Ministerin beauftragt Unternehmensberater KPMG soll Rüstungsprojekte prüfen

Stand: 28.06.2014 15:41 Uhr

Eurofighter, Airbus A400M, die Hubschrauber Tiger und NH90 - die kostspieligsten Projekte des Verteidigungsministeriums liegen alle weit hinter dem Zeitplan und sind deutlich teurer als geplant. Nun werden sie von einem Konsortium rund um die Unternehmensberatung KPMG geprüft.

Von Christian Thiels, tagesschau.de  

Bei der Namensfindung für das Kampfflugzeug der Zukunft bewiesen Industrie und Verteidigungsministerium Ende der 1980er-Jahre kein gutes Händchen. Den neuen Superjet für die Luftwaffe tauften sie "Jäger 90", denn er sollte ab 1990 in die Bundeswehr eingeführt werden.

Tatsächlich ließ die Maschine aber auf sich warten, die ersten Serienexemplare kamen erst 14 Jahren später, im April 2004, bei der Luftwaffe an. Zwischenzeitlich hatte sich der Stückpreis des Flugzeug von 65 Millionen D-Mark (1988) auf zuletzt 138,5 Millionen Euro (2012) dramatisch verteuert und der "Jäger 90" war mehrfach umgetauft worden: über ein hoffnungsvolles "Eurofighter 2000" schließlich in "Eurofighter Typhoon" - wohl nicht ohne Grund zuletzt ohne eine Jahreszahl.

Es sind solche milliardenschweren Altlasten mit denen sich auch Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen herumschlagen muss. Neben dem Eurofighter gibt es da noch die Kampfhubschrauber Tiger, den Transporthelikopter NH90, das Transportflugzeug A400M, den Schützenpanzer Puma und die Marine-Fregatte der Klasse 125. Allen gemeinsam ist eine erhebliche Verspätung bei der Lieferung und entweder deutliche Kostensteigerungen oder geringere Stückzahlen bei gleichem Preis.

Hubschrauber NH90 der Bundeswehr | Bildquelle: REUTERS
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Wurde mit erheblicher Verzögerung ausgeliefert: Hubschrauber NH90

Nun müssen externe Prüfer ran

Nun soll ein Konsortium aus den Unternehmensberatungen KMPG, P3 Ingenieurgesellschaft und Taylor Wessing innerhalb der kommenden drei Monate eine gründliche Bestandsaufnahme und Untersuchung der wesentlichen Projektrisiken dieser sechs Rüstungsvorhaben durchführen. Laut Pressemitteilung des Verteidigungsministeriums soll das Team aus mehr als 30 Wirtschaftsprüfern auch die Beschaffung einer Alternative für das gestoppte Luftabwehrsystem MEADS sowie eines einheitliches Funksystem für die gesamten Streitkräfte untersuchen.

Auf der Prüfliste steht auch das Nachfolgesystem für das mit Pauken und Trompeten geplatzte Aufklärungsdrohnen-Projekt Eurohawk. Das Gesamtvolumen der zu überprüfenden Waffendeals liegt laut Ministerium bei 50 Milliarden Euro. Für die Untersuchung bekommen KMPG und Kollegen knapp 1,15 Millionen Euro als Honorar. Der entsprechende Vertrag wurde am Freitag endgültig geschlossen, nachdem es schon vor einigen Tagen Signale gab, dass sich das Ministerium unter anderem für KPMG entschieden habe.

KPMG berät allerdings auch Unternehmen der Rüstungsindustrie, wie BAe Systems, eine der Herstellerfirmen des Eurofighter und die schwäbische Waffenschmiede Heckler&Koch, die unter anderem das in die Kritik geratene Sturmgewehr G36 produziert. Kritiker sehen darin einen Interessenkonflikt, Befürworter verweisen dagegen auf das Know-How der Beratungsfirma in diesem Bereich.

Airbus A400M | Bildquelle: picture alliance / dpa
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Auch der Airbus A400M wurde deutlich teurer als geplant.

Empfehlungen auch für künftige Projekte

Die Ergebnisse der Analyse sollen in Empfehlungen für die einzelnen Rüstungsprojekte einfließen. Außerdem sollen grundsätzliche Ideen für das künftige Management der Beschaffung von Kriegsgerät erarbeitet werden. Ende Oktober will von der Leyen den Bundestag über die Erkenntnisse informieren.

Im Februar hatte die Ministerin den damaligen Rüstungsstaatssekretär Stéphane Beemelmans sowie den Abteilungsleiter Rüstung wegen Pannen im Rüstungsbereich gefeuert. Die Nachfolge von Beemelmans könnte die Unternehmensberaterin Katrin Suder, derzeit bei der Firma McKinsey, antreten.

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