Der Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble | Bildquelle: dpa

"Postfaktische Methode" Schäuble vergleicht Schulz mit Trump

Stand: 11.02.2017 07:18 Uhr

Sieben Monate vor der Bundestagswahl schießt sich die Union offenbar auf SPD-Kanzlerkandidat Schulz ein. Dieser folge der "postfaktischen Methode" des US-Wahlkampfs, sagte Finanzminister Schäuble - und zog Parallelen zwischen Schulz und Trump.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) sieht Gemeinsamkeiten zwischen SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz und US-Präsident Donald Trump. "Wenn Schulz seine Unterstützer 'Make Europe great again' rufen lässt, dann ist das fast wortwörtlich Trump", sagte Schäuble dem "Spiegel".

Die Art, wie Schulz eine vermeintliche Spaltung der Gesellschaft beschwöre, folge der "postfaktischen Methode" des US-Wahlkampfs. Es würde Schulz gut tun, wenn er "mal ein bisschen nachdenken" würde statt auf "Dampfplauderei" zu setzen, meinte Schäuble. "In einer Zeit, in der weltweit die Versuchung durch den Populismus zugenommen hat, dürfen Politiker nicht so reden wie Herr Schulz."

Finanzminister Wolfgang Schäuble | Bildquelle: AFP
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Vergleichbar? Wolfgang Schäuble ...

Der designierte SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz © dpa/Carsten Rehder
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... SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz ...

Präsident Donald Trump | Bildquelle: REUTERS
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... und US-Präsident Donald Trump

"Er ist doch kein Underdog aus dem Wald"

Der SPD-Kanzlerkandidat sei auch kein glaubwürdiger Kämpfer gegen das Establishment. "Herr Schulz ist doch kein Underdog, der irgendwo aus dem Wald kommt", sagte Schäuble. "Der Mann saß jahrzehntelang im Europäischen Parlament, zuletzt als Präsident. Wenn das kein Establishment ist, was denn dann?"

Der SPD-Vorstand hatte den früheren EU-Parlamentspräsidenten Schulz Ende Januar als Kanzlerkandidaten für die Bundestagswahl im September nominiert.

Maas kritisiert Vergleich

Kritik erntete Schäuble von Bundesjustizminister Heiko Maas. Der Vergleich zwischen Schulz und Trump sei "wenig souverän", sagte der SPD-Politiker den Zeitungen des Redaktionsnetzwerk Deutschland. "Wir sollten fair und anständig miteinander umgehen", forderte Maas weiter.

Justizminister Heiko Maas | Bildquelle: dpa
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Justizminister Heiko Maas mahnte zum fairen Umgang miteinander.

Er könne sich zwar vorstellen, dass die Union anhand der Nominierung von Schulz und dem eingeleiteten Wahlkampf "etwas nervös geworden" sei. Er glaube aber nicht, dass sie nun einen "Schmutzwahlkampf" eröffnen wolle. Wechselseitige Beschimpfungen führten nur zur Polarisierung und spielten damit den Rechtspopulisten in die Hände.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 10. Februar 2017 um 14:00 Uhr

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