Annette Schavan

Schavan wehrt sich gegen Plagiatsvorwürfe "Das lasse ich mir nicht bieten"

Stand: 15.10.2012 05:24 Uhr

In der Affäre um Plagiatsvorwürfe geht Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) in die Offensive. "Jetzt bleibt mir nichts anderes übrig, als mich zu wehren. Das heißt, ich werde zu den Vorwürfen gegenüber der Universität Stellung beziehen", sagte sie der "Südwest Presse" und fügte hinzu: "Ich lasse mir das nicht bieten".

Nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" und der "Süddeutschen Zeitung" kommt ein Gutachter der Düsseldorfer Heinrich-Heine-Universität zu dem Schluss, dass etliche Stellen von Schavans Dissertation das "charakteristische Bild einer plagiierenden Vorgehensweise" tragen. Insgesamt soll es auf 60 der 351 Seiten langen Doktorarbeit beanstandete Textstellen geben.

Schavan beteuerte: "Ich habe keine Quelle bewusst falsch angegeben." Allerdings könne sie sich nach mehr als 30 Jahren "natürlich nicht mehr an alle Einzelheiten genau erinnern".

Zugleich kritisierte sie in der "Rheinischen Post" das Bekanntwerden von Einzelheiten des Gutachtens: "Es ist ein bemerkenswerter Vorgang, dass ein vertrauliches Gutachten eines Hochschullehrers der Presse vorliegt, bevor die Betroffene von der Existenz des Gutachtens weiß."

Die Grünen-Fraktionsvorsitzende Renate Künast sieht Schavan beschädigt: Noch habe die CDU-Politikerin ihr Amt formal inne, "aber die Glaubwürdigkeit, die sie für eine gute Amtsführung braucht, hat sie schon verloren", sagte sie der "Rheinischen Post". Es sei "beschämend, dass Schavan die Sache aussitzen will".

Gutachten stützt Plagiatsvorwürfe gegen Annette Schavan
E. Correll, ARD Berlin
14.10.2012 15:05 Uhr

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Anfang Mai waren bereits anonym Vorwürfe erhoben worden

Anfang Mai waren auf der Internetseite schavanplag.wordpress anonym Vorwürfe gegen die Doktorarbeit Schavans erhoben worden. Die Philosophische Fakultät der Universität Düsseldorf hatte daraufhin eine Prüfung veranlasst. Dies geschah auch auf Bitte der Ministerin. Schavan hatte 1980 mit der Arbeit unter dem Titel "Person und Gewissen - Studien zu Voraussetzungen, Notwendigkeit und Erfordernissen heutiger Gewissensbildung" den Doktortitel erlangt.

Uni berät am Mittwoch

Verfasser des Gutachtens ist den Berichten zufolge der Professor für Jüdische Studien, Stefan Rohrbacher, der zugleich dem mit dem Prüfungsverfahren befassten Promotionsausschuss vorsteht. Sein Papier ist die Grundlage für Beratungen des Promotionsausschusses voraussichtlich am Mittwoch. Neben Rohrbacher sitzen dort drei weitere Professoren, zwei wissenschaftliche Mitarbeiter und ein Studentenvertreter. Sie geben eine Empfehlung an den Fakultätsrat ab, der dann über eine Aberkennung des Doktortitels zu entscheiden hat.

"Wer nicht weiß, wie man zitiert, kann nicht Ministerin sein"

Der VroniPlag-Gründer Martin Heidingsfelder hatte Schavan bereits nach Bekanntwerden der Vorwürfe im Mai zum Rücktritt aufgefordert. "Wer nicht weiß, wie man richtig zitiert, kann nicht Bundesforschungsministerin und Professorin sein", hatte der bekannteste deutsche Plagiatsjäger damals gesagt. Heidlingsfelder wirkte bei der Aufdeckung von Plagiatsvorwürfen gegen mehrere Spitzenpolitiker wie den ehemaligen Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) und die FDP-Europaabgeordnete Silvana Koch-Mehrin mit.

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