Wegen technischer Mängel Prestige-Panzer "Puma" macht Probleme

Stand: 18.10.2013 15:30 Uhr

Mit Rüstungsprojekten hat Verteidigungsminister de Maizière wenig Glück. Nach dem Debakel um die Aufklärungsdrohne Eurohawk gibt es jetzt neue Hiobsbotschaften rund um das Milliardenprojekt Schützenpanzer "Puma".

Von Christian Thiels, SWR, ARD-Hauptstadtstudio Berlin

Es ist eines der Rüstungsgroßprojekte der Bundeswehr: der Schützenpanzer "Puma". 350 dieser High-Tech-Panzerfahrzeuge soll die Truppe für rund 4,3 Milliarden Euro bekommen. Noch 2009 bezifferte das Verteidigungsministerium die Kosten mit lediglich 3,1 Milliarden für 405 Fahrzeuge – eine geschönte Zahl, denn Kosten für Zusatzsysteme und Ausrüstung waren nicht eingerechnet. Der "Puma" soll den Schützenpanzer "Marder" ersetzen, der bereits seit mehr als 40 Jahren in der Armee eingesetzt wird.

Viele technische Mängel

Heute nun verkündete der jetzige und womöglich auch künftige Verteidigungsminister Thomas de Maizière in Berlin, dass es "keine Grundlage für die Übernahme in die Nutzung" für den "Puma" gebe. Dies heißt: Der Schützenpanzer wird vorerst nicht in die Bundeswehr eingeführt - zu groß sind die technischen Mängel. Es gebe Probleme mit der mangelnden Stabilität bei Software und Elektronik, bei der technischen Dokumentation, beim Gewicht und mit der eingeschränkten Sicht des Fahrers.

Schützenpanzer Puma
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Die Bundeswehr soll 350 Schützenpanzer "Puma" bekommen.

Aus dem Heer selbst gibt es schon länger Klagen, dass der Prestige-Panzer nicht so funktioniert, wie sich die Truppe es wünscht. Eigentlich sollte es etwa möglich sein, Daten, die der "Puma" mit seinen Sensoren erfasst, drahtlos an Soldaten außerhalb des Panzers zu übertragen. Diese Vernetzung mit dem Systems "Infanterist der Zukunft" funktioniere aber nicht, sagen Offiziere, die in das "Puma"-Projekt eingebunden sind.

Bis zum Monatsende sollen die Herstellerfirmen Krauss Maffei Wegmann (KMW) und Rheinmetall Nachweise für die Lösung dieser Probleme beibringen. Die Frage, wann der Puma in die Truppe eingeführt werden kann, kann de Maizière derzeit nicht beantworten: "Das ist unklar."

Andere Rüstungsprojekte in den Schlagzeilen

Es ist ein weiterer Rückschlag, den das Verteidigungsministerium bei Rüstungs-Großprojekten verkraften muss. Zuletzt hatten Probleme mit Hubschraubern und dem Sturmgewehr G36 für Schlagzeilen gesorgt. In unangenehmer Erinnerung ist auch das Multimillionen-Debakel um die Aufklärungsdrohne "Eurohawk". Deren Beschaffung scheiterte an einem fehlenden Antikollisionssystem, Zulassungsproblemen und dramatischen Kostensteigerungen und führte zu einem Untersuchungsausschuss des Bundestages.

De Maizière legte heute einen Sachstandsbericht vor, in dem er die bereits erfolgten Konsequenzen aus dem Scheitern des Projektes skizziert. So soll der Generalinspekteur bis Jahresende Vorschläge auf dem Tisch haben, wie die Spionage-Technik, die für den "Eurohawk" vorgesehen war, in einem anderen bemannten oder unbemannten Fluggerät weiter verwendet werden kann. Die Probleme mit dem "Eurohawk" hätten keine Auswirkungen auf das verwandte Drohnen-System AGS (Allied Ground Surveillance) der NATO, gibt sich das Ministerium optimistisch.

Neue Behörde für militärisches Fluggerät

An AGS ist Deutschland mit 480 Millionen Euro beteiligt. Auch hier befürchten Experten Probleme bei der Zulassung für den europäischen Luftraum, auch wenn das Verteidigungsministerium darauf verweist, dass für AGS ein moderner Drohnentyp vorgesehen sei. De Maizière will sich weiter um europaweit einheitliche Kriterien für die Zulassung von Drohnen bemühen. In Deutschland sollen die zersplitterten Zuständigkeiten für militärisches Fluggerät in einer neuen Behörde, dem "Luftfahrtamt der Bundeswehr" gebündelt werden. Das Amt soll im zweiten Quartal kommenden Jahres seine Arbeit aufnehmen.

Bei der Rüstungsbeschaffung will de Maizière künftig mit einem "Rüstungsboard" Projekte intensiver begleiten lassen und dem Haushalts- und Verteidigungsausschuss regelmäßig Zwischenberichte zu Sachstand und Problemen zukommen lassen. Dazu, verkündete der Minister heute ebenfalls, habe man bereits ein neues Formblatt entwickelt.

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