleichem Umfang ihre Arbeitszeit reduzieren, gibt es einen Bonus.

All das passiert in der Hoffnung, dass sich mehr Menschen für Kinder entscheiden. "Es ist klar, dass in Zukunft immer weniger das dominante Rollenmodel sein wird, dass die Frau Teilzeit und der Mann Vollzeit arbeitet", sagt Seibert. "Die Bundesregierung wird das, was sie tun kann, tun für eine weitere Flexibilisierung der Arbeitszeiten ohne dabei zusätzliches Steuergeld einzusetzen."

Zustimmung von Grünen und Linkspartei

Steuergeld aber wäre für die Familienarbeitszeit nötig, die Ministerin Schwesig vorgeschlagen hatte. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung hat ausgerechnet: Der Lohnzuschuss bei einer 32-Stunden-Woche für Eltern kostet pro Jahr etwa 140 Millionen Euro. Union und Arbeitgeber-Vertreter halten Schwesigs Vorschlag deshalb für unrealistisch.

Zustimmung dagegen bekommt die SPD-Politikerin von der Grünen Katrin Göring-Eckhardt. "Viele Eltern wünschen sich ja zu Recht mehr Zeit für Ihre Kinder und für Freizeit. Deswegen begrüßen wir den Vorschlag sehr." Und auch Linksfraktionschef Gregor Gysi findet die Familienarbeitszeit im Kern gut. So gut, dass er Ministerin Schwesig regelmäßig darauf ansprechen will. "Ich werde sie jede Sitzungswoche daran erinnern, wie weit ihr Vorschlag ist." Er glaube, dass er nicht realisiert werde. Zumindest nicht in der Amtszeit dieser Regierung, soviel jedenfalls ist klar. Das weiß auch die Familienministerin. Bewusst nannte sie ihren Vorschlag eine Vision. Es ist eine, die noch ziemlich fern am Horizont liegt.

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