Familie beim Spaziergang | Bildquelle: picture-alliance/ dpa

Vorschlag von Familienministerin Schwesig Die Vision einer 32-Stunden-Woche

Stand: 09.01.2014 18:02 Uhr

Beruf und Kinder zu vereinbaren ist für Eltern oft schwer. Ministerin Schwesig plädiert daher für eine Familienarbeitszeit: Für Arbeitnehmer mit kleinen Kindern soll die 32-Stunden-Woche gelten. Die Wirtschaft protestiert.

Von Martin Mair, MDR, ARD-Hauptstadtstudio

Vanuza Kreusel ist die Herrscherin über das Chaos: Christian und Amelie streiten sich um einen Buntstift - die Erzieherin schlichtet. Dann tröstet sie Paul, der sich das Knie angeschlagen hat. Es geht turbulent zu in ihrer Gruppe der Europa-Kita Casa Azul. Chaotisch, schmunzelt die 31-Jährige, ist es hier immer - alles eine Frage der Organisation.

Ein Wort, dass die gebürtige Brasilianerin oft in den Mund nimmt. Anders geht es nicht - schließlich jongliert sie ein Leben aus Vollzeit-Job, Ehe und den Kindern Hugo und Helene: "Nach der Arbeit habe ich nur den Gedanken: die Kinder abholen und dann direkt nach Hause. Meine Ruhe habe ich erst so ab 22 Uhr abends, wenn die Kinder schlafen, die Küche aufgeräumt ist. Dann habe ich ein bisschen Zeit für mich. Aber ich mache dann nichts anderes in der Woche."

Schwesig will 32-Stunden-Woche für berufstätige Eltern einführen
tagesschau 12:00 Uhr, 10.01.2014, Arnd Henze, ARD Berlin

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Ein Gefühl, das wohl viele Eltern kennen: Aufgerieben vom Wunsch, Kinder und Karriere unter einen Hut zu bringen. Und die glückliche Beziehung soll auch noch darunter passen.

"Eine 32-Stunden-Woche, in der man auch Zeit für Familie hat"

Familienministerin Manuela Schwesig kennt diesen Spagat selbst nur allzu gut. Der neue Job als Ministerin, das Gefühl immer präsent sein zu müssen und der Wunsch, Zeit mit dem sechsjährigen Sohn zu verbringen. Wohl auch deshalb steht ein Thema ganz oben auf ihrer Agenda: die Vision einer Familienarbeitszeit. "Ich möchte, dass wir Vollzeit für Familien neu definieren. Dass die Vollzeit eben nicht die 40 Stunden plus Überstunden sind, sondern, dass die Vollzeit eine 32-Stunden-Woche ist, in der man eben auch Zeit für Familie hat. Gerade Frauen erleben, dass Teilzeit oft eine Sackgasse ist, wenn Frauen nach der Teilzeit zurück auf Vollzeit wollen, ist das heute nicht möglich. Deshalb geht es auch darum, einen Rechtsanspruch, ein Rückkehrrecht von Teilzeit auf Vollzeit einzuführen."

Die Vision von einer 32-Stunden-Woche für Eltern
M. Mair, ARD Berlin
09.01.2014 17:16 Uhr

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Ein Vorstoß, der prompt auf Widerstand stößt, in den Reihen der großen Koalition, namentlich bei der CSU. Parteichef Horst Seehofer betont zwar, dass die Familienarbeitszeit keineswegs zum nächsten Streitfall wird. Doch gefragt nach der Idee der SPD-Familienministerin wird Max Straubinger deutlich.

Manuela Schwesig | Bildquelle: REUTERS
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Familienministerin Schwesig schlägt eine 32-Stunden-Woche für Eltern vor.

Ein Recht, den Teilzeit-Job wieder auf eine volle Stelle hochfahren zu können, ist für den parlamentarischen Geschäftsführer der CSU-Landesgruppe falsch: "Nicht in jedem Kleinbetrieb kann man die Arbeitszeit einfach mal rauf-, und mal runtertätigen. Es geht ja auch um das Arbeitsbedürfnis, das vorliegt. Deshalb glaube ich, dass eine gesetzliche Regelung uns nicht weiterhilft."

Arbeitgeberverband will keine gesetzliche Regelung

So sieht das auch der Arbeitgeberverband. Starre staatliche Vorgaben zur Arbeitszeit brauche niemand, heißt es von dort. Ministerin Schwesig will sich nicht beirren lassen, auch wenn sie einräumt: Ihre Familienarbeitszeit ist ein fernes Ziel am Horizont. "Die Familienarbeitszeit ist die Vision, ein erster Schritt wird das Elterngeld Plus sein, damit wollen wir finanzielle Nachteile ausgleichen, wenn sich Mütter und Väter entscheiden, ihre Arbeitszeit zugunsten der Kinder zu reduzieren."

Die Koalition hat sich nämlich darauf verständigt, Mütter und Väter in Teilzeit länger zu unterstützen. Der Staat will bis zu 28 Monate das Gehalt von Eltern aufstocken, wenn sie nicht voll arbeiten - Elterngeld Plus heißt das Stichwort. Schwesig sieht darin einen Weg, das oft zitierte Schlagwort "Vereinbarkeit von Beruf und Familie" mit Leben zu füllen.

Familie beim Spaziergang | Bildquelle: picture-alliance / dpa/dpaweb
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Mehr Zeit für Kinder - Familienministerin Schwesig will die "32-Stunden-Woche" für junge Eltern.

Erzieherin Vanuza Kreusel macht das jeden Tag - so gut es eben geht, im Alltag zwischen Kindern, Ehemann und Job. Dass tatsächlich einmal 32 Stunden Arbeit als Vollzeitstelle gelten - da ist sie skeptisch. Aber schön wäre es schon: "Dann hätten wir immer noch dasselbe Geld, dann hätten wir noch ein bisschen Zeit übrig für andere Sachen, was auch im Kopf ein bisschen freier macht."

Dieser Beitrag lief am 09. Januar 2014 um 17:30 Uhr auf InfoRadio.

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Familienministerin Schwesig möchte junge Eltern eine 32-Stunden-Woche ermöglichen, damit sie mehr Zeit für die Familie haben. Ein Teil des Lohnausgleichs könnte aus Steuermitteln finanziert werden. Finden Sie den Vorstoß sinnvoll?

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