Teilnehmer der Koran-Verteilaktion in Hannover (Archivbild) | Bildquelle: dpa

Nachrichtendienste warnen Salafisten auf Mission

Stand: 12.12.2016 18:00 Uhr

Sie schicken Prediger und finanzieren Moscheen in Deutschland: Die deutschen Nachrichtendienste rechnen mit zunehmenden Missionierungsaktivitäten salafistischer Organisationen. Konkret werden drei Namen genannt.

Von Georg Mascolo und Kersten Mügge

Die deutschen Nachrichtendienste rechnen mit zunehmenden Aktivitäten salafistischer Missionierungsorganisationen in Deutschland und Europa. Das geht nach Informationen von NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" aus einer Untersuchung von Bundesnachrichtendienst (BND) und dem Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) im Auftrag der Bundesregierung hervor.

Das Ziel der Organisationen sei die Verbreitung einer fundamentalistischen Variante des Islams. Zu den Missionierungsaktivitäten der Organisationen gehöre das Entsenden von Predigern. Außerdem würden sie den Bau von Schulungseinrichtungen und Moscheen finanzieren. Die Strategie der Organisationen ist den Nachrichtendiensten zufolge langfristig angelegt. Dafür gebe es inzwischen zahlreiche Belege.

Den Erkenntnissen der Nachrichtendienste zufolge fehlen allerdings Beweise, dass die Organisationen "gewaltbereite salafistische Strukturen und Netzwerke" unterstützen. Dies könne aber auch nicht ausgeschlossen werden, stellen BND und BfV fest.

Einfluss über Immobilienfirma

In dem Papier werden drei Organisationen konkret genannt: Die "Shaykh Eid Charity Foundation" aus Katar, die "Muslim World League" aus Saudi-Arabien und die "Revival of Islamic Heritage Society" (RIHS) aus Kuwait. Bei RIHS sei keine Unterscheidung zwischen missionarischem und dschihadistischem Salafismus möglich. Die RIHS soll bereits seit dem Jahr 2012 über eine Immobilienfirma Einfluss auf die islamistische Szene in Deutschland haben. So seien Aktivisten mehrerer salafistisch beeinflusster Moscheen in die geschäftlichen Aktivitäten der Immobilienfirma "involviert", heißt es in dem Papier.

Öffentlich bekannt wurde ein Fall im baden-württembergischen Fellbach-Oeffingen. Dort hatte die Immobilienfirma Anfang 2014 versucht, ein salafistisches Zentrum einzurichten. Dies sei Teil eines Strategieplans der RIHS zur Missionierung Süddeutschlands gewesen. Die Polizei informierte im Sommer den Fellbacher Oberbürgermeister über die Organisation. Die Stadt verhinderte daraufhin, dass die Islamisten das Gebäude nutzen können. In den USA ist die RIHS bereits seit dem Jahr 2008 verboten, da die Organisation im Verdacht steht, terroristische Organisationen zu unterstützen.

Welche Rolle spielt Saudi-Arabien?

Aufgrund der Einschätzung ihrer Nachrichtendienste hat die Bundesregierung die Sorge, dass die deutsche Salafistenszene von derzeit 9200 Personen größer werden könnte. Die Bundesregierung bat bereits mehrfach die saudi-arabische Regierung, radikale Islamisten in Deutschland nicht mehr zu unterstützen. Saudi-Arabien verwies auf die Unabhängigkeit der religiösen Bewegungen. Außerdem seien diese ein "Bollwerk" gegen den "Islamischen Staat". Nach Einschätzung der Geheimdienste sind sie allerdings eng mit staatlichen Stellen in den Heimatländern verbunden. Alle drei genannten Organisationen lehnen Gewalt und Terrorismus offiziell ab. Eine Anfrage von NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" zu möglichen Aktivitäten in Deutschland ließen sie unbeantwortet.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 12. Dezember 2016 um 22:15 Uhr.

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