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Plagiatsvorwürfe gegen Schavan
Ruf nach Zweitgutachten wird lauter
Die gegen Plagiatsvorwürfe im Zusammenhang mit ihrer Doktorarbeit kämpfende Bundesbildungsministerin Annette Schavan bekommt Rückendeckung von ihrer Bundestagsfraktion. "Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion steht zu Frau Schavan", sagte Fraktionschef Volker Kauder der Online-Ausgabe der "Mitteldeutschen Zeitung".
Zugleich kritisierte er scharf die Universität Düsseldorf. Er sei "einigermaßen entsetzt" darüber, wie die Uni das Verfahren führe. "In jedem anständigen juristischen Prozess müsste dieses Verfahren wegen Befangenheit und schwerer Verfahrensfehler eingestellt und neu begonnen werden. Dafür würde ich auch plädieren", sagte Kauder.
Der CDU-Politiker sprach von einem "Armutszeugnis für eine deutsche Universität" und forderte neue Gutachter.
Wissenschaftler kritisieren "unsägliches" Prüfverfahren
Auch der Präsident der Berliner Humboldt-Universität, Jan-Hendrik Olbertz, rief die Universität Düsseldorf dazu auf, das Verfahren "im Interesse der Sache und in Anbetracht des bereits entstandenen Schadens" an externe Stellen abzugeben. Möglich sei etwa ein "Gremium unabhängiger Kollegen aus der Wissenschaft" wie zum Beispiel große Forschungseinrichtungen, sagte er der "Berliner Morgenpost".
Promotionsausschauss berät am Nachmittag über Schavans Arbeit
B. Sartory, DLF
17.10.2012 09:17 Uhr
Zuvor hatte der Präsident der Humboldt-Stiftung, Helmut Schwarz, in der "Süddeutschen Zeitung" von "schweren Fehlern" in dem Prüfverfahren gesprochen und eine Untersuchung durch einen zweiten Gutachter gefordert. Es sei "skandalös", dass die Öffentlichkeit vor der Betroffenen von den Vorwürfen erfahren habe, sagte Schwarz. Der Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), Matthias Kleiner, und der Chef der Helmholtz-Gemeinschaft, Jürgen Mlynek, reagierten mit ähnlich kritischen Worten.
Annette Schavan studierte in Bonn und Düsseldorf Erziehungswissenschaften, Philosophie und katholische Theologie. 1980 promovierte sie mit der Arbeit "Person und Gewissen. Studien zu Voraussetzungen, Notwendigkeit und Erfordernissen heutiger Gewissensbildung" zum Doktor der Philosophie. Sie erhielt die Note "magna cum laude" ("mit großem Lob").
Der frühere DFG-Präsident Wolfgang Frühwald sagte der Zeitung, nach der Vorab-Veröffentlichung könnten die zuständigen Gremien der Universität nicht mehr frei entscheiden. "Sie stehen nun unter öffentlichem Druck", sagte er. In der Dissertation gebe es zwar handwerkliche Fehler. Diese seien aber nicht derart gravierend, dass man von einem Plagiat sprechen könne.
Promotionsausschuss tagt
Der "Spiegel" und die "Süddeutsche Zeitung" hatten am Wochenende berichtet, nach einem Gutachten für die Universität bestehe die Dissertation der Ministerin in Teilen aus Plagiaten. In dem Gutachten werde Schavan Täuschungsabsicht vorgehalten.
Schavan hat dies zurückgewiesen. Erneut sagte sie: "Ich möchte noch einmal betonen, was ich bereits im Mai und auch in den letzten Tagen gesagt habe: Ich habe zu keinem Zeitpunkt meiner Arbeit an der Dissertation zu täuschen versucht. Ich weise diesen Vorwurf entschieden zurück. Ich werde kämpfen. Das bin ich mir schuldig und das bin ich der Wissenschaft schuldig."
Politiker mahnen zu fairen Verfahren
tagesschau 20:00 Uhr, 17.10.2012, Pia Bierschbach, WDR
In Düsseldorf ist der Promotionsausschuss zusammengekommen und berät über die Doktorarbeit. Neben dem Gutachter Stefan Rohrbacher sollen drei weitere Professoren, zwei wissenschaftliche Mitarbeiter und ein Studentenvertreter in dem Gremium sitzen. Sie sollen eine Empfehlung an den Fakultätsrat abgeben, der dann entscheiden muss, ob Schavan der Doktortitel aberkannt wird.
Inzwischen prüft die Staatsanwaltschaft Düsseldorf die Aufnahme von Ermittlungen. Die Universität Düsseldorf hatte Strafanzeige gegen unbekannt gestellt. Es gehe um den Verdacht der Weitergabe von vertraulichen Informationen, teilte die Heinrich-Heine-Universität mit.
SPD fordert Rücktritt
Sowohl die Grünen als auch auch die SPD sehen Schavan in ihrem Amt als Bundesministerin beschädigt. Sie sollte sich überlegen, dass "sie von sich aus zurücktritt und Deutschland diese Debatte erspart", sagte SPD-Fraktionsgeschäftsführer Thomas Oppermann. Schavan habe Anspruch auf ein "faires, korrektes Verfahren", allerdings sei sie als Bildungs- und Forschungsministerin "irreparabel beschädigt". Die Israel-Reise der Ministerin, die sie momentan absolviert, werde ihre "Abschiedsreise", fuhr Oppermann fort.
Auch Grünen-Chefin Claudia Roth hatte Schavan den Rücktritt nahegelegt, sollten sich die Plagiatsvorwürfe bestätigen. Fraktionschefin Renate Künast ergänzte, Schavan könne ihr Amt angesichts der Vorwürfe "nicht mehr unbelastet ausüben". Politiker müssen wissen, dass sie als Vorbilder betrachtet würden. Das vorab bekannt gewordene Gutachten wecke aber Zweifel an ihrer Legitimation als Ministerin für Bildung und Wissenschaft, betonte Künast im "Hamburger Abendblatt".
Stand: 17.10.2012 15:09 Uhr
