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Ministerin droht Verlust des Doktorgrades
Uni eröffnet Plagiatsverfahren gegen Schavan
Die Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf leitet ein Verfahren zur Aberkennung des Doktorgrades von Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) ein. Das kündigte der Vorsitzende des zuständigen Fakultätsrats, Professor Bruno Bleckmann, an. Das Gremium folgte damit der Empfehlung der Promotionskommission, die als Vorinstanz die aus dem Jahr 1980 stammende Dissertation geprüft hatte. In einem im vergangenen Oktober bekannt gewordenen internen Prüfbericht wurde Schavan eine "leitende Täuschungsabsicht" vorgeworfen.
Der Fakultätsrat habe in geheimer Abstimmung mit 14 Ja-Stimmen und einer Enthaltung für die Einleitung des Hauptverfahrens gestimmt, sagte Bleckmann. "Ich möchte an dieser Stelle betonen, dass das Verfahren ergebnisoffen ist." Für den 5. Februar sei eine weitere Sitzung des Fakultätsrats angesetzt.
Schavan wird vorgeworfen, in ihrer 1980 verfassten Dissertation Textpassagen unsauber übernommen und Quellen nicht klar gekennzeichnet zu haben. In der Arbeit widmete sich die junge Schavan dem Thema "Person und Gewissen".
Schavan hofft auf externe Gutachter
Angesichts des eröffneten Verfahrens erklärte die Ministerin nun, sie habe seit Bekanntwerden der Vorwürfe "mit zahlreichen Fachwissenschaftlern eingehend über die Plagiatsvorwürfe" gesprochen: "Die intensive Beschäftigung mit dem Text meiner Dissertation - auch im Zusammenhang mit meiner schriftlichen Stellungnahme zu der Ausarbeitung des Vorsitzenden des Promotionsausschusses - bestärken mich in meiner Überzeugung, dass meine Dissertation kein Plagiat ist. Ich gehe davon aus, dass mit der Eröffnung eines ergebnisoffenen Verfahrens jetzt auch verbunden ist, externe Fachgutachten einzuholen. Ich bin davon überzeugt, dass die unbegründeten Plagiatsvorwürfe ausgeräumt werden."
Schavan hatte die Vorwürfe bereits mehrfach zurückgewiesen und erklärt, sie wolle auch nach der Bundestagswahl Ministerin bleiben.
Opposition spricht von Rücktritt
Für den Fall, dass Schavan den Doktorgrad verliert, wird der Druck auf die Ministerin weiter steigen. Ausgerechnet im Jahr der Bundestagswahl könnte die Ministerin damit zur Belastung für Merkels Regierung werden. Die Opposition hatte bereits im Vorfeld einen Rücktritt ins Spiel gebracht. "Wenn sie das wissenschaftliche Handwerk nicht ordnungsgemäß ausgeübt hat, muss sie Konsequenzen ziehen", sagte kürzlich SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles.
Universität Düsseldorf leitet Plagiatsverfahren gegen Schavan ein
nachtmagazin 00:00 Uhr, 23.01.2013, Torsten Beermann, WDR
Stand: 23.01.2013 12:33 Uhr
