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Schulz bei "Anne Will" "Ich will gewinnen"

Stand: 29.01.2017 23:03 Uhr

Martin Schulz ist das personifizierte "Wir schaffen das" der SPD. Keine Regierungserfahrung? Hatte Obama auch nicht. Das SPD-Gewinnerthema: Gerechtigkeit. Warum Schulz und nicht Gabriel? "Ich bin gefühlt und faktisch der bessere Kandidat."

Von Wenke Börnsen, tagesschau.de

Kanzlerkandidat Schulz - das kommt auch Martin Schulz noch etwas ungewohnt über die Lippen. Aber das wird sich ändern in den nächsten acht Monaten. Und: Schulz will nicht Kandidat bleiben, Schulz will mehr. "Können Sie Kanzler, Herr Schulz?", fragt Anne Will. Klare Antwort: "Ich will gewinnen". Die SPD wolle dieses Land führen, macht Schulz klar. Ohne Regierungserfahrung? "Das Schicksal teile ich mit Barack Obama. Der hatte auch keine Regierungserfahrung, als er Präsident der Vereinigten Staaten wurde." Seine Vorzüge gegen Sigmar Gabriel: "Ich bin sowohl gefühlt als auch faktisch der bessere Kandidat."

Lob für Gabriel

Gabriels Verzicht sei eine "große charakterliche Leistung". Schulz verweist auf die siebeneinhalb Jahre, die Gabriel einen vorbildlichen Job an der SPD-Spitze gemacht habe. Und, nein, er habe nicht sofort begeistert zugesagt, Kanzlerkandidat und SPD-Chef zu werden, sagt Schulz. Erst nach Rückendeckung seiner Familie habe er Ja gesagt. Selbstüberschätzung? "Nein, ich habe mich genau geprüft." Aber wenn er sich entschieden habe, greife er auch beherzt zu, so Schulz über Schulz.

SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz im Interview bei Anne Will
Anne Will 21:45 Uhr, 29.01.2017

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Eine Stunde stellt sich der neue SPD-Hoffnungsträger den Fragen von Anne Will. Danach ist klar: Hier will ein Sozialdemokrat ins Kanzleramt. "Wir haben eine realistische Chance. Alles ist möglich", wischt Schulz den Einwand weiterhin schlechter Umfragewerte beiseite. Und mit welchem Thema will die Schulz-SPD die Wahl gewinnen? Mit mehr sozialer Gerechtigkeit. Der Staat müsse wieder für die hart arbeitenden Menschen da sein, die sich an die Regeln hielten. Nein, das sei kein neues SPD-Thema. Aber diese Gesellschaft drifte immer weiter auseinander. "Und wir könnten dieses Land weitaus gerechter machen, wenn wir führende Kraft wären."

"Ich wohne in Würselen"

Schulz reklamiert für sich eine starke Verbundenheit mit den Menschen. Elf Jahre, bis 1998, war er Bürgermeister in Würselen. Als Kommunalpolitiker kenne er die Alltagssorgen der Menschen genau. Bis heute? Immerhin sei er seit mehr als 20 Jahren Europapolitiker. "Ich wohne in Würselen", ruft Schulz fast entrüstet. Er erlebe jeden Tag, was die Menschen umtreibe.

Bei der Frage, ob er die SPD als oberster Wahlkämpfer kernsanieren müsse, wird Schulz sehr deutlich. "Die SPD muss nicht kernsaniert werden." Die SPD sei das Bollwerk der Demokratie - seit mehr als 150 Jahren. Aber: "Ich muss die Kampfkraft der Partei gegen Demokratiefeinde erneuern", unterstreicht Schulz. Klare Kante gegen Rechts gehört zu Kernthemen des ehemaligen Präsidenten des EU-Parlaments.

SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz im Interview bei "Anne Will"
galerie

Der Kandidat bei "Anne Will": Nächste Ausfahrt Kanzleramt?

Klare Worte für Trump

Deutliche Worte hat Schulz auch für Donald Trump: Der neue US-Präsident laufe "mit der Abrissbirne durch unsere Grundwerteordnung." Wenn er die Gelegenheit hätte, würde er Trump sagen: "Wir respektieren, dass du ein frei gewählter Präsident der USA bist. Aber wir erwarten auch, dass du die elementaren Grundwerte der westlichen Wertegemeinschaft respektierst." Trump hatte zuletzt mit pauschalen Einreiseverbote für Muslime aus sieben Ländern für Empörung gesorgt.

Schulz will die Bundestagswahl im Herbst gewinnen. Er kämpft um die verlorene Glaubwürdigkeit der SPD, das wird vor allem im direkten Gespräch mit einer frustrierten Ex-SPD-Wählerin klar. Er argumentiert, er wirbt, bittet um einen Vertrauensvorschuss. Angst zu verlieren? Natürlich mache er sich auch darüber Gedanken. "Aber, wenn du in so einen Höllenritt startest, und denkst daran, was passiert, wenn du verlierst, dann brauchst du erst gar nicht zu starten."

Nächste Ausfahrt Kanzleramt

Martin Schulz kommt der SPD gerade recht. Ausgezehrt, verzagt, orientierunglos - die derzeitige Euphorie für Schulz speist sich auch aus der Erleichterung, dass Gabriel es nicht macht. Nun ist die SPD auch mit Schulz als oberstem Wahlkämpfer einer realistischen Machtoption noch keinen Zentimeter näher, aber zumindest stimmt jetzt die Einstellung. Und der Trend bei den Umfragen. Schulz hat den verzagten Genossen am Sonntagmittag mit seiner kämpferischen Mutmacher-Rede Siegesgewissheit eingeimpft, er hat das Willy-Brandt-Haus "gerockt", die SPD erkennt sich vermutlich gerade selbst nicht wieder. Nächste Ausfahrt Kanzleramt.

SPD nominiert Martin Schulz als Kanzlerkandidaten
tagesthemen 22:45 Uhr, 29.01.2017, Matthias Deiß, ARD Berlin

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Mit Hoffnungsträgern, die von der Seite an die Parteispitze kommen, hat die SPD Erfahrung. Überwiegend schlechte. Sowohl Frank-Walter Steinmeier 2009 als auch Peer Steinbrück 2013 holten katastrophale Ergebnisse, aus verschiedenen Gründen. Schulz hat ungleich bessere Voraussetzungen, vor allem, weil er Beinfreiheit hat. Er ist bald Parteichef und oberster Wahlkämpfer, er kann frei von Regierungs- und Koalitionskorsett agieren und die Merkel-Union attackieren. Und als einer, der seit 1999 zur SPD-Führungsspitze gehört, war Schulz natürlich an allen Richtungsentscheidungen zu Renten- oder Sozialpolitik beteiligt, als Europabeauftragter der Partei äußerte er sich jedoch bislang dazu nicht. Aber bundespolitisch unbedarft und Themen-fremd ist Schulz keineswegs.

Als omnipräsenter Laut-Sprecher dürfte Schulz es auch verschmerzen, dass ihm die Bühne Bundestag nicht zur Verfügung steht. Schulz ist kein Abgeordneter, im Parlament wird daher SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann an seiner Stelle die Angriffe von CDU und CSU parieren müssen.

Machtbewusst und integer

Die SPD macht mitten in der tiefsten Krise der EU einen glühenden Europäer, das "Gesicht Europas", zum obersten Wahlkämpfer für die Bundestagswahl. Einer, der von sich selbst sagt, "Politik von der Pike auf" gelernt zu haben, der aber nie in Bundes- oder Landtag saß, Minister war oder ein Land regiert hat. Einer ohne Hochglanz-Biografie, aber mit ausgewiesenem Kämpferherz. Schulz kann begeistern, mitreißend reden, seine Sprache ist klar, er ist ehrgeizig, machtbewusst und integer, seine Art authentisch. Und: Schulz ist glaubwürdig, das unterscheidet ihn von Gabriel, der auch ein guter Redner ist, aber der in seinen vielen Rollen - mal in Opposition, mal mit der Regierung - seine Glaubwürdigkeit verloren hat.

Keine Koalitionsaussage

Bleibt das Problem der fehlenden Machtperspektive. Das Dilemma löst auch die Personalie Schulz nicht. Schulz ist kein Linker, wie Gabriel gehört er dem konservativen "Seeheimer Kreis" in der SPD an. Schwer vorstellbar, dass Schulz und Linken-Frontfrau Sahra Wagenknecht eine gemeinsame Basis fänden, wenn es nach der Wahl ernsthaft um Rot-Rot-Grün ginge. Mit der Aussicht auf eine erneute ungeliebte Große Koalition dürfte die SPD aber kaum zu begeistern sein. Schulz will denn auch ohne feste Koalitionsaussage in den Wahlkampf gehen. Nur eine Zusammenarbeit mit den Rechten schloss er kategorisch aus.

In der Union hat die Schulz-Kür schon etwas bewegt. Eine Woche vor dem großen Versöhnungstreffen sicherte CSU-Chef Horst Seehofer der CDU-Chefin die Unterstützung seiner Partei zu. "Angela Merkel wird nach diesem Gipfel die gemeinsame Kanzlerkandidatin von CSU und CDU sein", so Seehofer in der "Bild am Sonntag". Bislang hatte sich die CSU geziert, Merkel offiziell zu unterstützen. Doch jetzt ist Schulz - auch für die Union.

Über dieses Thema berichtete am 29. Januar 2017 Anne Will um 21:45 Uhr und die tagesthemen um 22:45 Uhr.

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