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Zwischen Rückendeckung und Rücktritt
Merkels "volles Vertrauen" - eine riskante Sache
"Volles Vertrauen" hat Kanzlerin Merkel in ihre angeschlagene Wissenschaftsministerin. Also alles gut für Schavan? Keineswegs. Bei ihr sollten die Alarmglocken schrillen. Denn das Vertrauen der Kanzlerin ist eine riskante Angelegenheit - und währt unterschiedlich lang.
Von Sarah Renner, SWR, ARD-Hauptstadtstudio
Kanzlerin Angela Merkel hat ihrer Wissenschaftsministerin ihr Vertrauen ausgesprochen: "Die Bundeskanzlerin ist mit der Ministerin in gutem Kontakt. Sie hat volles Vertrauen in sie", sagt Regierungssprecher Steffen Seibert.
Im Netz: Schavan und das Vertrauen der Kanzlerin
S. Renner, ARD Berlin
06.02.2013 16:40 Uhr
Das Vertrauen der Kanzlerin - eine riskante Angelegenheit: Blogger Sascha Lobo hat dazu einen grafischen Überblick erstellt. Es beginnt mit einem ehemaligen Verteidigungsminister. "Franz-Josef Jung hat mein Vertrauen, ja." Volles Vertrauen der Kanzlerin, Rücktritt zwei Tage später wegen der so genannten Kundus-Affäre.
Dann kommt der Fall eines weiteren ehemaligen Verteidigungsministers: "Ich habe eine Berufung bei Karl-Theodor zu Guttenberg vorgenommen zum Verteidigungsminister. Ich habe keinen wissenschaftlichen Assistenten berufen", sagte Merkel im Februar 2011.
Und wenig später lässt sie über Regierungssprecher Seibert mitteilen: "Der Bundesverteidigungsminister genießt das Vertrauen und die Unterstützung der Bundeskanzlerin. Daran hat sich nichts geändert in den letzten Tagen." Er genießt sogar das vollste Vertrauen von Angela Merkel. Zwölf Tage lang, dann kommt der Rücktritt. "Weil ich am Wochenende, auch nachdem ich mir diese Arbeit noch einmal intensiv angesehen habe, feststellen musste, dass ich gravierende Fehler gemacht habe", räumte zu Guttenberg damals ein.
Dann der Fall Wulff: "Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Bürgerinnen und Bürger", sagt Christian Wulff. Er hat es am längsten durchgehalten, ganze 61 Tage vergehen zwischen dem vollsten Vertrauen der Kanzlerin und dem Abgang. "Ich trete deshalb heute vom Amt des Bundespräsidenten zurück", sagte Wulff am 17. Februar 2012.
Werbung mit Schavan
Neben der Grafik zum Vertrauen der Kanzlerin verbreitet sich gerade ein weiteres Bild munter im Internet: Ein Artikel über Annette Schavans Doktorarbeit, daneben eine Werbeanzeige: "Doktor oder Professor werden? Wir beraten sie schnell und kompetent". Der Google-Algorithmus, der passende Werbung automatisch zu Artikeln schaltet, macht's möglich.
Muss Schavan zurücktreten? Das Internet hat sich seine Meinung schon gebildet. Auch in einer Umfrage auf tagesschau.de beantworten drei Viertel der Teilnehmer diese Frage mit "Ja".
Stand: 06.02.2013 20:27 Uhr
