Martin Schulz, SPD | Bildquelle: REUTERS

SPD-Kanzlerkandidat Einstimmiges Votum für Schulz

Stand: 29.01.2017 12:45 Uhr

Jetzt ist es offiziell: Die SPD zieht mit Martin Schulz als Kanzlerkandidat in die Bundestagswahl 2017. "Er sei demütig und dankbar", twitterte Schulz. Die Entscheidung im SPD-Vorstand soll nach Berichten mehrere Nachrichtenagenturen einstimmig gefallen sein.

Die SPD zieht mit Martin Schulz als Kanzlerkandidat in die Bundestagswahl 2017. "Ein irres Gefühl: Gerade bin ich zum Kanzlerkandidaten nominiert worden. Ich bin demütig und dankbar", twitterte Schulz. Der Parteivorstand nominierte den Europa-Politiker einstimmig als Herausforderer von Angela Merkel (CDU), wie mehrere Agenturen aus Teilnehmerkreisen erfuhren.

Der noch amtierende Vorsitzende Sigmar Gabriel kündigte an, sich sofort aus der Arbeit der Parteizentrale herauszuhalten. Auf einem Sonderparteitag voraussichtlich im März soll Schulz förmlich zum Spitzenkandidaten und Parteichef gewählt werden.

In der Sitzung des Parteivorstands betonte Schulz, die SPD müsse noch härter arbeiten, damit die Gesellschaft gerechter werde: "Der Satz, der Mensch steht im Mittelpunkt, ist nicht abgedroschen. Er ist unser Programm und unsere tägliche Aufgabe", wurde er zitiert.

Rede am Mittag

In Kürze wird Schulz eine Rede halten, die Sie bei tagesschau.de im Livestream verfolgen können. Mit Spannung wird erwartet, wie er die Traditionspartei für den Bundestagswahlkampf positionieren wird. Der 61-Jährige hatte bereits angekündigt, ohne Koalitionsaussage in den Wahlkampf zu gehen.

Einen Ruck für die Partei?

"Ich bin ganz sicher, dass er der Partei einen wirklichen Ruck gibt", sagte die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer vor der Sitzung in Berlin. Schulz habe eine "große Lust und den Ehrgeiz, das Kanzleramt zu erringen". Das sei die Voraussetzung für einen erfolgreichen Wahlkampf.

Martin Schulz und Sigmar Gabriel vor SPD Logo | Bildquelle: imago
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Martin Schulz und Sigmar Gabriel: Wechsel an der SPD-Spitze

Die SPD-Linke fordert, dass Schulz stärker auf die Parteiseele Rücksicht nimmt und kooperativer agiert als der Noch-Vorsitzende Gabriel. Der Chef des mächtigen linken Flügels in der SPD-Bundestagsfraktion, Matthias Miersch, sagte der Deutschen Presse-Agentur: "Ich bin mir sicher, dass Martin Schulz einen kooperativen Führungsstil leben wird: Zuhören, abwägen und erst dann entscheiden."

Die Jungsozialisten in der SPD wollen Schulz dazu bewegen, eine weitere Große Koalition nach der Bundestagswahl am 24. September auszuschließen. Rot-Rot-Grün müsse eine Option für die SPD sein, sagte die Juso-Vorsitzende Johanna Uekermann der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".

Neuste Umfrage sehen die SPD bereits im Aufwind: Im ARD-DeutschlandTrend konnte sie drei Prozentpunkte hinzugewinnen. Zudem kommt Schulz bei den Bürgern ähnlich gut an wie Merkel.

Mit Neuaufstellung ins Wahljahr

Gabriel hatte am Dienstag eine personelle Neuaufstellung der SPD für das Wahljahr verkündet. Überraschend erklärte er seinen Rückzug vom Parteivorsitz sowie seinen Verzicht auf die Kanzlerkandidatur und schlug Schulz für beide Posten vor. Der bisherige Wirtschaftsminister Gabriel rückte auf den Posten von Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD), der am 12. Februar zum Bundespräsidenten gewählt werden soll. Das Wirtschaftsressort wird fortan von Gabriels bisheriger Staatssekretärin Brigitte Zypries (SPD) geführt.

Die Bundestagswahl findet am 24. September statt.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 29. Januar 2017 um 13:15 Uhr.

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