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Schavan hofft auf externe Gutachten
"Die Plagiatsvorwürfe werden ausgeräumt"
Nach der Einleitung eines Verfahrens zur möglichen Aberkennung ihres Doktortitels geht Bundesbildungsministerin Annette Schavan in die Offensive. "Ich bin davon überzeugt, dass die unbegründeten Plagiatsvorwürfe ausgeräumt werden", erklärte die CDU-Politikerin nach der Entscheidung der Universität Düsseldorf.
Sie habe seit Bekanntwerden der Vorwürfe vor acht Monaten "mit zahlreichen Fachwissenschaftlern eingehend über die Plagiatsvorwürfe" gesprochen, erklärte sie: "Die intensive Beschäftigung mit dem Text meiner Dissertation - auch im Zusammenhang mit meiner schriftlichen Stellungnahme zu der Ausarbeitung des Vorsitzenden des Promotionsausschusses - bestärken mich in meiner Überzeugung, dass meine Dissertation kein Plagiat ist. Ich gehe davon aus, dass mit der Eröffnung eines ergebnisoffenen Verfahrens jetzt auch verbunden ist, externe Fachgutachten einzuholen."
Das Ende ist offen
Schavan hatte die Vorwürfe bereits mehrfach zurückgewiesen und erklärt, sie wolle auch nach der Bundestagswahl Ministerin bleiben.
Schavan wird vorgeworfen, in ihrer Doktorarbeit zum Thema "Person und Gewissen" aus dem Jahr 1980 falsch zitiert und Quellen nicht genannt zu haben. Der zuständige Fakultätsrat der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf hatte deshalb beschlossen, ein formales Verfahren zur Aberkennung des Doktortitels einzuleiten. Der Vorsitzende des Rates, der Dekan der Philosophischen Fakultät Bruno Bleckmann, hatte dies am Dienstag bekannt gegeben.
Die Einleitung dieses Verfahrens bedeutet nicht zwangsläufig, dass Schavan ihren Titel verliert. Die Prüfer könnten auch zu dem Schluss kommen, dass für einen Entzug keine ausreichenden Gründe vorliegen. Wie lange die Prüfung dauert, ist unklar. Am 5. Februar trifft sich der Fakultätsrat das nächste Mal.
Schavan weist Täuschungsvorwurf zurück
tagesschau 20:00 Uhr, 23.01.2013, Norbert Carius, ARD Berlin
Rückendeckung von der Kanzlerin
Bundeskanzlerin Angela Merkel ließ durch Regierungssprecher Steffen Seibert mitteilen, sie habe "volles Vertrauen" in die Arbeit Schavans. Bis die Entscheidung der Universität gefällt sei, gelte die Ministerin als unschuldig.
Unionsfraktionsvize Michael Kretschmer (CDU) forderte die Universität zu einem "fairen Umgang" mit der Ministerin auf. Zum jetziges Zeitpunkt seien Rücktrittsforderungen an Schavan "gänzlich fehl am Platze", erklärte auch der FDP-Forschungspolitiker Martin Neumann.
Opposition sieht Glaubwürdigkeit Schavans beschädigt
Direkte Rücktrittsforderungen gab es noch nicht - auch nicht von der Opposition. Allerdings sehen die Grünen durch das eingeleitete Verfahren die Glaubwürdigkeit der Ministerin beschädigt. Parteichefin Claudia Roth sagte der "Welt": "Wenn Annette Schavan der Doktortitel aberkannt werden würde, wäre ihr Verbleib im Amt ein Bärendienst an der Wissenschaft."
Bei einer Wissenschaftsministerin müssten die höchsten Standards gelten, nicht die niedrigsten, sagte SPD-Vorstandsmitglied Ralf Stegner dem "Handelsblatt". "Wenn die erhobenen Vorwürfe in einem Aberkennungsverfahren bestätigt werden, wird Frau Schavan selbst die Konsequenzen ziehen", betonte Petra Sitte von der Linkspartei.
Der Historiker Paul Nolte sprach sich dafür aus, im Fall Schavan über eine Verjährung nachzudenken. Eine Promotion sei 1980 "etwas anderes" gewesen, sagte er im Deutschlandradio Kultur mit Blick auf sich verändernde Fach- und Zitierkulturen.
Stand: 23.01.2013 14:43 Uhr
