Annette Schavan (Bildquelle: dpa)

Verhandlung vor Verwaltungsgericht Schavan will ihren Doktor zurück

Stand: 20.03.2014 10:12 Uhr

Anfang vergangenen Jahres hatte die Universität Düsseldorf Bildungsministerin Schavan den Doktor aberkannt, die Ministerin musste zurücktreten. Ob der Entzug rechtmäßig war, wird heute vor Gericht verhandelt.

Von Sabine Müller, ARD-Hauptstadtstudio

Annette Schavan will vor dem Prozess nicht reden, hat eine Interviewanfrage des Hessischen Rundfunks abgelehnt. Überhaupt hat sich die 58-jährige Bundestagsabgeordnete seit ihrem Rücktritt als Bundesbildungsministerin ziemlich aus der Öffentlichkeit zurückgezogen.

Am 9. Februar 2013 verkündete Schavan mit fester Stimme den Abschied von ihrem Traumjob. Neun Monate vorher war die Doktorarbeit der angesehenen Bildungsministerin unter Plagiatsverdacht geraten. Schavan hatte 1980 an der Universität Düsseldorf in Erziehungswissenschaften promoviert.

Über den Doktortitel gestolpert - Der Fall der Annette Schavan
S. Müller, ARD Berlin
19.03.2014 20:23 Uhr

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Textstellen ohne Quellenangabe übernommen?

Auf 94 der 325 Seiten soll sie Textstellen aus anderen Werken ohne Quellenangabe übernommen haben. So lautet der Vorwurf, der von anonymen Plagiatsjägern im Internet erhoben wird. Schavan sagte damals erstmal nicht viel dazu: "Wer sich mit meiner Dissertation beschäftigt hat, mit dem bin ich gerne bereit, über diese Dissertation zu sprechen. Mit anonymen Vorwürfen kann man schwerlich umgehen."

Die damalige Ministerin betonte, sie habe nach bestem Wissen und Gewissen gearbeitet und bat die Universität, ihre Doktorarbeit unter die Lupe zu nehmen. Der Anfangsverdacht sei stark genug, sagte Dekan Bruno Beckmann: "Die Philosophische Fakultät hat daher zu überprüfen, ob der Doktortitel seinerzeit zu Recht verliehen worden ist."

Rücktritt (Bildquelle: dapd)
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Am 9. Februar 2013 musste Annette Schavan zurücktreten. Angela Merkel bescherte ihrer Freundin aber einen würdigen Abschied.

Universität spricht von vorsätzlicher Täuschung

Der Professor, der Schavans Arbeit für die Universität Düsseldorf begutachtete, kam zu einem eindeutigen Urteil: systematische und vorsätzliche Täuschung. Da half es auch nichts mehr, dass Schavans Doktorvater erklärte, die Arbeit habe 1980 absolut den damals geltenden wissenschaftlichen Standards entsprochen. Am 5. Februar 2013 entzog die Universität Düsseldorf Schavan den Doktortitel.

In Berlin hörte man teilweise Häme, denn 2011 hatte sich Schavan öffentlich für Verteidigungsminister zu Guttenberg und seine unsaubere Doktorarbeit geschämt. In ihrer eigenen Affäre wollte sie kämpfen: "Die Entscheidung der Universität Düsseldorf werde ich nicht akzeptieren und dagegen klagen."

Gerhard Dannemann, Humboldt-Universität zu Berlin, zum Prozess
tagesschau24 11:30 Uhr, 20.03.2014

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Unterstützung von der Kanzlerin

Spätestens da war klar, dass sie als Ministerin gehen muss. Vier Tage später war es soweit: Aber anders als zu Guttenberg musste Schavan nicht allein in ihrem Ministerium stehen, ihre Freundin Angela Merkel bereitete ihr einen würdigen Abschied im Bundeskanzleramt: "Ich habe diesen Rücktritt sehr schweren Herzens angenommen." Und dieser Flankenschutz war mehr als eine symbolische Geste. "Freundschaft hängt nicht an Amtszeiten und wirkt über diesen Tag hinaus", sagte Schavan.

Angela Merkel vergisst ihre Freundin nicht: Anfang Februar wird bekannt, dass Schavan Botschafterin im Vatikan werden soll. Im Auswärtigen Amt ist der Personalrat überhaupt nicht begeistert, Schavan fehlten die Eingangsvoraussetzungen für den höheren Diplomatischen Dienst, das Amt dürfe nicht zur Versorgungsanstalt für Politiker werden. Die Kritik, Schavan sei nicht qualifiziert, träfe noch beißender, wenn sie vor Gericht verliert: Weil sie ihr Studium direkt mit der Promotion abschloss, bliebe beim endgültigen Verlust des Doktortitels das Abitur ihr höchster Abschluss.

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Die Karriere der Annette Schavan

Annette Schavan

Annette Schavan im November 2012 im Bundestag in Berlin. Schavan wurde am 10. Juni 1955 in Jüchen im Rheinland geboren und wuchs mit zwei jüngeren Brüdern in Neuss auf. Nach dem Abitur 1974 studierte sie katholische Theologie, Philosophie und Erziehungswissenschaften in Bonn und Düsseldorf. 1975 trat die Studentin in die CDU ein. (Bildquelle: dpa)

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