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Nach Weitergabe von Gutachten im Fall Schavan
Uni Düsseldorf: Anzeige gegen unbekannt
Die Universität Düsseldorf hat im Zusammenhang mit der Überprüfung der Doktorarbeit von Bundesbildungsministerin Annette Schavan auf Plagiate Strafanzeige gegen unbekannt gestellt. Es gehe um den Verdacht der Weitergabe von vertraulichen Informationen, teilte die Heinrich-Heine-Universität mit. Informationen über das Gutachten zu der Doktorarbeit seien womöglich unter Bruch der Vertraulichkeit an die Öffentlichkeit gelangt. "Dies betrifft Prof. Dr. Schavan, die sich insbesondere aufgrund ihrer exponierten gesellschaftlichen Stellung vermehrter Aufmerksamkeit ausgesetzt sieht." Zudem sei auch der mit dem Gutachten beauftragte Professor Stefan Rohrbacher betroffen.
Der "Spiegel" und die "Süddeutsche Zeitung" hatten am Wochenende berichtet, nach einem Gutachten für die Universität bestehe die Dissertation der Ministerin in Teilen aus Plagiaten. In dem Gutachten werde Schavan Täuschungsabsicht vorgehalten. Schavan hat dies zurückgewiesen. Dem "Spiegel" zufolge soll am Mittwoch der Promotionsausschuss über die Doktorarbeit beraten. Die Universität bestätigte dies nicht.
Doktorvater nimmt Schavan in Schutz
Zuvor hatte Schavan Rückendeckung von ihrem Doktorvater erhalten. Gerhard Wehle bezeichnete die von ihm betreute Arbeit in der "Rheinischen Post" als "sehr beachtliche Leistung". "Die Arbeit entsprach absolut dem wissenschaftlichen Standard", sagte der Pädagogikprofessor.
Wissenschaftler fordern Zweitgutachten
Vertreter der deutschen Wissenschaft kritisierten das Plagiatsverfahren gegen die Ministerin zudem scharf und forderten ein Zweitgutachten. Der Präsident der Humboldt-Stiftung, Helmut Schwarz, sprach in der "Süddeutschen Zeitung" von "schweren Fehlern" in dem Prüfverfahren und forderte eine Untersuchung durch einen zweiten Gutachter. Es sei "skandalös", dass die Öffentlichkeit vor der Betroffenen von den Vorwürfen erfahren habe, sagte Schwarz. Der Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), Matthias Kleiner, und der Chef der Helmholtz-Gemeinschaft, Jürgen Mlynek, reagierten mit ähnlichen kritischen Worten.
Der frühere DFG-Präsident Wolfgang Frühwald sagte der Zeitung, nach der Vorab-Veröffentlichung könnten die zuständigen Gremien der Universität nicht mehr frei entscheiden. "Sie stehen nun unter öffentlichem Druck", sagte er. In der Dissertation gebe es zwar handwerkliche Fehler. Diese seien aber nicht derart gravierend, dass man von einem Plagiat sprechen könne. "Weder der Vorwurf des Plagiats noch der Vorwurf der bewussten Täuschung ist durch die Untersuchung gedeckt", urteilte Frühwald.
Roth legt Schavan Rücktritt nahe
Grünen-Chefin Claudia Roth legte Schavan indes den Rücktritt nahe, sollten sich die Plagiatsvorwürfe bestätigen. Dann frage sie sich, wie "ausgerechnet die für Wissenschaft und Forschung zuständige Ministerin ihr Amt noch glaubwürdig ausüben will", sagte sie dem "Kölner Stadt-Anzeiger". Angesichts ihrer Vorbildfunktion wiege allein der Verdacht einer wissentlichen Täuschung sehr schwer. Vielen sei Schavans "Fremdschämen" im Fall Guttenberg noch in Erinnerung.
Merkel spricht Schavan trotz Plagiatsaffäre Vertrauen aus
tagesthemen 22:25 Uhr, 15.10.2012, Arnd Henze, ARD Berlin
Stand: 16.10.2012 23:02 Uhr
