Schlägerei in Warschau während des Polen-Russland-Spiels | Bildquelle: dpa

Urteil zu verabredeten Schlägereien BGH stellt die "Dritte Halbzeit" unter Strafe

Stand: 25.03.2013 16:54 Uhr

Wenn sich Hooligans oder andere Gruppen gegenseitig prügeln, müssen sie mit strafrechtlichen Konsequenzen rechnen - auch, wenn die Schlägerei vorher verabredet war. Das hat der der Bundesgerichtshof entschieden.

Die Richter schaffen mit dem Urteil juristische Klarheit für handgreiflichen Auseinandersetzungen zwischen rivalisierenden Hooligan-Gruppen - häufig als "Dritte Halbzeit" bezeichnet. Das Argument, solche Schlägereien seien vergleichbar mit sportlichen Wettkämpfen, bei denen alle Beteiligten wüssten, was sie erwartet, wies das Gericht zurück.

Es fehlt das feste Regelwerk wie beim Sport

Prügeleien könnten jederzeit eskalieren. Bei körperbetonten Sportarten wie Boxen gebe es dagegen ein festes Regelwerk, "dessen Einhaltung regelmäßig durch eine neutrale Instanz kontrolliert wird", stellten die Richter fest. Strafbar mache sich ein Sportler erst, wenn er seinen Gegner grob regelwidrig verletze.

Bundesgerichtshof Karlsruhe | Bildquelle: picture alliance / dpa
galerie

Der Bundesgerichtshof stellt die bei Hooligans beliebten Verabredungen zu Gruppengewalt unter Strafe.

Die obersten Richter wiesen damit die Revision von drei jungen Erwachsenen aus Stuttgart zurück, die mit einer verfeindeten Jugendgang ausgehandelt hatten, ihren Streit mit Fäusten und Fußtritten auszutragen. Dabei sei ausdrücklich die Möglichkeit von erheblichen Verletzungen einkalkuliert worden. Zumindest auf einer Seite hatte es schließlich mehrere Verletzte gegeben, ein Teilnehmer der Prügelei war auf der Intensivstation gelandet. Das Landgericht Stuttgart verurteilte drei Schläger aus der gegnerischen Gruppe zu verschiedenen Jugendstrafen.

Verteidiger beriefen sich auf "die guten Sitten"

Der Bundesgerichtshof wies nun die Revision der Jugendlichen zurück. Die Verteidiger hatten sich auf den Paragrafen 228 des Strafgesetzbuches berufen. Darin heißt es: "Wer eine Körperverletzung mit Einwilligung der verletzten Person vornimmt, handelt nur dann rechtswidrig, wenn die Tat trotz der Einwilligung gegen die guten Sitten verstößt." Die Anwälte sahen die guten Sitten gewahrt.

Dem widersprach der BGH. Die "gruppendynamischen Prozesse" bei solchen Schlägereien seien "generell mit einem so erheblichen Grad an Gefährdung des Lebens und der körperlichen Unversehrtheit der Kontrahenten verbunden", dass damit eine Grenze überschritten werde.

(Aktenzeichen 1 StR 585/12)

Darstellung: