Uni Düsseldorf entzieht Schavan den Doktortitel

Annette Schavan

Uni Düsseldorf entzieht Doktortitel

Schavan will Titelkampf am grünen Tisch

Die Düsseldorfer Heinrich-Heine-Universität erkennt Bundesbildungsministerin Annette Schavan den Doktortitel ab. Das gab der Dekan der Philosophischen Fakultät, Bruno Bleckmann, bekannt. Zuvor hatte der mit den Plagiatsvorwürfen befasste Fakultätsrat stundenlang über den Fall beraten.

Für den Entzug des Doktorgrades hätten zwölf Mitglieder des Rats der Philosophischen Fakultät gestimmt bei zwei Nein-Stimmen und einer Enthaltung, sagte Bleckmann. Der Rat habe es als erwiesen angesehen, dass Schavan "systematisch und vorsätzlich über ihre Dissertation verteilt" gedankliche Leistungen vorgegeben habe, die sie nicht selbst erbracht habe.

Schavan will gegen den Entzug ihres Doktortitels klagen. Das teilten ihre Anwälte mit. Die Entscheidung der Philosophischen Fakultät der Heinrich-Heine-Universität sei in einem "fehlerhaften Verfahren" zustande gekommen und "materiell rechtswidrig", heißt es in der Erklärung.

Bildungsministerin Schavan wird Doktortitel aberkannt
tagesthemen 22:15 Uhr, 05.02.2013, Michael Heussen, WDR

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Flüchtigkeitsfehler, aber kein Plagiat

Schavan räumte zuletzt Flüchtigkeitsfehler in ihrer Dissertation ein, wies den Vorwurf des Plagiats oder der Täuschung aber energisch zurück. Die Ministerin hält sich derzeit zu einer fünftägigen Reise in Südafrika auf, wo sie politische Gespräche über berufliche Bildung und Wissenschaftskooperation führt.

Die Prüfung der Arbeit in mehreren Instanzen zieht sich bereits seit rund neun Monaten hin. Vor zwei Wochen hatte der Fakultätsrat mit 14 Ja-Stimmen bei einer Enthaltung die Einleitung eines Hauptverfahrens zum Entzug des Doktortitels beschlossen. Der Rat folgte damit der Empfehlung der Promotionskommission. In einem im vergangenen Oktober bekannt gewordenen internen Prüfbericht wurde Schavan eine "leitende Täuschungsabsicht" vorgeworfen.

Nahles und Künast fordern Schavans Rücktritt

SPD-Chef Sigmar Gabriel sagte zu der Aberkennung, Schavan müsse nun selbst erst einmal über die Konsequenzen nachdenken, die sie daraus ziehe. SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles hält einen Rücktritt der Bildungsministerin hingegen für unausweichlich: "Frau Schavan ist als Wissenschaftsministerin nicht mehr glaubwürdig. Sie muss daraus ihre Konsequenzen ziehen", sagte sie der Zeitung "Die Welt". Auch Grünen-Fraktionschefin renate Künast erwartet den Rücktritt Schavans: "Ich gehe davon aus, dass Frau Schavan sich und der Wissenschaft die Verlängerung dieser Affäre erspart und ihren Rücktritt erklärt", sagte Künast dem "Tagesspiegel". Der Fraktionsvize der Linkspartei, Dietmar Bartsch, hält Schavan für "nicht mehr handlungsfähig".

"Person und Gewissen"

Schavans Dissertation (Bildquelle: dapd)
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Und darum gehts: die Dissertation von Annette Schavan aus dem Jahr 1980

Die Kritik an der Dissertation der Ministerin war erstmals im April 2012 im Internet aufgetaucht. Schavan wird vorgeworfen, in ihrer 1980 verfassten Dissertation Textpassagen unsauber übernommen und Quellen nicht klar gekennzeichnet zu haben. In der Arbeit widmete sich die junge Schavan dem Thema "Person und Gewissen". Die Tragweite der angeblichen Zitierfehler ist unter Wissenschaftlern umstritten.

Die Promotion war seinerzeit Schavans erster Studienabschluss. Bei einer Aberkennung des Doktortitels hat Schavan somit keinen Hochschulabschluss.

Merkels Vertraute

Schavan und Merkel (Bildquelle: dapd)
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Eng vertraut: Schavan und Merkel

Seit fast acht Jahren gehört Schavan als Bildungsministerin dem Kabinett von Bundeskanzlerin Angela Merkel an. Die in Neuss geborene, gläubige Katholikin zählt schon früh zum engsten Kreis um Merkel, auch weil sie deren Modernisierungskurs in der CDU stets unterstützte. Die 57-Jährige hatte zuletzt immer wieder erklärt, sie wolle auch nach der Bundestagswahl Ministerin bleiben. Merkel hatte sich hinter Schavan gestellt und betont, sie habe volles Vertrauen in ihre Arbeit. Volle Rückendeckung hatte Schavan Ende Januar auch aus ihrem Heimat-Wahlkreis Alb-Donau/Ulm erhalten: 96 Prozent der Delegierten wählten sie erneut zur Bundestagskandidatin.

Stand: 05.02.2013 21:12 Uhr

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