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Nach dem Verschwinden der Schafe in Holland

Schafklau nun auch am Niederrhein

Die Schafzüchter am Niederrhein sind verunsichert. Schafsdiebe sind unterwegs - erst verschwanden in Holland mehrere Hundert Tiere. Jetzt ist vermutlich die dieselbe Bande auch am Niederrhein unterwegs, glauben die Behörden. Einem Landwirt in Kleve wurde eine ganze Herde gestohlen

Von Ralf Lachmann, WDR-Studio Kleve

Schafzüchter Christian Ditzhuysen ist frustriert. Schon im letzten Jahr wurden ihm 37 Schafe gestohlen. Bis heute blieben sie spurlos verschwunden! Und diesmal, sagt er, waren die Diebe sogar noch dreister, viele der gestohlenen Tiere sind hoch trächtig: "Das ist natürlich Wahnsinn, 50 Schafe auf einmal zu klauen, das tut uns natürlich sehr weh. Für uns ist das eigentlich ein dreifacher Verlust: Wir haben keinen Nachwuchs! Die Schafe sind entwendet worden. Wir müssen jetzt 50 neue Schafe kaufen. Wir haben einen Schaden von 9000 Euro."

Anfang der Woche, erzählt der Junglandwirt, hätte seine Herde noch friedlich auf einer Weide nahe der niederrheinischen Kreisstadt Kleve gegrast. Die Weide im Ortsteil Bimmen ist nur einen Steinwurf entfernt von der niederländischen Landesgrenze. Als Ditzhuysen dort wieder zur Routinekontrolle vorbei kam, fehlten seine Tiere; ein Trafo war abgestellt, der sonst den Weidezaun mit Strom versorgt: "Und dann hab ich gesehen, dass in Holland - kurz vor Millingen - an der Grenze ein Tor los geschlossen worden ist. Und dort wurden die Schafe aufgeladen."

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Noch gibt es keine Spur von den Schafsdieben.

Dass die Spur der Schafdiebe möglicherweise ins Nachbarland führt, glaubt auch die Klever Kreispolizei, deren Sprecher Manfred Jacobi bestätigt: "Die Kripo Kleve überprüft Tatzusammenhänge mit Diebstählen in der Provinz Gelderland. Im letzten halben Jahr nach meinem Kenntnisstand sind dort circa 500 Tiere zu unterschiedlichen Zeiten entwendet worden. Und dementsprechend ist die gleiche Logistik wie bei unserem Diebstahl erforderlich."

Preise für Schaffleisch um 15 Prozent gestiegen

Mit LKW und Anhänger dürfte die gut organisierte Diebesbande unterwegs sein, glaubt die Polizei. Auch in anderen niederländischen Landesteilen kamen schon massenweise Schafe abhanden. Allein Landwirt Jost Verhulst aus der Nähe von s-Hertogenbosch wurden gerade 195 Schafe auf einmal gestohlen: "Nachmittags um fünf bin ich noch bei ihnen gewesen. Da waren es noch 225. Als ich am nächsten Morgen wieder zurück war, da dachte ich, verdammt noch mal, sie sind nicht mehr da."

Die Diebstahlserie kann sich der stellvertretende Leiter der Klever Landwirtschaftskammer, Ionel Constantin, nur so erklären: "Es ist bisher kein Trend gewesen. Aber aufgrund der Entwicklung der Preise auf dem Schafmarkt kann es möglich sein, dass die Diebe sich darauf spezialisiert haben." Denn zurzeit ließen sich mit den Tieren ganz gute Geschäfte machen. Allein in der letzten Woche sei der Preis für Schaffleisch um 15 Prozent gestiegen.

2000 Schafe aus einer Herde in Sachsen gestohlen

Dazu würde auch ein weiterer dreister Schafdiebstahl - diesmal im Osten Deutschlands - passen, von dem Ionel Constantin zufällig bei einem privaten Ausflug erfuhr: "Also ich bin vorige Woche auf Jagd in Sachsen gewesen. Und der Betriebsleiter, wo ich einquartiert war, hat uns erzählt, dass die Woche davor 2000 Schafe aus einer Herde geklaut worden sind. Und wir haben uns schon gefragt, wie so was möglich ist?"

Die niederländische Landwirtschaftskammer hat ihren Schafzüchtern inzwischen geraten, den wolligen Pelz ihrer Tiere dick mit Farbe zu markieren. Die Ohrmarken allein seinen kein ausreichender Schutz, sie ließen sich leicht entfernen. Das weiß auch der Schafexperte der Landwirtschaftskammer in Kleve, Constantin: "Dann kann man sie nicht mehr indenifizieren, sie werden einfach schwarz geschlachtet!"

300 herrenlose Tiere in Nimwegen aufgetaucht

Unterdessen steht die Polizei in Holland vor weiteren Rätseln. In der Nähe von Nimwegen tauchten schon vor einigen Tagen plötzlich 300 herrenlose Schafe wieder auf. Sie hätten keine Ohrmarken mehr, so Polizeisprecher Florian Fingerhoets: "Diese Tiere sind in Quarantäne. Wir untersuchen jetzt, ob sie aus einem der Diebstähle hier oder außerhalb der Region stammen."

Ditzhuysen tut jetzt alles, um seine seit Dienstag verschwundenen 50 Schafe doch noch zu finden: "Wir sind natürlich jetzt am rumfahren, am Internet gucken, wo bietet jemand Schafe an. Wir können nur auf alle Leute, Anwohner hoffen, das irgendjemand etwas gesehen hat, dass sie direkt zur Polizei gehen, dort anrufen und Bescheid sagen."

Stand: 11.10.2012 18:11 Uhr

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