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Angesichts des Missbrauchskandals in der katholischen Kirche hat Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) Papst Benedikt XVI. zu einer Entschuldigung bei der Opfern aufgefordert. "Ich denke, es wäre angemessen, wenn der Papst für die Übeltäter in katholischen Einrichtungen in Deutschland ein öffentliches Wort des Bedauerns und der Bitte um Entschuldigung ausspricht", sagte Thierse im rbb-Inforadio.
[Bildunterschrift: Thierses fordert eine Entschuldigung des Papstes. ]
Natürlich sei auch eine materielle Entschädigung der Opfer wichtig, so Thierse. Den Betroffenen würde es aber viel mehr Genugtuung verschaffen, wenn "wirklich aufgeklärt wird - und Konsequenzen gezogen werden".
Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) verteidigte unterdessen das Konzept der zwei Runden Tische zum Missbrauchsskandal. Es sei wichtig, sowohl über Prävention als auch über Anerkennung und mögliche Entschädigung von Opfern zu sprechen, sagte Leutheusser-Schnarrenberger im ZDF.
Der von Bundesfamilienministerin Kristina Schröder und Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) einberufene Runde Tisch werde sich ausdrücklich nicht damit befassen, was für "die Opfer von Missbrauch aus der Vergangenheit" getan werden könne. Leutheusser-Schnarrenberger sagte, sie berufe ihren Runden Tisch ein, um gerade dort, wo "wegen eingetretener Verjährungsfrist strafrechtlich nichts mehr passieren" könne, den Opfern ein Stück Gerechtigkeitsgefühl zu vermitteln.
[Bildunterschrift: Der Beauftragte der Katholischen Kirche für Missbrauchsfälle, Ackermann meint, die Kirche agiere nicht außerhalb geltenden Rechts. ]
Die katholische Kirche dagegen bleibt bei ihrem Plan, am Schröder-Schavan-Tisch teilzunehmen und der Veranstaltung der Justizministerin fernzubleiben. "Wichtig war uns, dass der Runde Tisch wirklich ein runder Tisch ist, nicht ein Oben und Unten", sagte der Beauftragte der Katholischen Kirche für Missbrauchsfälle, Bischof Stephan Ackermann. Ackermann will auch Beschwerden über Amtskollegen nachgehen, die nicht ausreichend mit den Staatsanwaltschaften zusammenarbeiten.
Die Bundesjustizministerin betonte trotz der Absage der Kirche, sie werde sich weiterhin um ein Gespräch mit dem Vorsitzenden der katholischen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, bemühen.
Ackermann trat im ZDF zugleich dem Eindruck entgegen, die katholische Kirche agiere im Umgang mit den Tätern in einem Raum außerhalb geltenden Rechts. Zwar gebe es in den 2002 verabschiedeten Leitlinien einen "missverständlichen" Passus, die Kirche habe aber immer so agiert, dass Täter "bei erhärtetem Verdacht" auf Kindesmissbrauch "zur Selbstanzeige angehalten" worden seien. Zudem seien die Staatsanwaltschaften informiert worden.
Die CSU warf der Bundesjustizministerin unterdessen überzogene Kirchenkritik vor. Die bayerische Justizministerin und stellvertretende CSU-Vorsitzende Beate Merk sagte dem "Münchner Merkur", der "heftige Angriff auf die Kirche" und die "undifferenziert pauschale Kritik" ihrer FDP-Kollegin habe sie sehr irritiert. "Ein so hochsensibles Thema sollte man sensibler handhaben", forderte Merk. Nach langem Schweigen zeige die Kirche inzwischen "den aufrichtigen Willen, die Fälle aufzuarbeiten".
Eine berufsständische Anzeigepflicht forderte die Publizistin Alice Schwarzer. So sollten etwa Ärzte und Lehrer dazu verpflichtet werden, bei Verdacht auf Kindesmissbrauch Anzeige zu erstatten.
[Bildunterschrift: Stephanie zu Guttenberg ist Präsidentin der Kinderschutzorganisation Innocence in Danger. ]
Die Präsidentin der Kinderschutzorganisation Innocence in Danger, Stephanie zu Guttenberg, kritisierte die "täterorientierte" Diskussion. "Wir müssen uns überlegen, was wir für die Opfer tun können", sagte die Ehefrau von Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU). Eltern müssten ihren Kindern zuhören und ihnen Glauben schenken. Im Durchschnitt bitte ein missbrauchtes Kind acht Mal um Hilfe, ehe es Gehör finde.
Unterdessen hat Papst Benedikt XVI. im Vatikan den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Zollitsch, empfangen, der das Oberhaupt aller Katholiken über den Missbrauchsskandal informieren soll. Aus Vatikankreisen in Rom verlautete, dass der Papst sich nicht öffentlich zu dem Thema äußern werde.
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