SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz | Bildquelle: dpa

Schulz' Bildungspläne Viele Ideen und Zahlensalat

Stand: 18.05.2017 18:21 Uhr

Mit 13 Punkten zum weltweiten Spitzenreiter in Sachen Bildung: SPD-Kanzlerkandidat Schulz hat seine Pläne zur Bildungspolitik vorgestellt. Nach den schweren Wahlniederlagen sucht Schulz nach Inhalten und Profil - und den richtigen Zahlen.

Von Sabine Müller, ARD-Hauptstadtstudio

Zuletzt sah Martin Schulz meist extrem angespannt aus. Aber jetzt steht er in einer Neuköllner Bibliothek vor einem großen Bücherregal und lächelt: "Ich bin Buchhändler von Beruf und fühle mich logischerweise in einer solchen Umgebung nicht nur sehr wohl, sondern auch ein bisschen zu Hause."

Um seine Bildungspläne vorzustellen, hat sich Schulz einen Problembezirk ausgesucht, wo viele Schüler Sprach- und Entwicklungsstörungen haben und 14 Prozent keinen Abschluss schaffen: "Es geht um nicht mehr oder weniger als um die Zukunftsfähigkeit unseres Landes", so der SPD-Chef.

Nationaler Bildungspakt

Deshalb fordert Schulz eine nationale Kraftanstrengung, einen nationalen Bildungspakt. Die wichtigsten Punkte: Gebührenfreiheit von der Kita bis zur Uni beziehungsweise zur Meisterprüfung, eine Million neue Ganztagsplätze an Grundschulen, Abi erst nach 13 Jahren, Berufsschulen stärken, bessere Bezahlung von Erziehern und Lehrern, ein Schulmodernisierungsprogramm.

Die Zuständigkeit für die Bildung soll bei den Bundesländern bleiben, meint Schulz, aber das sogenannte Kooperationsverbot, das es dem Bund verbietet, den Ländern dauerhaft Geld für Bildungsaufgaben zu geben, das müsse weg: "Überall, wo es Sinn macht, muss der Bund helfen können."

Zehn Milliarden? Zwölf? Oder doch 30?

Und zwar mit richtig viel Geld, wenn es nach Schulz geht. Das alles wird verdammt viel kosten, sagt er über seine Pläne. Wie viel genau, bleibt offen. Aber um wenigstens den OECD-Durchschnitt bei den Bildungsausgaben zu erreichen, müsste Deutschland jedes Jahr zweistellige Milliardensummen zusätzlich investieren. Erst spricht Schulz von zehn bis zwölf Milliarden Euro, später korrigiert er sich auf 30.

Ein Neuköllner Lehrer ist auch damit nicht zufrieden: "Wenn Sie wirklich solche Veränderungen vornehmen wollen, dann ist es nicht der richtige Weg, im Durchschnitt anzusetzen", kritisiert er. "Sich am Durchschnitt zu orientieren, kann auch nur Durchschnitt bringen. Fangen Sie nicht im Mittelmaß an, wir müssen oben anfangen."

"Sinnvoller als Steuersenkungsversprechen"

Die beiden diskutieren eine Weile und einigen sich schließlich darauf, dass Bildungsausgaben wie in den skandinavischen Ländern das Ziel sein sollten. Das wären dann übrigens noch sehr viel mehr als 30 Milliarden.

Schulz weiß natürlich, dass die Kritik vor allem der Union an seinen Plänen nicht lange auf sich warten lassen wird - deshalb sagt er in Richtung des Koalitionspartners und Wahlkampfgegners: "Das, was ich hier sage, kostet viel Geld. Es ist aber sinnvoller in diese Projekte zu investieren, als irgendwelche Steuersenkungsversprechen pauschalisierter Art vorzunehmen."

Der Applaus für den Kanzlerkandidaten ist freundlich - doch nicht alle sind zufrieden. Ein Schüler meint anschließend enttäuscht, ihm sei das alles nicht konkret genug gewesen.

Viele Ideen und Zahlensalat - Martin Schulz stellt Bildungspläne vor
S. Müller, ARD Berlin
18.05.2017 17:46 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 18. Mai 2017 um 17:00 Uhr

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