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10.02.2010

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Inland
Internationale Giftmülltransporte: Für Russen kein Thema
Urantransporte nach Russland

Für die Russen kein Thema

Die Nachricht, dass sowohl Frankreich als auch Deutschland seit langem Uran in Russland lagern lassen, sorgt derzeit in beiden Ländern für Schlagzeilen. Umweltschützer zeigen sich alarmiert angesichts der Gefahren für die Umwelt. Die Russen selbst aber bleiben unbeeindruckt.

Von Esther Hartbrich, ARD-Hörfunkstudio Moskau

Russische und deutsche Umweltschützer kämpfen seit Jahren gemeinsam gegen Transporte von Uranhexafluorid aus Deutschland. In den neunziger Jahren hatte das britisch-niederländisch-deutsche Unternehmen Urenco mit der russischen Firma Techsnabexport einen Vertrag abgeschlossen. Dieser läuft Ende 2009 aus und sieht vor, abgereichertes Uranhexafluorid - kurz UF6 - aus der deutschen Urananreicherungsanlage in Gronau in Russland wieder anreichern zu lassen. Seither sind 27.300 Tonnen per Schiff nach Sankt Petersburg und von dort mit dem Zug nach Sibirien geliefert worden.

Auch russische Umweltschützer alarmiert

Als im März ein Schiff mit UF6 in den Petersburger Hafen einlief, demonstrierten Aktivisten von Greenpeace und der russischen Organisation Umweltschutz dagegen. Sie halten die offizielle Version, es handele sich um einen Wertstoff, weil er noch Spuren von Uran 235 enthalte, für vorgeschoben. Sie nennen es wie ihre deutschen Kollegen illegale Einfuhr von Nuklearabfall.

Gegenüber tagesschau.de bestätigte Urenco, dass nur 10 bis 20 Prozent des gelieferten Uranhexafluorids angereichert nach Deutschland zurückkomme, der Rest bleibe vertragsgemäß in Russland. Der Stoff wird Medienberichten zufolge teilweise in rostenden Fässern unter offenem Himmel gelagert, in Sewersk, unweit der sibirischen Stadt Tomsk. Wie angeblich auch abgereichertes Uran aus Frankreich. Mit Feuchtigkeit könne aus UF6 hochgiftige Flusssäure entstehen, so deutsche Umweltschützer.

Lager der Urenco Deutschand GmbH (Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Allein aus der deutschen Urananreicherungsanlage Urenco gingen über 27.000 Tonnen Uran nach Sibirien. (Archivfoto)]
Die Urananreicherungsanlage der Urenco Deutschland GmbH (Foto: picture-alliance/ dpa/dpaweb) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Die Urananreicherungsanlage der Urenco Deutschland GmbH in Gronau (Archivfoto vom 12.04.2003).]
 

Im Ausland Aufruhr, für Russland kein großes Thema

Im Gegensatz zu deutschen und französischen Medien nehmen die russischen Journalisten das Thema kaum zur Kenntnis. Lediglich die Tageszeitung "Nesawissimaja Gasjeta" widmet ihm einen längeren Artikel. Darin kommt ein Sprecher der staatlichen Firma Rostom zu Wort. Er wirft den Journalisten vor, sie hätten einiges verwechselt. Russland importiere keinen Atommüll. Aus Frankreich erhalte man von Plutonium gesäubertes Uran, aus dem man Brennstoff für deutsche, niederländische, schwedische und schweizerische Atomkraftwerke herstelle. Bei dem Verarbeitungsschritt in Sewersk falle das chemisch aggressive Gas Hexafluorid an, wird der Sprecher zitiert. Das werde in Fässern gelagert, und die hätten die Journalisten über die Satellitenaufnahmen von Google gesehen.

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Uran-235, Uran-238 und Uranhexafluorid:

Uran ist der Ausgangsstoff für Kernenergie. Bevor es zur Energieerzeugung verwendet wird, sind diverse Arbeitsschritte notwendig. In der Natur vorkommendes Uran enthält nur zu etwa 0,7 Prozent die Atomsorte (Isotop) Uran-235, die in Kernkraftwerken gespalten wird. Der Rest ist nicht spaltbares Uran-238.

Der natürliche Anteil an Uran-235 reicht für Energiezwecke nicht aus. Daher wird die Konzentration auf vier bis fünf Prozent erhöht. Dieser Vorgang wird als Urananreicherung bezeichnet. Dabei entsteht als Nebenprodukt auch abgereichertes Uranhexafluorid. Dieses Material wird vom Verarbeiter als Wertstoff und von Kernkraftgegnern als Atommüll bezeichnet. Es handelt sich dabei um eine leicht flüchtige, äußerst giftige, radioaktive und korrosive Verbindung. Sie ist nicht brennbar oder explosiv, reagiert aber sehr heftig mit Wasser, beispielsweise mit Luftfeuchtigkeit.

Die bundesweit einzige Anlage für die Urananreicherung steht im nordrhein-westfälischen Gronau. Betreiber der Anlage ist die Urenco Deutschland GmbH. An ihr sind auch die Energiekonzerne RWE und E.ON beteiligt.
 
Stand: 15.10.2009 15:54 Uhr
 

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