Schufa

Nach massiver Kritik Internet-Projekt der Schufa geplatzt

Stand: 08.06.2012 16:38 Uhr

Das Internet-Projekt der Auskunftei Schufa ist - nach massiver Kritik von Politikern und Datenschützern - gestoppt worden. Das Hasso-Plattner-Institut (HPI) an der Universität Potsdam kündigte den Vertrag mit dem Unternehmen. Das Institut sollte im Auftrag der Schufa erforschen, inwieweit Informationen aus dem Internet der Auskunftei bei der Bewertung der Bonität von Verbrauchern nutzen können.

HPI-Direktor Christoph Meinel erklärte, angesichts mancher Missverständnisse in der Öffentlichkeit über den vereinbarten Forschungsansatz und darauf aufbauender Reaktionen könne ein solches wissenschaftliches Projekt nicht unbelastet und mit der nötigen Ruhe umgesetzt werden.

Auch die Auskunftei selbst wirft das Handtuch

Kurze Zeit später gab auch die Schufa bekannt, die Idee nicht weiterzuverfolgen. Das Forschungsprojekt habe eine Debatte über den Umgang mit frei verfügbaren Daten angestoßen, "die die Schufa erst mit Vorlage der Forschungsergebnisse erwartet hätte", erklärte das Unternehmen.

Schufa-Vorstand Peter Villa wandte sich aber gegen den Vorwurf, jegliche Daten via Facebook ausspähen zu wollen: "Freunde und Status geben keine Auskunft über die Bonität eines Verbrauchers. Deshalb finden solche Daten auch keine Verwendung in unserem Datenbestand", erklärte er.

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"Schufa darf nicht Big Brother werden"

Obwohl Schufa und HPI betont hatten, es handele sich ausschließlich um ein ergebnisoffenes Forschungsprojekt, war die Idee stark kritisiert worden. Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner verurteilte das Datensammeln in sozialen Netzwerken. "Die Schufa darf nicht zum Big Brother des Wirtschaftslebens werden", sagte sie dem "Münchner Merkur". Es dürfe nicht sein, dass soziale Netzwerke systematisch nach sensiblen Daten abgegrast würden.

Am Donnerstag hatte NDR Info über das umstrittene Projekt von Deutschlands größter Auskunftei berichtet. Demnach planten Schufa-Manager und HPI-Wissenschaftler, aus unzähligen Quellen - unter anderem bei Facebook - im Internet gezielt Daten über Verbraucher zu sammeln. Auf Facebook etwa sollten Kontakte zwischen den Mitgliedern registriert werden, um Beziehungen zwischen Menschen zu untersuchen und dabei Zusammenhänge mit der Kreditwürdigkeit der Betroffenen herzustellen.

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