Altkanzler Gerhard Schröder | Bildquelle: dpa

Posten bei Rosneft "Darüber bestimme ich"

Stand: 31.08.2017 13:48 Uhr

Er habe kein Problem mit dem Rosneft-Job und er denke auch nicht daran, sich eins machen zu lassen. Altkanzler Schröder will den Aufsichtsratsposten bei dem russischen Ölkonzern. Die Kritik daran wies er bei einem SPD-Wahlkampfauftritt entschieden zurück.

Trotz harscher Kritik will Altkanzler Gerhard Schröder das Angebot annehmen, in den Aufsichtsrat des russischen Ölkonzerns Rosneft einzuziehen. Bei einem Wahlkampfauftritt im niedersächsischen Rotenburg an der Wümme sagte der SPD-Politiker:

"Ich werde das tun. Es geht um mein Leben, und darüber bestimme ich - und nicht die deutsche Presse."

Ob er bei dem Ölriesen sogar den Vorsitz des Aufsichtsrates übernehmen soll, wie russische Medien weiter berichteten, ließ Schröder offen. Seine Wahl in den Rosneft-Aufsichtsrat ist für den 29. September geplant. Er wolle dabei mithelfen, die Energiesicherheit Deutschlands und Europas zu sichern, begründete er seine Entscheidung. Zudem sei es aus ökonomischen und politischen Gründen nicht vernünftig, Russland zu isolieren.

"Die Dämonisierung Russlands hilft keinem." Rosneft sei keineswegs "der verlängerte Arm der russischen Regierung". So seien auch British Petroleum (BP), Katar oder Glencore an dem weltgrößten Ölkonzern beteiligt. Das neunköpfige Aufsichtsgremium (Board) sei nicht russisch dominiert.

"Ich bin nicht benutzbar"

Auf die Frage, ob er nicht fürchte, von Russlands Präsident Wladimir Putin als Aushängeschild bei Rosneft benutzt zu werden, antwortete Schröder: "Ich bin nicht benutzbar." Er habe auch nicht den Eindruck, dass Putin dies mit ihm vorhabe, sagte Schröder. 

Schröder machte deutlich, für wie überzogen er die Kritik an seinem geplanten Engagement hält. Man sollte sich einmal vorstellen, er würde für den US-Ölkonzern Exxon in den Aufsichtsrat gehen. "Wie wäre wohl die Reaktion der Presse? Alle wären begeistert, keiner würde über die Beweggründe nachdenken." Er habe kein Problem mit dem Rosneft-Job, "und ich denke gar nicht daran, mir eins machen zu lassen", unterstrich Schröder.

Rosneft sei der weltgrößte Erdölkonzern mit wichtigen Beziehungen auch zu Deutschland. Ein erheblicher Teil des deutschen Ölbedarfs werde aus Russland gedeckt. Er habe Interesse, noch was zu bewegen. Immer dann, wenn es keine guten Beziehungen zwischen Deutschland und Russland gegeben habe, "war es nicht gut für Europa". Ihm gefalle aber auch nicht alles, was Russland auf der Welt tue.

"Wenn er Chef ist, umso besser, hat er ein bisschen was zu sagen"

Die Personalie hatte vor allem bei Union und Opposition Kritik ausgelöst - auch weil Rosneft wegen der russischen Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim mit EU-Sanktionen belegt worden ist. Selbst SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz distanzierte sich von Schröders Plänen.

Außenminister Sigmar Gabriel hingegen stellte sich erneut hinter Schröder. In einem "Spiegel"-Interview warf er der Union vor, in anderen Situationen die Russland-Kontakte Schröders genutzt zu haben. Er nannte die Vermittlung bei einer Geiselnahme deutscher OSZE-Beobachter in der Ostukraine. Zu den Berichten, nach denen Schröder den Chefposten im Rosneft-Aufsichtsrat übernehmen soll, sagte der Vizekanzler: "Wenn er Chef ist, umso besser, hat er ein bisschen was zu sagen." Soweit er wisse, sei Schröder auch nicht von der russischen Regierung, sondern von BP für den Aufsichtsratsposten vorgeschlagen worden.

Karl-Theodor zu Guttenberg | Bildquelle: REUTERS
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Ganz andere Töne kamen dagegen vom früheren Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg, der für die CSU einen Wahlkampfauftritt in Kulmbach absolvierte: "Ich wundere mich, wie wenig Widerstand aus seiner eigenen Partei kommt. Den SPD-Altkanzler bezeichnete er als "Gazprom-Gerd" - und witzelte weiter: "Alte Liebe Rosneft nicht."

Kurz nach seiner Wahlniederlage 2005 war Schröder beim Betreiber der Gas-Pipeline Nord Stream eingestiegen, er wurde Vorsitzender des Aktionärsausschusses eines Konsortiums, an dem der russische Staatskonzern Gazprom die Mehrheit hält. Nun steht der neue Posten bei Rosneft an.

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Gerhard Schröder im März 2014

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 31. August 2017 um 06:02 Uhr.

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