Zur Haupt-Navigation der ARD.
Zum Inhalt.
Die Nachricht, dass sowohl Frankreich als auch Deutschland seit langem Uran in Russland lagern lassen, sorgt derzeit in beiden Ländern für Schlagzeilen. Umweltschützer zeigen sich alarmiert angesichts der Gefahren für die Umwelt. Die Russen selbst aber bleiben unbeeindruckt.
Von Esther Hartbrich, ARD-Hörfunkstudio Moskau
Russische und deutsche Umweltschützer kämpfen seit Jahren gemeinsam gegen Transporte von Uranhexafluorid aus Deutschland. In den neunziger Jahren hatte das britisch-niederländisch-deutsche Unternehmen Urenco mit der russischen Firma Techsnabexport einen Vertrag abgeschlossen. Dieser läuft Ende 2009 aus und sieht vor, abgereichertes Uranhexafluorid - kurz UF6 - aus der deutschen Urananreicherungsanlage in Gronau in Russland wieder anreichern zu lassen. Seither sind 27.300 Tonnen per Schiff nach Sankt Petersburg und von dort mit dem Zug nach Sibirien geliefert worden.
Als im März ein Schiff mit UF6 in den Petersburger Hafen einlief, demonstrierten Aktivisten von Greenpeace und der russischen Organisation Umweltschutz dagegen. Sie halten die offizielle Version, es handele sich um einen Wertstoff, weil er noch Spuren von Uran 235 enthalte, für vorgeschoben. Sie nennen es wie ihre deutschen Kollegen illegale Einfuhr von Nuklearabfall.
Gegenüber tagesschau.de bestätigte Urenco, dass nur 10 bis 20 Prozent des gelieferten Uranhexafluorids angereichert nach Deutschland zurückkomme, der Rest bleibe vertragsgemäß in Russland. Der Stoff wird Medienberichten zufolge teilweise in rostenden Fässern unter offenem Himmel gelagert, in Sewersk, unweit der sibirischen Stadt Tomsk. Wie angeblich auch abgereichertes Uran aus Frankreich. Mit Feuchtigkeit könne aus UF6 hochgiftige Flusssäure entstehen, so deutsche Umweltschützer.
Im Gegensatz zu deutschen und französischen Medien nehmen die russischen Journalisten das Thema kaum zur Kenntnis. Lediglich die Tageszeitung "Nesawissimaja Gasjeta" widmet ihm einen längeren Artikel. Darin kommt ein Sprecher der staatlichen Firma Rostom zu Wort. Er wirft den Journalisten vor, sie hätten einiges verwechselt. Russland importiere keinen Atommüll. Aus Frankreich erhalte man von Plutonium gesäubertes Uran, aus dem man Brennstoff für deutsche, niederländische, schwedische und schweizerische Atomkraftwerke herstelle. Bei dem Verarbeitungsschritt in Sewersk falle das chemisch aggressive Gas Hexafluorid an, wird der Sprecher zitiert. Das werde in Fässern gelagert, und die hätten die Journalisten über die Satellitenaufnahmen von Google gesehen.
[Hinweis: Sie benötigen das Flash-Plugin und aktiviertes Javascript um das Video zu sehen.]
Die Landesrundfunkanstalten der ARD: BR, HR, MDR, NDR, Radio Bremen, RBB, SR, SWR, WDR,
Weitere Einrichtungen und Kooperationen: ARD Digital, ARTE, PHOENIX, 3sat, KI.KA, DLF/ DKultur, DW