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Pressestimmen zur Plagiatsaffäre

"Eine schwere Hypothek für Merkel"

Der Fall Schavan hat eine andere Qualität als etwa die Plagiatsaffäre um Ex-Minister zu Guttenberg - darin sind sich die Kommentatoren einig. Von einem "Grenzfall" ist die Rede, auch wenn die Arbeit Mängel aufweise. Doch da diese "akademische Höchststrafe" ausgerechnet die Bildungsministerin treffe, sei nun auch die Kanzlerin gefragt.

Schavans Namensschild auf dem Kabinettstisch
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Bislang ist unklar, ob Schavan als Bundesbildungsministerin zurücktreten wird.

Die Ludwigshafener Rheinpfalz schreibt dazu: "Es ist, das darf unterstellt werden, keine politische Entscheidung, aber eine, die noch heftige politische Auswirkungen haben dürfte. Abgesehen von der Angriffsfläche, die die CDU-Politikerin der Parteien-Konkurrenz nun, wenige Monate vor der Bundestagswahl, bietet: Es fällt schwer sich vorzustellen, wie Annette Schavan, die nun quasi offiziell als Plagiatorin dasteht, als oberste Bildungspolitikerin noch überzeugend für wissenschaftliche Werte und Standards eintreten soll."

"Die Düsseldorfer Wissenschaftler haben darauf verzichtet, externe Gutachter hinzuzuziehen. Sie scheinen sich ihrer Sache sicher gewesen zu sein", vermutet die Berliner Zeitung. "Doch ihre Rolle als gewissenhafte Prüfer wird in den kommenden Tagen zum Gegenstand auch politischer Diskussionen werden. Dass die Arbeit von Annette Schavan erhebliche wissenschaftliche Mängel aufweist, dürfte unstrittig sein. Dass sie jedoch nach über 30 Jahren einer Neubewertung mit massiven Folgen für die Karriere von Schavan unterzogen wird, ist zumindest fragwürdig. Ginge es hier um Strafrecht, die Vergehen wären längst verjährt."

Die Causa Schavan - ein Grenzfall

Kanzlerin Angela Merkel und Annette Schavan
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Schavan und Merkel sind befreundet - trotzdem ist unklar, wie lange die Kanzlerin ihre Bildungsministerin noch stützen wird.

Auch die Süddeutsche Zeitung sieht die Entscheidung des Fakultätsrats kritisch: "Die Entscheidung ist juristisch vertretbar, dennoch ist sie nicht richtig. Zum einen war die Causa Schavan ein Grenzfall, das zeigt schon die lange Prüfung durch die Universität. Und das zeigt der Streit, den die Vorwürfe unter Wissenschaftlern entfacht haben. Zum Zweiten lag das Fehlverhalten der jungen Annette Schavan mehr als 30 Jahre zurück. All das hätte man berücksichtigen, die Zitierfehler rügen - und es dabei belassen können."

Dagegen wendet die Stuttgarter Zeitung ein: "Die politisch-moralischen Maßstäbe sind im Fall Schavan besonders streng. Sie kann versuchen, das Urteil der Universität juristisch anzufechten; dabei ist nicht auszuschließen, dass sie nach vielen Monaten vor Gericht obsiegt. Aber ihre Glaubwürdigkeit und Wirkungskraft als Ministerin sind ab sofort so stark beeinträchtigt, dass sie das Amt abgeben sollte."

Presseschau zur Aberkennung von Schavans Doktortitel
DLF
06.02.2013 09:44 Uhr

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"Keine Alternative zum Rücktritt"

Und die Saarbrücker Zeitung unterstreicht: "Eine Bildungsministerin, die mit der akademischen Höchststrafe bedacht wird, kann nicht am Kabinettstisch sitzen und unbefangen mit der Welt der Wissenschaft kommunizieren. Das weiß auch die Kanzlerin, die ihrer Freundin stets den Rücken gestärkt hat. Doch schon wie beim Überflieger Theodor zu Guttenberg wird es zum Rücktritt keine Alternative geben."

"Merkel verlöre damit nach Karl-Theodor zu Guttenberg ein zweites Kabinettsmitglied, das sich Pfusch in wissenschaftlicher Arbeit vorwerfen lassen muss", bemerkt die Neue Osnabrücker Zeitung: "Das wirft kein gutes Licht auf die Qualität des politischen Personals. Allerdings bleibt festzuhalten: Schavans Fehler sind klein im Vergleich zu der massiven Abkupferei des bayerischen Möchtegern-Doktors."

"Ein schwarzer Tag für die Bundesregierung"

Dennoch prophezeit die Leipziger Volkszeitung: "Ab heute wird sich die Opposition genüsslich auf den Fall Schavan stürzen. Angela Merkel, die bei zu Guttenbergs Plagiatsaffäre zu lange gezögert hatte, wird es sich diesmal kaum leisten können, vor dem Start des Bundestagswahlkampfs eine angeschlagene Ministerin zu halten. Die Entscheidung der Düsseldorfer Universität ist auch eine schwere Hypothek für Merkel. Da nur wenige Stunden vorher die Meldungen über das mögliche Aus von Stuttgart 21 für Verunsicherung sorgten, wird deutlich, dass es gestern ein ziemlich schwarzer Tag für die Bundesregierung war."

(zusammengestellt vom Deutschlandfunk)

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 6. Februar 2013 um 09:30 Uhr.

Stand: 06.02.2013 11:06 Uhr

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