Arbeiter auf einem Baugerüst an einer Glasfassade | Bildquelle: dpa

Koalitionsvertrag 400.000 befristete Jobs weniger?

Stand: 11.02.2018 16:33 Uhr

Wenn der Koalitionsvertrag von SPD und Union umgesetzt wird, könnte sich die Zahl sachgrundloser Befristungen um 400.000 reduzieren, so Arbeitsmarktexperten. Unklar ist jedoch, was aus diesen Arbeitsverhältnissen wird.

Die Zahl der Arbeitsverträge mit sachgrundloser Befristung könnte sich nach Schätzungen von Arbeitsmarktexperten um etwa 400.000 reduzieren, wenn die Vereinbarungen von Union und SPD zu Arbeitsrecht im Koalitionsvertrag umgesetzt werden.

Allerdings könne niemand seriös vorhersagen, wie viele dieser Arbeitsverhältnisse dann mit Sachgrund befristet werden, wie viele unbefristet vereinbart werden und wie viele gar nicht mehr zustande kommen, schreibt das Redaktionsnetzwerk Deutschland unter Berufung auf das Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB).

"Missbrauch der Befristung wird eingedämmt"

Die Forscher gehen demnach von 1,3 Millionen Beschäftigten aus, die mit sachgrundlos befristeten Verträgen arbeiten. Rund 830.000 von ihnen sind in Unternehmen mit mehr als 75 Mitarbeitern tätig. Union und SPD wollen ab dieser Firmengröße Unternehmen gestatten, maximal 2,5 Prozent der Belegschaft ohne Grund nur befristet zu beschäftigen.

Den aktuellsten verfügbaren Zahlen von 2013 zufolge liegt der Anteil solcher Befristungen in diesen größeren Unternehmen derzeit bei etwas mehr als fünf Prozent. "De facto würde sich diese Zahl ungefähr halbieren, wenn die 2,5-Prozent-Grenze greift", sagte IAB-Chef Joachim Möller dem Redaktionsnetzwerk. Bei kleineren Firmen liege der Anteil der sachgrundlosen Befristungen bei 2,7 Prozent.

Olaf Scholz | Bildquelle: REUTERS
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Scholz sieht in der Arbeitsrechtsregelung einen "echten Durchbruch".

"Mit den neuen Regeln wird der Missbrauch der Befristung massiv eingedämmt", sagte SPD-Vizechef Olaf Scholz dem "Straubinger Tagblatt/Landshuter Zeitung". Das sei ein echter Durchbruch und ein ganz wichtiger Fortschritt für viele, "die bei schlechtem Lohn auch noch jeden Tag mit der Ungewissheit zu kämpfen haben, wie lange sie ihren Job noch haben".

IAB-Chef Möller wertet auch die geplante Begrenzung begründeter Befristungen von Arbeitsverträgen als positiven Schritt. "Dass solche Kettenbefristungen jetzt fünf Jahre nicht überschreiten dürfen, hat zumindest die positive Seite, dass Arbeitnehmer nicht endlos hingehalten werden können. Da muss sich gerade auch der Öffentliche Dienst bewegen", sagte Möller. Allerdings entstehe die Gefahr einer Einstellungsblockade.

Über dieses Thema berichtete der Bericht aus Berlin am 11. Februar 2018 um 18:30 Uhr im Ersten.

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