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Es ist die große Überraschung in Merkels Personaltableau: Die Kanzlerin macht ihren Innen- zum Finanzminister - und sich damit seine Stärken zunutze: Erfahrung, Cleverness und Zähigkeit. Schäuble - ein politisches Schwergewicht, welches selbst gerne Kanzler geworden wäre.
Von Jens Borchers, HR, ARD-Hauptstadtstudio
Die sechs Monate Praktikum, die der junge Wolfgang Schäuble (CDU) bei der Bezirkssparkasse Hornberg absolviert hat, die werden nicht den Ausschlag gegeben haben. Die Bundeskanzlerin dürfte bei ihrer Personalwahl vielmehr an politisches Gewicht, an die Erfahrung, die Cleverness und die Zähigkeit gedacht haben. Der 67-jährige Senior aus Baden-Württemberg sagt von sich selbst: "Man soll in der Sache fest sein, aber in der Form eher ein bisschen locker." Das wird er brauchen können im Finanzministerium - denn alle Kabinettskollegen werden dorthin betteln kommen. Hier türmen sich die strukturellen Probleme der Republik in Euro und Cent auf: Knappe Mitte und riesige Schuldenberge.
[Bildunterschrift: Schäuble galt als Kohls Kronprinz. Doch aus dem Traum von der Kanzlerschaft wurde nichts.
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Wolfgang Schäuble hat in seinem langen Politikerleben schon häufiger schwierige Finanzfragen lösen müssen: Er war es, der 1990 in führender Position ein Steuerkonzept für die zerstrittene Union mit bastelte. Schäuble musste als Helmut Kohls Mann für die deutsche Einheit über deren Finanzierung nachdenken.
Der Mann im Rollstuhl übernimmt einen anstrengenden, nervenaufreibenden Posten. Häufige Reisen und seltenes Lob, das ist das Schicksal von Finanzministern. Den Veteranen der CDU treibt wohl eines seiner Leitmotive dazu, sich das jetzt nochmal anzutun: "Wer sein berufliches Leben in einem solchen Maße der Politik gewidmet hat, der will gestalten. Und Gestaltungsmöglichkeiten in der Demokratie nennt man Macht."
Wolfgang Schäuble galt schon unter Kanzler Kohl als ein sehr loyaler aber auch als ein sehr eigenwilliger Mann. Kein blinder Ja-Sager, sondern eher ein Meinungsmacher. Sein politischer Ehrgeiz - und der ist ziemlich ausgeprägt - galt der Kanzlerschaft, später dem Posten des Bundespräsidenten. Aber daraus wurde nichts.
Doch Schäuble kam wieder: Als Innenmister der Großen Koalition - als Minister unter Merkel. "Die Bundeskanzlerin Angela Merkel hat ein hohes Maß an der Fähigkeit, Informationen aufzunehmen und zu verarbeiten. Sie ist weit überdurchschnittlich intelligent", beschreibt Schäuble seine Parteichefin. Und Schäuble lobt weiter: "Für einen Menschen, der auf diesem Niveau erfolgreich tätig ist", sei die Kanzlerin völlig "uneitel" und "normal".
[Bildunterschrift: Wolfgang Schäuble ]
Da fühlt Schäuble sich der Kanzlerin wohl nah, denn ganz ähnlich sieht er sich selbst. Schäuble gilt als Analytiker, als taktischer Fuchs und als einer, der schwierige Kompromisse organisieren kann. Er hat lange Erfahrungen aus der Koalition seiner Union mit der FDP in den 80er und 90er Jahren. Und die sagt ihm bisher, mit einem kleineren Koalitionspartner lassen sich leichter Kompromisse erzielen als mit einem großen.
Finanzminister, das dürfte Schäubles letzter wichtiger Regierungsposten sein. Das bedeutet, er muss nicht mehr allzu viel Rücksicht nehmen. Seine Unabhängigkeit und sein Eigensinn dürften eher zu- als abnehmen. Aber Schäuble sagt über seine Erfahrungen auch: "Zunächst einmal bin geradezu der Prototyp von gelassenem Auftreten und gelassener Haltung." Schäuble kann die unangenehmen Aufgaben als Sparkommissar und Ausgabendompteur übernehmen. Und Merkel weiterhin die gütige Kanzlerin der Nation bleiben. Arbeitsteilung nennt man das.
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